Schwache erste Hälfte

Weiterhin sieglos: Kleeblatt kassiert gegen Sankt Pauli spät das 2:2

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

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3.9.2022, 15:06 Uhr
Der zwischenzeitliche Ausgleich: Branimir Hrgota traf nach der Pause zum 1:1.

© Sportfoto Zink / Daniel Marr, Sportfoto Zink / Daniel Marr Der zwischenzeitliche Ausgleich: Branimir Hrgota traf nach der Pause zum 1:1.

Am Freitagabend verschärfte ausgerechnet der 1. FC Nürnberg die Krise des Kleeblatts. Durch das 4:2 von Eintracht Braunschweig gegen den Club rutschte die Spielvereinigung auf den letzten Platz der Tabelle ab - und empfing den FC St. Pauli am Samstagnachmittag tatsächlich als einzig siegloser Verein der zweiten Bundesliga. "Auch unsere Geduld hat Grenzen", stand deshalb auf einem Banner vor der Nordtribüne. "Kein Mimimi, kein Gelaber - alles geben fürs Kleeblatt."

Das gab das Kleeblatt auch - zumindest im zweiten Durchgang. Nach einer sehr schwachen ersten Hälfte drehten die Fürther auf und damit auch das Spiel. Doch das 2:1 brachten sie nicht über die Zeit, kassierten fünf Minuten vor Schluss den Ausgleich und bleiben weiterhin sieglos.

Im Vergleich zum Auswärtsspiel in Hannover vergangene Woche (1:2) änderte Fürths Trainer Marc Schneider seine Mannschaft auf zwei Positionen. Neuzugang Damian Michalski spielte in der Innenverteidigung für Oliver Fobassam, Timothy Tillman rückte für Ragnar Ache in die Startelf - und übernahm im 4-2-3-1 die linke Außenbahn von Armindo Sieb. Der 19-Jährige gab stattdessen den Angreifer ganz vorne vor Kapitän Branimir Hrgota.

Doch Spielfreude und Offensivdrang suchten die 10.553 Zuschauer im Ronhof vergebens. Die Verunsicherung war dem Kleeblatt ab der ersten Sekunde anzumerken. Es dauerte lange, bis die Mannschaft überhaupt in die Partie fand, sodass die Gäste nur wenig Probleme hatten und mit jeder Minute spielbestimmender wurden. Nach acht Minuten näherte sich die Hamburger erstmals dem Fürther Tor an. Michalski und Asta konnten eine Hereingabe nicht verhindern, sodass Lukas Daschner zum Abschluss kam - den Oussama Haddadi gerade noch blocken konnte.

Die Spielvereinigung hingegen spielte wie ein siegloser Tabellenletzter. Tobias Raschl verlor den Ball viel zu einfach, Sieb spielte immer wieder unsauber, Neuzugang Marco John schlug den Ball bei einer Verlagerung ins Nicht - während die Gäste immer wieder gefährlich wurden. David Otto brachte zu wenig Druck hinter seinen Kopfball (11.), erneut Daschner verzog nach einer Viertelstunde. Dann aber belohnte sich das deutlich überlegene Sankt Pauli für seinen Aufwand.

Nach einer Flanke war Simon Asta alleine gegen Johannes Eggestein, der den Ball behauptete und für Otto ablegte. Dessen Schuss wollten gleich mehrere Fürther blocken, Asta gelang das auch, doch dann brachte Leart Paqarada den Abpraller glücklich zu Marcel Hartel, der komplett frei vor Linde stand und den Ball zum verdienten 0:1 ins Tor bugsierte (18.). Zwei Minuten darauf scheiterte Sieb mit der ersten Fürther Chance an Nikola Vasilj - es sollte für längere Zeit auch die einzige Fürther Möglichkeit bleiben.

Die Unruhe im Ronhof wurde mit jeder weiteren Minute der organisierten Harmlosigkeit größer - und wäre nach einer halben Stunde beinahe noch größer geworden. Jackson Irvine köpfte den Ball nach einer Ecke an die Latte, kurz darauf versuchte es Armindo Sieb immerhin mal aus 20 Metern, bereitete Vasilj damit aber keine größeren Probleme. Die hatte dafür das Kleeblatt, bei dem so gar nichts zu stimmen schien, das den Gästen immer wieder große Räume bot, sodass die teilweise problemlos über das Zentrum aufbauen konnten.

Zwei Torschüsse als Heim-Mannschaft

Einen harmlosen Kopfball von Max Christiansen, der fünf Meter am Tor vorbeiging, später war Halbzeit. Die Fürther hatten bei einem Heimspiel zwei Torschüsse abgegeben, Sankt Pauli hingegen neun. Es war eine der schlechtesten Halbzeit dieser Saison - entsprechend laut waren die Pfiffe, mit denen die Zuschauer ihre Mannschaft in die Kabine verabschiedeten.

In der Pause fand Marc Schneider aber offenbar die richtige Worte, stellte auf ein 4-4-2 mit Raute um, in dem Sieb die Zehn hinter den Angreifern Abiama und Hrgota übernahm - und wurde direkt belohnt. Bereits 20 Sekunden nach Wiederanpfiff erspielte sich das Kleeblatt die erste Ecke, nach der Christiansen sogar frei zum Kopfball kam und diesen perfekt platzierte. Paqarada rettete allerdings noch auf der Linie.

Dann aber jubelten die Fürther. Michalski gewann in der eigenen Hälfte ein Kopfballduell, Abiama leitete den Ball etwas glücklich weiter in den Lauf von Hrgota, der ihn aus vollem Lauf direkt nahm und links unten zum Ausgleich traf (47.). Das Kleeblatt spielte nun wie verwandelt, wollte sich nicht lange mit dem 1:1 aufhalten - und ging in der 52. Minute tatsächlich in Führung. Eine Flanke von Raschl köpfte Sankt Paulis Jackson Irvine vor dem einschussbereiten Sieb ins eigene Tor.

Die Spielvereinigung hatte die Partie, in der sie sich im ersten Durchgang, so schwer getan hatte, also tatsächlich innerhalb von sieben Minuten gedreht. Nach einer Stunde reagierte Gäste-Trainer Timo Schultz und brachte mit Etienne Amenyido und Igor Matanovic zwei frische Stürmer, Chancen auf den Ausgleich aber erspielte sich Sankt Pauli zunächst nicht.

Dann aber schenkte Schiedsrichter Martin Petersen den Hamburgern die große Chance auf das 2:2: Matanovic ging 20 Minuten vor Schluss nach einem minimalen Rempler von Tillman im Strafraum zu Boden, Petersen ließ weiterlaufen, doch dann schaltete sich der VAR ein. Petersen schaute sich die Szene am Bildschirm an und entschied tatsächlich auf Elfmeter. Paqarada schnappte sich den Ball - und hämmerte ihn an die Latte. Der Ronhof jubelte lautstark.

Das hätte er fünf Minuten darauf wohl noch mit einigen Dezibel mehr, doch David Nemetz klärte nach einer Hereingabe von Raschl gerade noch vor dem eingewechselten Ragnar Ache (77.). Als der erste Sieg seit dem 12. Februar immer wahrscheinlich wurde, ließ Connor Metcalfe den Ronhof verstummen. Abiama hatte im Mittelfeld technische Probleme, ein paar Sekunden später lag der Ball nach einem Schuss aus 16 Metern hinter Linde im Fürther Tor. 2:2 nach 85 Minuten.

Es war ein Schock für das Kleeblatt, das zunächst nicht mehr zurückkam - und sogar Glück hatte, dass die Gäste das Spiel trotz einer guten Möglichkeit von Amenyido nicht komplett drehten. In der letzten Minute kam Christiansen im Strafraum nochmal zum Kopfball, doch Vasilj war zur Stelle. Um 14:52 Uhr pfiff der Schiedsrichter ab. Fürth bleibt sieglos - springt durch das Unentschieden aber immerhin auf den 16. Rang.

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