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Schachspieler fremdeln mit Online-Duellen

Umfrage unter den Schachclubs in Stadt und Landkreis Fürth - 05.01.2021 14:15 Uhr

Jörg Straschewski (rechts) macht aus der Not eine Tugend und verabredet sich mit dem Nachwuchs der Schachabteilung des TSV Cadolzburg derzeit freitagnachmittags auf einer Online-Plattform.

04.01.2021 © Foto: Udo Güldner


Prinzipiell ist es möglich, während des Lockdowns gegeneinander Schach zu spielen. Doch die Online-Angebote machen die Vereine in Stadt und Landkreis Fürth nicht wirklich glücklich, wie eine Umfrage unter den hiesigen Klubs zeigt.


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Für Wilfried Schulz von der Schachgemeinschaft 1882 Fürth ist die Situation zwar "nicht berauschend, aber wir geben die Hoffnung nicht auf". Eine umfassende Auskunft über die Stimmung unter seinen Mitspielern im Verein könne er nicht geben, da Kontakte herunterfahren und Online-Aktivitäten zum Teil sehr gering seien. Aus Angst vor dem Virus treffen sich seines Wissens nach auch keine Spieler für Live-Partien, doch seien bislang auch nicht reihenweise Mitglieder ausgetreten.

Im Frühjahr noch bildeten SG-Spieler eine Online-Mannschaft auf der Plattform "Lichess", "aber das hat sich von selbst erledigt", berichtet Schulz. Es hätten sich immer weniger beteiligt. Eine weitere wichtige – wenn nicht sogar die wichtigtste – Säule der Nachwuchsförderung ist das Schulschach, das völlig brach liegt, die Schulen erlauben es nicht mehr.

"Voraussetzung für unsere Planungen im kommenden Jahr wird sein, dass wir in das Spiellokal dürfen", erklärt Schulz, "dann würden wir gerne unsere Vereinsmeisterschaft und die Mannschaftskämpfe fortsetzen, die hoffentlich wieder zustande kommen." Immerhin eine frohe Botschaft hat er beim Blick in den Geldbeutel: "Finanzielle Probleme haben wir noch keine."

Schachfreunde Fürth sind entspannt

Reiner Kiesel von den Schachfreunden Fürth ist ebenfalls entspannt, was Austritte anbelangt. "Die meisten Mitglieder sind schon über viele Jahre im Verein und es ist somit nicht zu erwarten, dass sie dem Verein den Rücken kehren", erzählt er.

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Allerdings sei zu befürchten, dass mit der Verlängerung der Beschränkungen ältere Mitglieder oder Mitglieder, die inzwischen weiter entfernt wohnen, aber trotzdem noch regelmäßig bei Mannschaftswettkämpfen angetreten sind, ihre aktive Zeit beenden. Und klar ist auch: "Wir haben durch natürliche Fluktuation Mitglieder verloren. Das Problem besteht darin, dass in dieser Zeit keine neuen Mitglieder hinzukommen", rechnet Kiesel vor.

Ein Teil der Mitglieder beteilige sich zur Überbrückung des brachlebenden Vereinslebens an Fernschach-Turnieren via E-Mail. Seine Einschätzung klingt ernüchternd: "Es wird sicher noch länger dauern, bis Präsenzschach – also Mannschaftswettkämpfe oder Vereinsabende – wieder möglich ist. Deshalb versuchen wir, virtuelle Alternativen stärker zu nutzen."

Die Miete für das Schachlokal laufe natürlich weiter, obwohl die Schachfreunde es kaum nutzen können. Seine Angst: "Eine weitere Fluktuation von Mitgliedern würde die Fixkosten nicht mehr decken."

Kein Spielabend, keine Ligakämpfe in Zirndorf

Hubert Seibold vom Schachklub Zirndorf fühlt sich derzeit weiter weg vom Rest seiner Mitspieler denn je. "Wie die Stimmung unter den Mitgliedern ist, kann ich nicht sagen. Wir treffen uns ja höchstens mal telefonisch." Das Schachleben stehe still: kein Spielabend, keine Ligakämpfe. Ein virtuelles Ersatzprogramm ergebe bei der Altersstruktur des SK Zirndorf keinen Sinn, lässt Seibold durchblicken. Vermutlich spielen einzelne Mitglieder auf einem der bekannten Plattformen ein paar Partien.

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Aufgrund der Ungewissheit plant der SK Zirndorf fürs neue Jahr noch überhaupt nichts. Denn aus der Vergangenheit weiß Seibold: "Es gab schon viele Planungen im Schachkreis Mittelfranken-Mitte, im Schachbezirk, im Bayerischen Schachbund undsoweiter. Aber die waren alle überholt, ehe die zugehörigen Mails raus waren." In Zirndorf heiße es: "Abwarten. Und das gilt auch für den sicher heraufziehenden Ärger im finanziellen Bereich."

Keine Mietkosten für die Cadolzburger Denksportler

Die Sehnsucht nach Wettkämpfen mit gegenübersitzenden Gegnern ist in Cadolzburg groß, die Stimmung "nicht so toll", berichtet Jochen Trümpelmann vom TSV Cadolzburg. Auch der TSV hat anscheinend treue Mitglieder, die der Abteilung die Stange halten, obwohl sie nicht spielen dürfen. Fixkosten haben die Denksportler ohnehin nicht, denn der Schachraum im Sportheim koste keine extra Miete.


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Die Verantwortlichen tun einiges dafür, um den Nachwuchs zu unterhalten, wie der Abteilungsleiter erklärt: "Ein virtuelles Ersatzprogramm gibt es hauptsächlich für unsere Jugendlichen, die sich mit unserem Übungsleiter Jörg Straschewski zur gewohnten Trainingszeit am Freitagnachmittag auf der Online-Plattform "Lichess" treffen und dort Turniere veranstalten."

Einige Spieler der 1. Mannschaft hätten als Gast bei Onlinespielen anderer Vereine mitgespielt. "Aber Fazit ist doch, dass das das Spielen am Brett nicht ersetzen kann", lautet Trümpelmanns ernüchterndes Fazit.

Er fürchtet, "dass es auch im Frühjahr nicht weitergehen wird". Ein wenig Abwechslung für die Spieler der ersten und zweiten Mannschaft könne ein Blitzturnier auf "Lichess" bieten, das die Sporcher bald anbieten wollen. "Mal sehen, wie das angenommen wird."

UDO GÜLDNER Fürther Nachrichten

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