Umstrittener Elfmeter

Zweimal klar benachteiligt: Kleeblatt ärgert sich über den Schiedsrichter

Michael Fischer, Sportredakteur
Michael Fischer

Nürnberger Nachrichten

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7.8.2022, 09:00 Uhr
Hand? Schauen Sie doch auf meinen Bauch, Herr Schiedsrichter: Oussama Haddadi konnte die Elfmeter-Entscheidung von Arne Aarnink nicht nachvollziehen.

© Sportfoto Zink / Wolfgang Zink, Sportfoto Zink / Wolfgang Zink Hand? Schauen Sie doch auf meinen Bauch, Herr Schiedsrichter: Oussama Haddadi konnte die Elfmeter-Entscheidung von Arne Aarnink nicht nachvollziehen.

Was am Freitagabend um kurz vor Acht passierte, war auch eine Stunde später noch Thema. Nach dem 1:1 des Kleeblatts gegen den Karlsruher SC sah man Rachid Azzouzi wutentbrannt durch den Kabinengang des Ronhofs rennen, ans Ziel kam der Geschäftsführer des Kleeblatts aber nicht. Schiedsrichter Arne Aarnink wollte nicht mit Azzouzi reden - und wusste wahrscheinlich ganz genau, warum.

Grund für die Aufregung waren zwei Szenen während der 90 Minuten. In der ersten Hälfte sprang der Karlsruher Paul Nebel dem Fürther Sebastian Griesbeck mit gestrecktem Bein ans Sprunggelenk. Es war ein mindestens gelbwürdiges Vergehen des bereits verwarnten KSC-Spielers - es hätte sich aber wohl auch kein Karlsruher beschwert, wäre Nebel mit Rot vom Platz geflogen.

Gelb? Rot? Arne Aarnink entschied stattdessen auf Einwurf für Karlsruhe. In der Pressekonferenz nach dem Spiel sprach selbst KSC-Trainer Christian Eichner von einer "diskutablen Szene mit Paul Nebel", sein Fürther Kollege Marc Schneider sah eine "klare Gelb-Roten Karte" - die der Partie womöglich eine andere Wendung gegeben hätte.

Dass er da eine klare Fehlentscheidung getroffen und die Fürther benachteiligt hatte, sah Aarnink offenbar sogar ein. Azzouzi hatte den Schiedsrichter bereits in der Halbzeit mit der Szene in der 40. Minute konfrontiert - und immerhin ein klares Schuldeingeständnis Aarninks als Antwort bekommen.

Minutenlanges Videostudium

Noch größer war die Aufregung aber in der 62. Minute. Die Gäste kombinierten sich an den Fürther Strafraum, Marvin Wanitzek schloss aus knapp 16 Metern ab - und Oussama Haddadi blockte den Versuch des Karlsruhers. Mit dem Bauch? Oder doch mit der Hand? Das Spiel lief zunächst weiter, dann bekam Aarnink einen Hinweis vom Video-Assistenten. Zur Verwunderung aller Beteiligten entschied der Schiedsrichter nach minutenlangem Videostudium auf Elfmeter.

Vor allem Haddadi war außer sich. Der Fürther Verteidiger riss sein Trikot nach oben, zeigte auf seinen Bauch, der tatsächlich gerötet war an der Stelle, an der ihn der Ball berührt hatte. Ob der danach noch an seine angewinkelte Hand sprang, war selbst aus mehreren Blickwinkeln nicht eindeutig aufzuklären - umso größer war die Verwunderung.

"Wir hatten das notwendige Quäntchen Glück, dass einer Hand gesehen hat", befand Karlsruhes Trainer. "Ich bin ein Freund davon, es laufen zu lassen, wenn sich keiner beschwert." Ganz ähnlich klang Marc Schneider, der sich auch lange nach Abpfiff noch fürchterlich aufregen konnte. "Es hat sich niemand beschwert, nicht mal die Karlsruher", sagte er. "Du lässt es laufen und schaust es dann drei Minuten an, ganz ehrlich: Dann kann es nicht eindeutig sein."

Die Entscheidung war bitter für die Fürther, die zwar nicht gut spielten, aber fünf Minuten vor dem vermeintlichen Handspiel mit 1:0 in Führung gegangen waren. "Natürlich ist das ein wichtiger Punkt gewesen in diesem Spiel", sagte Schneider. Seine Mannschaft hatte ja gerade erst wieder etwas Zutrauen in die eigene Stärke gefunden, "wenn du führst, hätte der KSC mehr machen müssen und es hätte auch mehr Räume für gegeben".

Die gab es allerdings nicht - und die Fürther wirkten nach dem erneuten Rückschlag doch sehr konsterniert. Zurück fand das Kleeblatt nie mehr wirklich, weshalb auch im dritten Saisonspiel kein Sieg gelang.

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