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Tennis in Dittenheim: Corona ist auch eine Chance

Bringt die Pandemie Menschen (zurück) zum Tennis? - 03.03.2021 06:03 Uhr

Schläger und Bälle liegen ungenutzt am Spielfeldrand – ein Foto, das symbolisch für die aktuelle Situation aller Tennisfreunde steht. In Dittenheim hat man jedoch die Hoffnung, in einigen Wochen wieder auf dem Platz stehen zu dürfen.

01.03.2021 © Foto: Dominik Mayer


Über alle Sportarten hinweg liegt der Trainings- und Spielbetrieb seit November auf Eis, ass besonders in der Halle Mannschaftssportarten aus medizinischer Sicht aktuell nicht zu verantworten sind, leuchtet vielen ein. Anders ist die Situation beim Tennis, wo sich in der Regel nur zwei Spieler mit großem Abstand gegenüberstehen. Wir haben mit Jürgen Lang, Leiter der Tennissparte des FV Dittenheim, über seinen Sport in Zeiten der Pandemie gesprochen.

Wann hatten Sie zuletzt einen Tennisschläger in der Hand?

Puh, wann sind die Tennishallen geschlossen worden? Ich glaube im November. Es war wenige Tage vor der Schließung in der Treuchtlinger Tennishalle. Wir haben da immer für Donnerstagabend einen Platz in der Halle abonniert. Das konnte wir aber nicht lange nutzen.


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Wie sehr vermissen Sie Ihren Sport?

Na ja, wenn man gewohnt ist, dass man jede Woche Tennis spielt, dann geht einem schon was ab. Als jetzt die Australian Open im Fernsehen liefen, da hat es schon etwas gekribbelt bei mir als ich die Spiele gesehen habe.

Wie ist aktuell die Stimmung unter den Mitgliedern der Tennisabteilung?

Bei den allermeisten ist es natürlich schon so, dass sie hoffen, dass es so bald wie möglich wieder losgeht. Gerade weil Tennis ja ein Sport ist, bei dem das Infektionsrisiko, meiner Meinung nach, fast gleich null ist. Die Abstände sind ja sowieso schon groß und es sind nur wenige Menschen in der Halle.

"Eigentlich ein Schmarrn"

Der Bayerische Tennisverband hat sich ja an den Bayerischen Verwaltungsgerichtshof gewandt, um das Tennisverbot aufheben zu lassen. Der Antrag wurde aber abgelehnt. Wie bewerten Sie das?

Mir war eigentlich klar, dass die Entscheidung so fallen wird. Wenn man Tennis erlaubt hätte, hätte man vieles andere auch wieder erlauben müssen. Meines Wissens ist Tennis damals ja untersagt worden, weil die Betreiber von Fitnessstudios sich ungerecht behandelt gefühlt haben. Ich denke, der Verband hat vor allem geklagt, um sagen zu können, dass er alles versucht hat. Die Erfolgschancen waren von Anfang an gering.

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Können Sie verstehen, dass Sportarten wie Tennis oder Golf, die ja ein geringes Infektionsrisiko haben, auch lahmgelegt sind?

Eigentlich ist das ein Schmarrn. Ich kenne einige, die mich anrufen, und die darüber auch richtig sauer sind. Ich sage dann halt immer, wir müssen das so akzeptieren. Man kann es nicht ändern und wir müssen jetzt eben sehen, dass wir noch ein paar Wochen durchhalten.


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Welche Spuren hinterlässt die lange Durststrecke in der Tennisabteilung des FV?

Finanziell haben wir zum Glück keine Probleme. Jetzt im Winter haben wir ja praktisch keine Ausgaben, deswegen hat sich das nicht ausgewirkt. Das Abo für die Halle in Treuchtlingen haben wir zwar privat bezahlt, wir bekommen das aber wahrscheinlich im kommenden Herbst angerechnet und dürfen unsere Zeiten dann nachholen. Es gibt also schon eine Gegenleistung für unser eigenes Geld.

Neueinsteiger nach der Pandemie?

Sind Austritte zu beklagen?

Nein, bei uns ist die Mitgliederentwicklung durchaus zufriedenstellend. Wir haben letztes Jahr durch Corona sogar ein paar neue Mitglieder gewonnen, weil manche dann den Tennissport für sich entdeckt haben. Wir können uns nicht beschweren.


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Hoffen Sie, dass die Pandemie vielleicht sogar eine Chance für das Tennis ist? Immerhin ist das ein Sport mit niedrigem Infektionsrisiko.

Das hoffe ich, und ich gehe eigentlich davon aus. Ich glaube, wenn die Plätze wieder aufmachen, wird reger Betrieb auf unserer Anlage in Dittenheim sein. Vielleicht kommt da dann der ein oder andere Neueinsteiger dazu. Wir haben letzten Sommer ja schon Schnuppertennis angeboten und dadurch fünf bis zehn neue Mitglieder gewinnen können. Manche von denen haben früher schon einmal gespielt und haben durch die Pandemie wieder angefangen.

"Hoffe, dass wir ab Ende April spielen dürfen"

Sie haben in den Abteilung auch einige ältere Spieler, wie gehen die mit dem Thema Corona um? Sind die vorsichtiger?

Ich spüre eigentlich nicht , dass die Leute Angst haben, sich beim Tennis anzustecken. Im Sommer war es ohnehin kein Problem, weil wir da ja draußen spielen. Aber auch als es in den Herbst ging, haben unserer älteren Mitglieder ganz normal ihre Hallenzeiten gebucht.

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Wie lautet Ihre Prognose hinsichtlich der Sommerrunde 2021? Findet die statt?

Der Verband hat ja entschieden, erst am 1. Juni mit der Sommerrunde zu starten. Da kann man geteilter Meinung sein, ob das sinnvoll ist. Bei unseren Landesliga-Herren 55 zum Beispiel, sind die Termine dann alle sehr komprimiert. Das ist natürlich nicht ideal. Ich hoffe, dass der Bezirk Mittelfranken, der jetzt die unterklassigen Ligen terminiert, die Runde bis in den September ausdehnt. Ansonsten gehe ich davon aus, dass wir im Sommer normal spielen können und die Fallzahlen bis dahinweiter sinken. Ich hoffe, dass wir ab Ende April spielen dürfen und unseren Trainingsrückstand aufholen können.

Jürgen Lang, Leiter der Tennissparte des FV Dittenheim.

01.03.2021 © Foto: Uli Gruber


Zur Person: Jürgen Lang leitet seit vergangenem Jahr die Tennisabteilung des FV Dittenheim. Die Erfolge Boris Beckers motivierten ihn einst, mit dem Tennis zu beginnen. Bereits seit 2009 engagiert sich der 45-Jährige als Jugendwart im Verein. Der FV tritt in einer Spielgemeinschaft mit dem FC Markt Berolzheim-Meinheim und dem SV Wettelsheim an.

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