"Wir wollen den Mädchen-Handball nach oben bringen"

28.2.2021, 20:30 Uhr
Von wegen schwaches Geschlecht: Bei der HSG Rednitzgrund feiern sich die jungen Handballerinnen um Teamchef Gerald Ullinger (oben, ganz rechts) auch mal selbst.

Von wegen schwaches Geschlecht: Bei der HSG Rednitzgrund feiern sich die jungen Handballerinnen um Teamchef Gerald Ullinger (oben, ganz rechts) auch mal selbst. © Foto: privat

Hallo Herr Ullinger, wie ist denn die HSG Rednitzgrund entstanden?

Die Handballabteilungen des TSV Stein und der DJK Eibach hatten Nachwuchsprobleme. Beide Vereine wollten jedoch auch in Zukunft Handball anbieten. Da haben wir uns zusammengesetzt und 2017 probehalber einen Testlauf mit einer gemeinsamen Mannschaft gestartet. Wir wollten schauen, ob wir miteinander können – die Spielerinnen, die Eltern, das ganze Umfeld. Es hat besser als gedacht funktioniert.

Und das offenbar in vielerlei Hinsicht. Die neue Gemeinschaft beschränkt sich doch nicht nur auf sportliche Aktivitäten . . .

Wir wollen über den Sport hinaus ein klassisches Vereinsleben führen. Viele Sportler vermissen dieses Gemeinschaftsgefühl und den Zusammenhalt. Wir leben das mit allem Drum und Dran wie Grillen, Sportcamps oder unserer jährlichen Weihnachtsfeier. Wir sind sogar schon einmal gemeinsam zum Wandern in die Berge gefahren.

Wie sind Sie eigentlich auf den Namen HSG Rednitzgrund gekommen?

Es trennt uns nur die Rednitz. Da wir niemanden bevorzugen wollten, haben wir uns für einen neutralen Namen entschieden – einen, bei dem weder Eibach noch Stein vorkommt. Es gibt bei uns nämlich keine Hackordnung.

Das hört sich gut an. Doch alte Animositäten können ganz schon hartnäckig sein. Wie steht es denn um ihre innere Einheit?

Ganz gut und das auf jeder Ebene. Hierzu gehören auch der zweite Vorstand des TSV Stein, Herr Klaus Müller sowie mein Eibacher Kollege Hanno Kolleth und sein Vorstand. Sein Vater, Ewald Kolleth hatte übrigens bei Tuspo Nürnberg in der Bundesliga gespielt.

Die weibliche Jugend liegt ihnen besonders am Herzen. Wie ist es zu dieser Priorisierung gekommen?

Vor der Fusion hatte es bei der DJK Eibach nur eine Mädchen- und eine Frauenmannschaft gegeben. Beim TSV Stein waren auch überwiegend Mädchen, die Handball gespielt haben. Da hat sich unser Motto "Mädels first" fast von alleine ergeben.

Was ja sehr selten ist . . .

Ja, denn Jungs stehen bei den meisten Vereinen deutlich stärker im Fokus. Wir wollen einfach dem Mädchenhandball die Aufmerksamkeit geben, die er verdient hat.

Wie groß ist die Resonanz?

Wir haben insgesamt um die 60 aktive Mädchen, darunter auch Spielerinnen aus anderen Vereinen. In der kommenden Saison planen wir mit einer A-Jugend, zwei B-Jugendteams, einer C-Jugend und D-Jugend, sowie mit Kinderhandball (E-Jugend und Minis, die Red.).

Der Erfolg gibt Ihnen recht. Haben Sie schon einige vielversprechende Talente in Ihren Reihen?

Wir wollen den Mädchen-Handball in Mittelfranken wieder nach oben bringen. Aktuell zählen einige Spielerinnen sogar zum BHV–Elitekader.

Erfolg weckt bekanntlich Begehrlichkeiten. Einige Vereine aus der Region haben auf ihre Spielerinnen schon ein Auge geworfen. Solange Sie keine Erwachsenenmannschaft haben, wird es schwierig sein, die Mädels zu halten. Oder wollen Sie ein reiner Ausbildungsverein sein?

Nein, das wollen wir auf keinen Fall. Auf Dauer brauchen wir natürlich ein erfolgreiches Frauenteam, das mindestens in der Landesliga spielt. Das ist schwierig, weil wir ganz unten anfangen müssen. Wir werden unsere A-Mädels schnellstmöglich für den Schritt ins Frauenteam qualifizieren. Eine Option ist auch die Möglichkeit eines Doppelspielrechts von A-Jugend und Damen.

Wo sehen Sie die HSG Rednitzgrund in fünf Jahren?

Ich hoffe auf eine funktionierende Damenmannschaft und einen vollständigen Unterbau von der E- bis zur A-Jugend.

Keine Kommentare