Absatzeinbruch bei TV-Geräten: Hoffen auf Flüchtlinge

26.12.2015, 11:12 Uhr
Obwohl sich die TV-Hersteller immer wieder Neuerungen einfallen lassen, sinkt die Nachfrage nach Geräten dramatisch.

© dpa Obwohl sich die TV-Hersteller immer wieder Neuerungen einfallen lassen, sinkt die Nachfrage nach Geräten dramatisch.

Die Zahlen sind in der Tat dramatisch: Von Januar bis Ende September wurden in Deutschland nur noch 5,68 Millionen TV-Geräte verkauft. Das sind knapp eine Million weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Insgesamt fehlen der Branche gegenüber dem Vorjahreszeitraum Umsätze in der Größenordnung von knapp einer halben Milliarde. "Solche Rückgänge hatten wir noch nie", bilanziert GfK-Branchenexperte Jürgen Boyny. Und die Lage ist im November und wohl auch im Dezember nicht wirklich besser geworden.

Im kompletten Jahr 2015 werden in Deutschland noch nicht einmal mehr sieben Millionen TV-Geräte verkauft, schätzt Boyny. Zum Vergleich: Im Boomjahr 2012 waren es noch knapp zehn Millionen. Roland Stehle vom Branchenverband gfu führt dies vor allem auf eine deutliche Marktsättigung zurück.

Derzeit stehen in deutschen Haushalten rein statistisch 1,5 TV- Geräte. Da animieren selbst neue Technologien wie ultrascharfe Bildauflösungen oder die zunehmende Vernetzung mit dem Internet nicht zu Neuanschaffungen. Im Gegenteil: Nach GfK-Zahlen steigt der Wiederbeschaffungszeitraum beim Fernseher gerade wieder im Schnitt auf über acht Jahre.

Markt gesättigt

"Die Marktsättigung ist doch stärker als bisher angenommen", sagt Grundig-Vertriebschef Horst Nikolaus. Und die Franken mit der türkischen Mutter Beko im Hintergrund reagieren. "Wir stellen uns breiter auf, werden zum Home-Electronic-Unternehmen mit starkem Standbein im Hausgeräte-Bereich", erläutert Nikolaus.

Mit einer wesentlich höherwertigen TV-Geräteserie sollen neue Kundenschichten erschlossen werden. Und Grundig will auch bei den Kosten ansetzen: Von den zuletzt noch 120 Beschäftigten in Nürnberg werden "unter 20" ihren Arbeitsplatz verlieren, so das Unternehmen.

Die Mitbewerber Loewe in Kronach und Metz consumer electronics in Zirndorf sehen sich dagegen auf Kurs. Beide Unternehmen haben allerdings in der Insolvenz bereits einen schmerzhaften Anpassungsprozess hinter sich gebracht. Und wie geht es 2016 weiter?

Die Hersteller sind vorsichtig zuversichtlich und rechnen laut gfu mit einem zarten Absatzplus von einem bis zwei Prozent. Neben der kommenden Fußball-Europameisterschaft sollen es vor allem auch die vielen Asylbewerber richten.

"Mit den rund eine Million Flüchtlingen könnten sich in Deutschland 200.000 neue Haushalte etablieren", rechnet GfK-Experte Jürgen Boyny vor. "Wenn die alle einen Fernseher kaufen, ist das ein erhebliches Potenzial, das der gesamten Branche helfen würde."

21 Kommentare