Fürth kämpft, aber belohnt sich nicht

1:2 in Berlin! Ein Eigentor verdirbt den Kleeblatt-Abend komplett

RESSORT: Lokales / Sonstiges..DATUM: 28.09.16..FOTO: Michael Matejka MOTIV: Mitarbeiterporträt / Mitarbeiterportrait - Sportredakteur Sebastian Gloser ANZAHL: 1 von 1..Veröffentlichung nur nach vorheriger Vereinbarung
Sebastian Gloser

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17.9.2021, 22:43 Uhr
Fürths Pechvogel in Berlin: Maximilian Bauer (MItte).

Fürths Pechvogel in Berlin: Maximilian Bauer (MItte). © Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink

Wer die Hertha-Fans am frühen Freitagabend in der U-Bahn Richtung Olympiastadion so reden hörte, der konnte auf die Idee kommen, dass die Fürther besser zu Hause geblieben wären an diesem Tag. 3:0, 4:0, 5:1 - mit jedem Tipp fiel der Berliner Sieg noch deutlicher aus. Der 3:1-Erfolg in Bochum am vergangenen Wochenende hatte offenbar ausgereicht, um das stets große Selbstvertrauen in der Hauptstadt zu reaktivieren.

So deutlich wurde es nicht, weil auch den Fußballern der Hertha der verpatzte Saisonstart noch anzumerken war. Am Ende reichte es dennoch zu einem etwas glücklichen 2:1 (0:0)-Sieg, die Spielvereinigung Greuther Fürth ging trotz einer sehr engagierten Leistung auch im dritten Auswärtsspiel leer aus.

Dudziak statt Green

Im Vergleich zum 0:2 gegen den VfL Wolfsburg hatte Stefan Leitl nur eine Änderung in der Startelf vorgenommen. Jeremy Dudziak ersetzte Julian Green positionsgetreu, ansonsten blieb der Ansatz zunächst der gleiche: kein Risiko eingehen, lieber den Ball hoch in Richtung Cedric Itten spielen und schnell nachrücken. "Wir müssen keinen Schönheitspreis gewinnen in der eigenen Hälfte", hatte Fürths Trainer vorab noch einmal betont, nach dem komplizierten Saisonstart will das Kleeblatt erst einmal Sicherheit gewinnen.

Um einen Schönheitspreis bewarben sich dann beide Mannschaften nicht in der ersten Halbzeit. Zwar tauchten die Gäste bereits nach 13 Sekunden erstmals im Berliner Strafraum auf und durfte Havard Nielsen nach fünf Minuten einen ersten Schuss abgeben, danach pendelte sich die Partei aber erst einmal auf überschaubarem Niveau ein. Einen "Festtag" hatte sich Leitl unter Flutlicht erhofft, es wurde zumindest ein Festtag für Freunde von vielen und intensiven Zweikämpfen.

Mehr Feuer nach dem Seitenwechsel

Aktiv sein, nach Ballverlusten schnell ins Gegenpressing kommen - das hatten sich die Fürther vorgenommen und das bekamen sie bis auf eine Szene auch gut umgesetzt. In der 16. Minute verteidigten sie auf der linken Abwehrseite etwas zu sorglos, den freien Raum nutzte Suat Serdar, stürmte auf Sascha Burchert zu, setzte den Ball dann aber knapp rechts neben das Tor. Es brauchte schon eine Majestätsbeleidigung in Form einer Gelben Karte gegen Kevin-Prince Boateng, um das Publikum vor dem Seitenwechsel noch einmal in Wallung zu bringen.

In den zweiten 45 Minuten sollte sich das bald ändern. Nachdem sich Fürths Jetro Willems mit einem Schuss Richtung Tribüne dem Berliner Tor angenähert hatte (50.), durfte sich das Kleeblatt sieben Minuten später über die erste Führung in dieser Saison freuen. Itten hatte gegen Deyovaisio Zeefuik gut nachgesetzt, der sehr agile Dudziak drang in den Berliner Strafraum ein und stolperte über Zeefuik, der auf beeindruckende Weise daran scheiterte, seinen Fehler direkt wieder gut zu machen. Den fälligen Elfmeter verwandelte Branimir Hrgota eiskalt: 0:1 (57.).

Die Führung hält nur vier Minuten

Vielleicht erfreute sich der Aufsteiger ein bisschen zu sehr an diesem schönen Zustand, vielleicht war die Hertha durch diesen Schock aber auch erst richtig aufgewacht. Nur vier Minuten nach der Führung verfiel die Fürther Abwehr in einen Sekundenschlaf, der hellwache und gerade erst eingewechselte Jurgen Ekkelenkamp durfte unbedrängt zum 1:1 einköpfen (61.).

Leitl reagierte mit frischem Personal und tauschte unter anderem den robusten Stoßstürmer Itten gegen den flinken Konterstürmer Dickson Abiama aus. Der Plan war offensichtlich. Hinten nun wieder kompakter stehen und vorne auf Berliner Fehler spekulieren und Abiama auf die Reise schicken. Doch diesen Gefallen tat ihnen die Hertha nicht. Im Gegenteil.

Berlins Glück, Bauers Pech

Der Ausgleichstreffer hatte im mit 21.372 Zuschauern gefüllten Berliner Olympiastadion nur eine Mannschaft beflügelt. 375 Millionen hat Investor Lars Windhorst über die Jahre in die Hertha investiert, nun machte sich zumindest ein kleiner Qualitätsunterschied bemerkbar. Für die Entscheidung an diesem Freitagabend benötigte es allerdings auch viel Glück. Der ebenfalls eingewechselte Marco Richter schlug einfach mal einen Ball halbhoch in den Fürther Sechzehnmeterraum, wo er Maximilian Bauer ans Standbein prallte und von dort über die Torlinie kullerte: 1:2 (79.).

Die bedröppelten Gäste warfen noch einmal alles nach vorne, wirklich gefährlich wurde es aber nicht mehr. Die Hertha-Fans in der U-Bahn hatten sich gründlich verschätzt, trotzdem muss sich das Kleeblatt auch nach fünf Spieltagen mit einem mageren Pünktchen begnügen.

Hertha BSC: Schwolow - Zeefuik, Stark, Boyata (27. Gechter), Dardai, Plattenhardt (46. Jastrzembski) - Tousart, Boateng (59. Ekkelenkamp) - Serdar, Maolida (68. Richter) - Belfodil (59. Selke)

SpVgg Greuther Fürth: Burchert - Meyerhöfer, Bauer, Viergever, Willems - Griesbeck - Dudziak, Seguin - Nielsen - Itten, Hrgota

Tore: 0:1 Hrogta (57., Foulelfmeter), 1:1 Ekkelenkamp (61.), 2:1 Bauer (Eigentor., 79.) | Gelbe Karten: Boateng - Nielsen, Barry | Schiedsrichter: Stieler (Hamburg) | Zuschauer: 21.372

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