Unruhe beim Club: Redebedarf nach brisantem Kurztrip

14.11.2016, 19:42 Uhr
Geht doch: Enis Alushi (rechts) im Duell mit Hakan Calhanoglu.

Geht doch: Enis Alushi (rechts) im Duell mit Hakan Calhanoglu. © Reuters

Mit seinen Vereinskollegen hat Enis Alushi am Montagvormittag nicht geübt und auch nicht am Nachmittag. Nach seinem wahrscheinlich doch sehr anstrengenden Kurztrip in die Türkei stand aktive Regeneration auf seinem Dienstplan, ein paar Stunden, nur für sich.

Eigentlich hätte der Profi des 1. FC Nürnberg zufrieden sein können. Mit sich, mit seiner Leistung am Samstagabend in Antalya. Die noch junge Auswahl des Kosovo verlor ihr viertes Spiel in der WM-Qualifikation zwar mit 0:2, hielt aber in vielen Phasen gut mit. Erst Anfang Mai hatten die Uefa und die Fifa das kleine Land offiziell als Mitglied anerkannt und in ihre großen Verbände aufgenommen.

Enis Alushi, das betont er immer wieder, ist unheimlich stolz auf seine Wurzeln, er ist ein Mann der ersten Stunde in seiner Nationalmannschaft und sogar ihr zweiter Kapitän. Für sein Land würde er durchs Feuer gehen. Oder sich sogar über Empfehlungen seines Arbeitgebers hinwegsetzen, so wie am Wochenende.

"Keine so gute Idee"

Trainer Alois Schwartz und Andreas Bornemann, der Sportvorstand, hatten ihm dringend davon abgeraten, in die Türkei zu fliegen. Hatten "versucht, ihn davon zu überzeugen, dass das keine so gute Idee ist", wie es Bornemann formuliert. Aus einem ebenfalls verständlichen Grund: Sommerzugang Alushi befindet sich nach einem Innenbandanriss, den er Mitte September in Bochum erlitten hatte, eigentlich noch in der Rekonvaleszenz. In maximal drei Einheiten habe er Alushi nach seiner langen Pause im Training zuletzt begrüßen dürfen, sagt Schwartz, der 90-minütige Einsatz im Länderspiel sei viel zu riskant gewesen. "Er hat sich trotzdem entschieden zu gehen", fasst Schwartz zusammen. Und genau deswegen habe man nun "Redebedarf".

Am Dienstag oder Mittwoch wollen sie aufarbeiten, was für erhebliche atmosphärische Störungen gesorgt hat im Sportpark Valznerweiher. Alushi sieht das natürlich anders; der 1. FC Nürnberg hat eine Abstellungspflicht für internationale Begegnungen, zudem ist Alushi offiziell gesund geschrieben und somit wieder dienstfähig. Schwartz zweifelt das Bulletin nicht an, hätte sich aber etwas mehr Loyalität und auch Vernunft gewünscht. Sein monatliches Gehalt bezieht Alushi schließlich: vom Club.

"Er hatte noch kein Spiel mit der Mannschaft gemacht und war noch nicht richtig in den Trainingsbetrieb integriert", sagt Schwartz; Alushis ebenso umstrittene wie wahrscheinlich hochemotionale Entscheidung, sich trotz körperlicher Defizite seiner Nationalelf zur Verfügung zu stellen, wird den Zweitligisten wohl noch ein paar Tage beschäftigen.

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