Kolumne zum Kleeblatt

Laubenweg 60: Warum das Jahr 2022 auch für einen Reporter schwierig war

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

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16.11.2022, 15:00 Uhr
Schöner Abschluss: das Trainerteam des Kleeblatts am vergangenen Sonntag in Darmstadt.

© Sportfoto Zink / Melanie Zink, Sportfoto Zink / Melanie Zink Schöner Abschluss: das Trainerteam des Kleeblatts am vergangenen Sonntag in Darmstadt.

Irgendwie fühlt es sich falsch an, Mitte November schon auf das abgelaufene Jahr zurückzublicken. Doch 2022 ist so vieles anders. Günther Jauch wird weder jetzt noch im Dezember in "Menschen, Bilder, Emotionen" von den großen Geschichten des Jahres erzählen, weil er sich entschieden hat, es nach vielen Jahren vor der Kamera langsamer angehen zu lassen.

Sein Nachfolger ist, ja, tatsächlich, der ewige Thomas Gottschalk, der die Sendung mit dem ehemaligen Bundesminister Karl-Theodor zu Guttenberg bestreiten wird. Um Fußball wird es darin aber nur am Rande gehen. Das Jahr 2022 ist ja das der sogenannten "Winter-WM" in der Wüste, einem Turnier, das man aus vielerlei Gründen ablehnen kann – und das Alexander Zorniger erst am Sonntag wieder als "Schwachsinns-WM" bezeichnet hat. Weil allerdings ab Sonntag in Katar Fußball gespielt wird, ruht der Ball in Deutschland und der ganzen weiten Welt – zumindest oberhalb des Amateurfußballs, der dankenswerterweise weiterhin stattfindet.

Deshalb ist es jetzt, Mitte November tatsächlich an der Zeit, sich kurz zurückzulehnen und zurückzublicken auf dieses ganz besondere Jahr, das sicher in den kommenden sechs Wochen noch so einige Geschichten liefern wird.
Allerdings nicht beim Kleeblatt. Für das begann 2022 ja schon sehr früh – und mit viel Rückenwind. Ein paar Wochen zuvor hatte die lange leidende Mannschaft ja ihr erstes Spiel in der Bundesliga gewonnen sowie in Dortmund und gegen Augsburg gut mitgehalten.

Am 8. Januar kam der VfB Stuttgart nach Fürth, der die Spielvereinigung zu Saisonbeginn heftig vermöbelt hatte. Doch auch gegen die Schwaben stand die Null – auf beiden Seiten. Es folgte ein 2:2 in Bielefeld, bei dem der Schiedsrichter die Fürther um den ersten Auswärtssieg der Saison brachte sowie ein 2:1 gegen den FSV Mainz 05. In Fürth fingen die ersten schon zu träumen an – und Stefan Leitl sagte, dass die Spieler gerne träumen dürfen, wenn sie den Traum vom Klassenerhalt mit harter Arbeit und viel Leidenschaft untermauern.

Sieben Monate ohne Erfolg

In Wolfsburg aber gab es den ersten Rückschlag, dem der nächste Sieg folgte. 2:1 gegen Hertha BSC, verbunden mit dem Gedanken, dass diese Saison tatsächlich noch ein schönes und unerwartetes Ende nehmen könnte. Nahm sie aber nicht. Im Gegenteil.

Der Erfolg gegen die Alte Dame aus Berlin sollte der einzige bleiben – bis weit in die neue Saison hinein. Dazwischen lag ein wenig harmonischer Abschied des Aufstiegstrainers Leitl sowie der Amtsantritt des sympathischen Schweizers Marc Schneider. Der hatte allerdings wenig Glück und durfte erst im September seinen ersten (und letztlich einzigen Sieg) bejubeln.

Die andauernde Negativität im und um den Verein war auch als Reporter teilweise nur schwer zu ertragen. Normale Gespräche waren irgendwann kaum mehr möglich, die Nerven lagen blank, es wurde geschimpft, kritisiert – irgendwie mussten ja alle beim Kleeblatt fertig werden mit der schwierigen und traurigen Gesamtsituation.

Die ist seit Alexander Zornigers Amtsantritt erstaunlich schnell erstaunlich gut geworden – der Blick in den Rückspiegel ist aber trotzdem ein trauriger. Sechsmal hat das Kleeblatt im Fußballjahr 2022 gewonnen – in 35 Spielen, von denen der Kleeblatt-Reporter 33 live im Stadion erlebte.

2022, du warst hart und oft unangenehm. Auf ein schöneres 2023 hofft deshalb: Michael Fischer

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