Donnerstag, 20.02.2020

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"Wir lieben dich, Papa": Biathlon-Star bangt und wird Dritter

Skijagd trotz Drama: Schneemobil-Unglück in Kanada beschäftigt die Sportwelt - 24.01.2020 11:18 Uhr

Sein Leben ist in Schieflage: Und dennoch bringt Fabien Claude auf der Loipe Höchstleistung. © Jure Makovec / AFP


Das Schicksal des nach einem Schneemobil-Unglück in Kanada vermissten Vaters der französischen Biathleten Fabien, Emilien und Florent Claude hat für große Anteilnahme gesorgt. "Unser Sport besteht aus diesen außergewöhnlichen Männern, für die Familie, Liebe und Freundschaft unerlässlich sind. Ich habe keine Worte, um deine Leistung zu beschreiben", schrieb der fünfmalige Olympiasieger Martin Fourcade an seinen Teamkollegen Fabien Claude.

Taucher, Drohnen und ein abgestürzter Hubschrauber

Der 25-jährige Claude war am Donnerstag beim Weltcup in Pokljuka als Dritter im Einzel erstmals auf das Podest gestürmt. Nur Stunden zuvor hatte er vom Drama um seinen 58 Jahre alten Vater Gilles in Nordamerika erfahren. Gilles Claude werde nach einem Vorfall vom Dienstag gemeinsam mit vier weiteren Männern aus Frankreich im Alter zwischen 24 und 34 vermisst, teilten die kanadischen Behörden mit. Rettungskräfte waren am Donnerstag (Ortszeit) weiterhin mit Tauchern und Drohnen im Großeinsatz. Zwei Schneemobile konnten gefunden werden, von den Menschen fehlte jedoch zunächst weiter jede Spur. Ein Hubschrauber stürzte bei den Sucharbeiten ab, der Pilot wurde verletzt.

Fabien Claude: "Ein harter Kampf gegen mich und meinen Kopf"

Die Touristen-Gruppe war in Kanada am Dienstag mit ihren Schneemobilen durch die Eisdecke des zugefrorenen Sees Lac Saint-Jean in der ostkanadischen Provinz Québec gebrochen. Der 42 Jahre alte kanadische Führer der Gruppe konnte aus dem Wasser gezogen werden, starb aber kurz darauf im Krankenhaus. Zwei Mitglieder der Touristen-Gruppe konnten noch rechtzeitig bremsen und fielen nicht in das eiskalte Wasser, sie konnten auch ein weiteres Mitglied retten. Fabien Claude konnte sich nach seinem Coup ohne Schießfehler – wenig überraschend – kaum freuen und rang mit seinen Emotionen. "Es war ein harter Kampf gegen mich und meinen Kopf", sagte er bei der Pressekonferenz. Auf den schlimmen Unfall ging er allerdings nicht ein, obwohl viele im Raum schon Bescheid wussten, was passiert war. Offiziell bestätigt wurde die Verwicklung seines Vaters in den Vorfall erst später.

Fourcade nannte seinen Landsmann einen "Helden". Sieger Johannes Thingnes Bö aus Norwegen saß direkt neben Claude, ahnte aber da noch nicht, was Claude so beschäftigte. In einem Socia-Media-Beitrag ging der Olympiasieger Stunden später schon vom Schlimmsten aus. "Das war ein harter Tag. Mein Beileid an die Brüder Claude für den Verlust ihres Vaters. Bleibt stark", schrieb Bö unter ein Foto. Sein Sieg wenige Tage nach der Geburt seines ersten Sohnes geriet für den Skandinavier Bö ganz schnell zur Nebensache. Die Gedanken aller Skijäger waren bei den Claudes. "Der perfekte Sohn, um eine ganze Familie so stolz wie nie zuvor zu machen", schrieb der französische Biathlet Antonin Guigonnat.

"Ein Stern, der uns unser ganzes Leben begleiten wird"

Dass Fabien Claude trotz der enormen psychischen Belastungen das beste Rennen seiner Laufbahn zeigte, rang nicht nur seinem Teamkollegen viel Respekt ab: "Ihr seid verdammt gute Leute, ihr Claudes!" Neben Fabien nahm auch dessen drei Jahre älterer und nun für Belgien startender Bruder Florent am Rennen über 20 Kilometer in Slowenien teil, beide schrieben später in den sozialen Netzwerken: "Ein Stern, der uns unser ganzes Leben begleiten wird. Wir lieben dich, Papa."

Florent beendete das Rennen auf dem 47. Rang. Fernab der Kameras umarmten sich beide Brüder im Zielraum, ihre Teamkollegen spendeten ihnen vor der Siegerehrung Trost und gaben ihnen Kraft. Einem Sprecher der Rettungskräfte in kanadischen Medienberichten zufolge seien die Touristen um Gilles Claude mit ihren Schneemobilen wahrscheinlich von den vorgeschriebenen Wegen über das Eis abgekommen. Abseits dieser Wege sei das Eis auf dem See aufgrund von Strömungen sehr dünn. Québecs Tourismusministerin Caroline Proulx kündigte an, dass von nun an alle Führer und Touristen vor Schneemobil-Ausflügen spezielle Trainingskurse absolvieren müssten. Anbieter müssten zudem speziell akkreditiert sein. 

dpa

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