Virtuelle Reihe

Wintersemester 2021: Erlanger Klima-Ringvorlesung wartet mit vielen Neuerungen auf

Sharon Chaffin
Sharon Chaffin

Redakteurin Erlanger Nachrichten

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17.10.2021, 18:30 Uhr
Die Folgen der globalen Erwärmung werden immer sichtbarer wie das gebrochene Eis in der Nordwestpassage im Arktischen Ozean zeigt. 

Die Folgen der globalen Erwärmung werden immer sichtbarer wie das gebrochene Eis in der Nordwestpassage im Arktischen Ozean zeigt.  © David Goldman, dpa

Frau Holz, die neue virtuelle Ringvorlesungsreihe startet erstmals mit einer Podiumsdebatte, wie ist es zu der Neuerung gekommen?

Das war eine Idee, die von einem Bekannten an uns herangetragen wurde. Er meinte zu uns, ob wir nicht mal eine Veranstaltung machen wollen, bei der mehrere Teilnehmer kontroverser über Themen diskutieren, was es auch für die Zuschauer nahbar und spannend macht. Wir sehen das als eine gute Idee und wollen damit mal ein anderes Format ausprobieren.

Bei der Diskussion nimmt neben Oberbürgermeister Florian Janik, einem Vaude-Sprecher und einem Greenpeace-Vertreter auch eine Psychologin teil. Sie selbst studieren auch Psychologie. Wo ist der Zusammenhang zwischen Klimaschutz und Psychologie?

Magdalena Holz studiert an der Erlanger Universität Psychologie und hat die Klima-Ringvorlesung im Wintersemester 2021/22 mitorganisiert. 

Magdalena Holz studiert an der Erlanger Universität Psychologie und hat die Klima-Ringvorlesung im Wintersemester 2021/22 mitorganisiert.  © Magdalena Holz / privat, NN

Da gibt es tatsächlich einen ziemlich großen Zusammenhang. Die Psychologie beschäftigt sich ja mit dem Denken, Fühlen und Handeln von Menschen, und dieses wird natürlich auch im Kontext der Umwelt untersucht. Eine ganze Sparte der Psychologie beschäftigt sich zum Beispiel damit, wie wir die Umwelt beeinflussen. Das ist der Forschungsbereich der Umweltschutzpsychologie, die versucht zu erklären, wann und warum sich Menschen für die Umwelt einsetzen oder wann nicht.

Wie wird das untersucht?

Dafür gibt es verschiedene Handlungsmodelle wie das Modell der Wissens-Verhaltenslücke, an dessen Name auch unser Titel angelehnt ist. Die Erkenntnisse der Umweltschutzpsychologie können dann beispielsweise genutzt werden, um Umweltkampagnen zu planen oder das Verständnis von sich selbst zu fördern, warum man manchmal trotz einer umweltschützenden Einstellung den Müll nicht trennt oder umweltschädliche Konsumgüter kauft, und sie können helfen, das eigene Handeln zu ändern. Etwas weiter gefasst, betrachtet die Psychologie der Nachhaltigkeit, wann Menschen bereit sind, sich so zu verhalten, dass die Umwelt nicht über die Grenzen des Planeten hinaus belastet wird.

Auch das Thema Gesundheit haben Sie mit einer Vertreterin von Health for Future in das Programm aufgenommen. Welche Rolle spielt dieser Aspekt in Ihrem Programm und für den Klimaschutz, geht der Blick in der Reihe über das klassische Thema Klima- und Umweltschutz hinaus?

Wir sind an einer breiten Betrachtung des Themas aus verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen interessiert. Die Gesundheit, mental wie physisch, wird durch die Klimafolgen massiv beeinträchtigt, unter anderem durch die Hitze, Atemwegserkrankungen oder häufigere Infektionskrankheiten. Pandemien werden durch häufigere Zoonosen wahrscheinlicher. Und genau um diese Zusammenhänge zu verstehen, bieten wir die Ringvorlesung an.

Was bietet das Programm der Ringvorlesung im Wintersemester noch?

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kommen wie immer aus ganz unterschiedlichen Fachbereichen. Unter anderem haben wir Prof. Remo Klinger zu Gast, der das Urteil des Bundesverfassungsgerichts miterstritten hat, wonach das bisherige Klimaschutzgesetz für teilweise verfassungswidrig erklärt wurde. Neben den Bereichen Psychologie, Medizin und Recht, freuen wir uns außerdem auf Professorinnen und Professoren aus den Bereichen Geografie, Meteorologie, Chemie und Philosophie mit Vorträgen etwa über den Schutz der Regenwälder, Brennstoffzellen und die Kosten bereits heute existierender Umweltkatastrophen.

An wen richtet sich die Reihe?

An jede und jeden, die sich für wissenschaftliche Fakten und Erkenntnisse im Bereich der Klimakrise und des Klimaschutzes interessiert. Studierende können zusätzlich am Ende eine Prüfung ablegen und bekommen dafür in unserem Punktesystem 2,5 ECTS . Die Ringvorlesung ist im Wintersemester auf deutsch und im Sommer vermutlich wieder auf englisch.

Wer kann wie teilnehmen, muss man sich anmelden?

Alle Menschen jeden Alters sind herzlich willkommen und wir freuen uns sehr über neue Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Erlangen. Man muss dazu auch nicht der Universität angehörig sein. Jeder kann sich unter fau.info/fauagainstco2 registrieren und bekommt dann die Zugangsdaten zugeschickt. Die Podiumsdiskussion findet am Dienstag, 19. Oktober 2021, um 18 Uhr statt und die Ringvorlesung findet dieses Semester weiterhin dienstags ab 18.15 Uhr komplett online über Zoom statt.