Angreifer bleibt Kapitän

Die Binde als Antrieb: Branimir Hrgota führt das Kleeblatt an

24.7.2021, 06:00 Uhr

"Ich hasse es, zu verlieren": Im Trainingslager gab Branimir Hrgota in jeder Sekunde Vollgas. © Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink

Wer Branimir Hrgota in Österreich beobachtet, der sieht pure Leidenschaft. Der Angreifer des Kleeblatts gibt in jeder Sekunde Vollgas, dirigiert, schreit, schimpft und jubelt - fast so, als würde es bereits im Trainingslager um die ersten Bundesliga-Punkte.

"Es ist wichtig, dass jeder an seine Grenzen geht oder sogar darüber hinaus, weil wir das auch in den Spielen brauchen", sagt der 28-Jährige. "Ich bin der Erste, der mit Leistung vorangehen und an die Grenze kommen muss. Wenn ich es nicht mache, kann ich es auch nicht von der Mannschaft fordern."

Vor der vergangenen Saison hat Trainer Stefan Leitl seinen Angreifer zum Kapitän gemacht. Das war für Hrgota eine neue Situation, "man muss immer funktionieren und immer seine Leistung bringen", sagt er. Diese neue Verantwortung übernahm er auf dem Platz, ging voran, schoss wichtige Tore und brachte seine Mannschaft am 34. Spieltag mit einem verwandelten Elfmeter einen Schritt näher Richtung Bundesliga.

Wenn es bald gegen Bayern und Dortmund geht, wird Hrgota wieder die Binde tragen. "Ich freue mich riesig, als Kapitän in Bundesliga zu spielen", sagt er, "das hätte niemand gedacht, als ich vor zwei Jahren hierher gekommen bin." Da lagen bereits vier Jahre in Mönchengladbach und drei in Frankfurt hinter ihm, vor allem die Zeit bei der Borussia unter Lucien Favre hat ihn geprägt.

Gutes Verhältnis mit Stefan Leitl

Hrgota schwärmt in höchsten Tönen von seinem ehemaligen Coach, von dessen Empathie und Akribie. Für ihn als jungen Spieler war das wichtig, weil ihn jemand an die Hand nahm und begleitete auf dem Weg zum Bundesligaspieler. In Fürth hat er wieder einen Trainer, der ihm vertraut, "ich muss Stefan Leitl hervorheben", sagt Hrgota, "er hat mir so viel Selbstvertrauen gegeben."

Die beiden haben ein sehr gutes Verhältnis und sprechen oft miteinander - nicht nur über Fußball. "Ich kann immer zu ihm kommen und reden", erzählt der Angreifer. "Ich habe ihn auch gefragt, was man als Vater alles machen muss." Im Oktober kommt seine Tochter zur Welt, zur Verantwortung auf dem Platz kommt dann auch noch mehr im Privaten dazu.

Doch Branimir Hrgota freut sich auf all die Herausforderungen, sie treiben ihn immer wieder zu neuen Höchstleistungen an. In Fürth hat er ein Umfeld gefunden, in dem er zu alter Stärke zurückgefunden und sich als Fußballer enorm weiterentwickelt hat. Einen Ort, an dem er viel Vertrauen spürt und auch auf dem Platz Freiheiten genießt - weil auch sein Trainer weiß, dass er da einen Spieler hat, der immer für ein Tor gut ist.

"Ich fühle mich hier sehr, sehr wohl und glaube, dass wir noch Vieles schaffen können", sagt er. Deshalb hat er seinen Vertrag vor dieser Saison um drei Jahre verlängert. "Es ist wichtig, viel Spielzeit zu haben", sagt er. "Deshalb war es das Beste für mich, den Weg mit Fürth weiterzugehen." Dieser Weg führt ihn am Samstag erstmal über die Grenze zurück, in Rottach-Egern misst sich die Spielvereinigung um 14 Uhr mit der TSG Hoffenheim.

Branimir Hrgota wird dann wieder laut sein, dirigieren und seine junge Mannschaft als Kapitän anführen. So, wie er es auch in den vergangenen Tagen in Österreich gemacht hat. Selbst einen Sieg beim Trainingsspiel hat er da wie einen Bundesliga-Tor bejubelt. Er lacht, wenn man ihn darauf anspricht. "Ich hasse es zu verlieren, auch im Training, es gibt nichts Schlimmeres", sagt Hrgota. "Es ist wichtig, dass alle diese Gewinnermentalität haben, nicht nur ich."

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