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Suspendierter Stimmenkäufer: Rio-Boss hat mächtig Ärger

IOC-Exekutive greift hart durch - 06.10.2017 19:05 Uhr

Im Visier der Justiz: Auf Carlos Nuzman kommen offensichtlich harte Zeiten zu. © AFB


Die Olympischen Spiele in Rio de Janeiro standen unter keinem guten Stern, für das Internationale Olympische Komitee (IOC) entwickeln sie sich zum Debakel: Einen Tag nach seiner Festnahme in Brasilien ist der Organisationschef der Spiele 2016, Carlos Nuzman, nun als Ehrenmitglied des IOC vorläufig suspendiert worden. Auch das gesamte brasilianische olympische Komitee wurde von der IOC-Exekutive vorübergehend ausgeschlossen. Nuzman ist seit 22 Jahren dessen Chef.

Das teilte das IOC am Freitag in Lausanne mit. Nuzman war am Donnerstag wegen des Verdachts des Stimmenkaufs im Vorfeld der Olympiavergabe festgenommen worden. Auch aus der Koordinierungs-Kommission für die Sommerspiele 2020 in Tokio wurde er ausgeschlossen.

Zwei Millionen Dollar überwiesen

In Brasilien war die Festnahme Thema Nummer 1 – Nuzman ist der höchste Sportfunktionär des Landes. Der 75-Jährige war eines der Gesichter der Olympiabewerbung, Rio 2016 war seine Mission. Bei der Eröffnungsfeier im Maracanã-Stadion hielt er im August 2016 eine bewegende Rede, war den Tränen nahe, dass man es trotz aller Widrigkeiten geschafft habe, diese Spiele zu organisieren. IOC-Präsident Thomas Bach stand strahlend daneben. Er hatte zuletzt ein Durchgreifen angekündigt, wenn Beweise vorliegen.

Rio hatte sich am 2. Oktober 2009 in Kopenhagen gegen Madrid, Tokio und Chicago durchgesetzt. Berichten zufolge soll zum Beispiel die Stimme des Ex-Chefs des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF und IOC-Mitglieds Lamine Diack aus dem Senegal gekauft worden sein. Drei Tage vor der Abstimmung sollen dem Sohn Diacks zwei Millionen Dollar von dem brasilianischen Unternehmer Arthur Cesar Soares de Menezes Filho überwiesen worden sein, in Rio als "König Arthur" bekannt.

16 Kilogramm Gold in Safe gelagert

Der Fall beschäftigt inzwischen auch die Schweizer Behörden. Die Bundesanwaltschaft in Bern bestätigte am Freitag, dass sich die brasilianischen Behörden wegen Nuzman an das Justizministerium gewandt haben. Das Rechtshilfegesuch werde aktuell analysiert, hieß es in einer Stellungnahme. Laut brasilianischen Medienberichten soll Nuzman in der Schweiz in einem Safe 16 Kilogramm Gold gelagert haben.

Laut der olympischen Charta bedeutet eine vorläufige Suspendierung, dass alle Zahlungen an das brasilianische NOK eingefroren werden. Die Interessen der Athleten müssten aber geschützt werden. Die vorläufige Suspendierung kann teilweise oder ganz aufgehoben werden, wenn das NOK die Probleme an der Spitze zur Zufriedenheit des IOC-Exekutivkomitees gelöst hat.

Der schwere Korruptionsverdacht ist ein weiterer negativer Höhepunkt in der wenig erquicklichen Olympia-Geschichte Rios. Die Stadt und der Bundesstaat Rio de Janeiro sind in einer tiefen Krise, überall muss gespart werden, gerade auch im Bildungs- und Sicherheitsbereich. Rund 8500 Soldaten wurden entsandt, um die ausufernde Gewalt in den Griff zu bekommen. Dieses Jahr gab es schon über 3000 Morde, im September wurden in Rio im Schnitt 19 Schießereien pro Tag gezählt.

Für die meisten Olympia-Bauten gibt es keine Nachnutzung – lediglich eine neue Metrolinie wird als positives Erbe angesehen. Auch Leonardo Gryner, Nuzmans "rechte Hand", sitzt in Haft. Beide stehen unter Verdacht, die Bestechung organisiert zu haben, um die Zustimmung zu sichern und die ersten Olympischen Spiele in Südamerika auszurichten. 

dpa

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