Trainerteam geht

Trennung mit Nebengeräuschen: Stefan Leitl wird Fürth im Sommer verlassen

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

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27.4.2022, 17:32 Uhr
"Ich hätte mich gefreut, davon nicht aus der Zeitung zu erfahren": Rachid Azzouzi (rechts) über den Abgang seines Trainers.

© Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, NN "Ich hätte mich gefreut, davon nicht aus der Zeitung zu erfahren": Rachid Azzouzi (rechts) über den Abgang seines Trainers.

Wenn alles so stimmt, wie man sich das in Fürth und Hannover erzählt, dann war der vergangene Montag ein sehr anstrengender Tag für Stefan Leitl. Am Vormittag startete er mit seiner Mannschaft in die Vorbereitung auf das Auswärtsspiel bei Union Berlin (Freitag, 20.30 Uhr), am Nachmittag verbrachte er offenbar mehrere Stunden auf der Autobahn. Das Ziel: Großburgwedel bei Hannover.

Dort soll sich der Trainer der Spielvereinigung mit 96-Boss Martin Kind und Hannovers Sportdirektor Marcus Mann getroffen haben, um über eine gemeinsame Zukunft zu sprechen. Dabei muss Leitl mächtig Eindruck hinterlassen haben. Zumindest legen das die Medienberichte aus Hannover nahe, die ab Dienstagabend nach und nach erschienen.

Erst schrieb die "Bild"-Zeitung von einem "Geheimtreffen", ein paar Stunden später vermeldete der TV-Sender "Sky" sogar, dass Leitl in der kommenden Saison neuer Trainer bei Hannover 96 werde. Am Mittwoch zogen dann verschiedene Medien in Niedersachen nach. Das Trio habe "eine gemeinsame Zukunft ab der kommenden Saison" verabredet, schrieb die "Neue Presse Hannover". "Wenn da nicht die vielen Bedingungen wären. Die Zeit drängt."

Laut dem Blatt kann Leitl das Kleeblatt nur noch bis Samstag und gegen eine Ablöse in Höhe von 500.000 Euro verlassen. Hannover, das mal wieder seinen Erwartungen hinterherhinkt, könnte aber noch in die dritte Liga absteigen und hat am Freitag ein wichtiges Spiel gegen Karlsruhe. Während der Sportdirektor vor diesem darauf bedacht war, Ruhe zu verbreiten und die Personale Leitl nicht zu kommentieren, meldete sich Patriarch Martin Kind gegenüber "Sport 1" zu Wort.

"Ich hoffe es und bin auch überzeugt, dass er für die nächste Saison der neue 96-Trainer wird“, sagte der 77-Jährige. Leitl habe auf ihn "einen sehr offenen, sympathischen und qualifizierten Eindruck" gemacht, "sehr engagiert. Wir sind von ihm und seiner Arbeit überzeugt." Das war Fürths Geschäftsführer Rachid Azzouzi bis zuletzt ebenfalls - und trotz des seit Samstag feststehenden Abstiegs aus der Bundesliga. Er hatte seinem wichtigsten Angestellten kürzlich einen langfristigen Vertrag bis 2027 vorgelegt, weil er den Neuanfang in der zweiten Bundesliga mit Stefan Leitl angehen wollte.

Azzouzi hatte ja nicht umsonst auch in der größten sportlichen Krise, nach 14 Niederlagen in den ersten 15 Spielen, am Trainer festgehalten. Doch das große Vertrauen in Leitl, von dem der Trainer immer wieder geschwärmt hatte, zahlte sich für den Verein nicht aus. Am Dienstagabend erfuhr Rachid Azzouzi beim Besuch des U23-Spiels gegen Augsburg vom Ausflug seines Trainers nach Hannover. "Natürlich bin ich da enttäuscht", sagt der Geschäftsführer auf Nachfrage. "Ich hätte mich gefreut, davon nicht aus der Zeitung zu erfahren."

Die "offene und ehrliche Kommunikation", von der Leitl immer wieder sprach, hatten beide am Ende offenbar also nicht mehr. "Ich habe diese Signale nicht empfangen", sagt Azzouzi. "Weder, dass er zu 100 Prozent weitermachen will noch dass er nach Hannover wechseln möchte." Am Mittwochnachmittag hat Leitl seinem Chef dann in einem persönlichen Gespräch mitgeteilt, dass er und Co-Trainer Andrej Mijatovic den Verein im Sommer verlassen werden.

Eine Einigung mit Hannover 96 aber gibt es noch nicht.

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