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Von Zufriedenheit und Kopfschütteln

Challenge Roth: Zwiespältige Nürnberger Bilanz - 11.07.2011 07:00 Uhr

Der Altmeister wollte schon so oft aufhören, geschafft hat es Hannes Schmidt immer noch nicht, vom Triathlon-Virus wegzukommen: Der Nürnberger Routinier absolvierte auch diesmal einen starken Wettkampf und rollte locker nach Roth. © Karl Durst


Krell ist selbst wohl das beste Beispiel dafür, dass seine in dem Buch beschriebene Taktik aufgehen kann. 8:49:43 Stunden benötigte der hauptberufliche Marketingberater aus Nürnberg beim diesjährigen Challenge, ehe er die Ziellinie im Rother Triathlonpark überquerte.

Starker Auftritt bei der Herausforderung für Triathleten: Der Nürnberger Bernd Eichhorn landete in Roth auf Platz 20. © Karl Durst


Nicht ganz das zwar, was sich der 30-Jährige für seinen dritten Challenge-Start vorgenommen hatte – eigentlich wollte er unter 8:40 Stunden finishen – aber Krell zeigte sich dennoch zufrieden. Immerhin kam er als bester Nürnberger und noch dazu auf Gesamtplatz 34 an. „Beim Schwimmen war ich diesmal erstaunlich schnell, auch das Radfahren lief optimal“, resümierte der Nürnberger. Lediglich beim Laufen quälten ihn ein paar Krämpfe, die ihn schließlich die paar Minuten auf seine Zielzeit kosteten. „Ich bin trotz allem sehr zufrieden und mir geht es erstaunlich gut“, resümierte Krell.

Zwei Stimmungsnester, die auch bei Nürnbergs Aktiven Gänsehautgefühle aufkommen ließen: Am Solarer Berg (links) trieben die Massen die Radfahrer den Berg hinauf, in der Biermeile in Eckersmühlen gab sich die australische Fraktion mit einer Abordnung von Aborigines die Ehre. © Stefan Hippel


Auch für Challenge-Urgestein Hannes Schmidt lief es diesmal optimal. Überglücklich zeigte sich der Altmeister, nachdem er seinen 25. Langdistanztriathlon in 9:23:18 Stunden absolviert hatte. „Ich war lange verletzt, konnte zwischen Dezember und April wegen einer Fersenverletzung überhaupt nicht laufen und habe hier heute einen meiner stärksten Marathon-Läufe seit langem hingelegt“, sagte der 44-Jährige. Dass er trotz mehrfacher Rückzugsbekundungen in der Vergangenheit doch Jahr für Jahr immer wieder in Roth an den Start geht, sei „der tollen Stimmung geschuldet, die ich hier erlebe“. Bevor Schmidt schließlich ins Massagezelt aufbrach, versprach er noch augenzwinkernd, künftig nichts mehr zu versprechen, was er nicht halten könne.

So gut war keiner: Sieger Andreas Raelert


Ein wenig zerknirscht gab sich der Nürnberger Mirko Stockbauer. Schon nach seinem Zieleinlauf im vergangenen Jahr hatte er von einem „zähen Rennen“ gesprochen, hatte seine angepeilte Zeit von 9:30 Stunden um mehr als 20 Minuten verpasst. Mit seiner Leistung von 9:50:51 Stunden war er ganz und gar nicht zufrieden. „Dieses ganze Training, diese ewige Vorbereitung, und dann kommt sowas dabei raus“, schimpfte Stockbauer kopfschüttelnd. 90 Radkilometer lang sei er mit Krämpfen gefahren, habe sich schlichtweg überschätzt. „In der ersten Radrunde lief es so gut, dass ich wohl etwas zu viel Gas gegeben habe“, sagte er und fügte noch den Beisatz „Ich Idiot“, hinzu.


Wie sehr sich die Sichtweisen unter Triathleten doch immer wieder unterscheiden, mag man am Beispiel von Tobias Leitmann sehen. Mit seiner Zeit knapp unter zehn Stunden (9:59:44) konnte der Nürnberger sehr gut leben, obwohl er weiß, dass er es eigentlich besser kann. „Ich habe mich erst spät entschieden, mitzumachen, habe erst im März mit dem intensiven Training begonnen“, erklärte der 42-Jährige, der sich für seinen sechsten Langdistanzwettkampf schlicht vorgenommen hatte, ihn mit reichlich Spaß zu absolvieren.

„Ich bin gut geschwommen und Radgefahren, hatte lediglich auf der Laufstrecke kurzzeitig mit Krämpfen zu kämpfen. Aber auch die habe ich schnell wieder in den Griff bekommen“, resümierte er.

Etwa acht bis zwölf Stunden trainiert Leitmann pro Woche, führt nebenbei zwei Plattenläden in Nürnberg und in Fürth und hat ganz nebenbei auch noch eine Familie. Ob er das Buch von Michael Krell gelesen hat, ist nicht bekannt. Er scheint dennoch die darin vorgegebene Taktik angewandt zu haben. Die lautet ganz simpel: „Wer wenig Zeit hat, muss eben umso intensiver trainieren.“ 

Stephanie Händel

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