15°

Dienstag, 11.05.2021

|

zum Thema

Adler-Mode schlägt Alarm: "Hier ist ein Unternehmen in Gefahr"

Unternehmen fühlt sich in der Corona-Krise von Berlin allein gelassen - 04.05.2021 15:40 Uhr

Die pandemiebedingt ins Straucheln geratenen Adler-Modemärkte fühlen sich in der Corona-Krise von der Bundesregierung im Stich gelassen. 

04.05.2021 © Karl-Josef Hildenbrand, dpa


Die pandemiebedingt ins Straucheln geratene Adler Modemärkte AG fühlt sich in der Corona-Krise von der Bundesregierung im Stich gelassen. Geld aus der staatlichen Überbrückungshilfe III - dem zentralen Hilfsprogramm des Bundes - stünden dem Unternehmen trotz unverschuldeter Finanzprobleme nicht zu, sagte Vorstandschef Thomas Freude. Firmen bekommen darüber Zuschüsse zu betrieblichen Fixkosten. Das Unternehmen aus Haibach bei Aschaffenburg mit etwa 3200 Mitarbeitern befindet sich seit Januar im Prozess einer Insolvenz in Eigenverwaltung.

Freude zufolge war Adler vor der Corona-Pandemie kerngesund. "Wir hatten keinerlei Bankverbindlichkeiten." Durch das staatlich verordnete Schließen der mehr als 140 deutschen Standorte habe Adler seit März 2020 allerdings rund 280 Millionen Euro Umsatz eingebüßt. Das Onlinegeschäft könne dies kaum auffangen, auch weil die Kernzielgruppe 50 plus lieber in einem Laden einkaufe als im Internet.


Historische Karstadt-Aufnahmen: Ein gigantisches Bauprojekt nimmt Gestalt an


Zwar sei ein sogenannter Massekredit - der Kreditgeber steht dabei in der Liste der Gläubiger ganz weit oben - in Höhe von 20 Millionen Euro aufgenommen worden, dieser sei aber nicht beliebig erhöhbar. Adler benötige zusätzlich ein Darlehen aus Berlin in Höhe von rund 10 Millionen Euro aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds. Das ist der staatliche Rettungsschirm in der Corona-Krise. Es gehe nicht um Geschenke, das Geld werde mit Zinsen zurückgezahlt, sagte Freude.

Bilderstrecke zum Thema

Zehn Traditionsfirmen aus Franken, die durch die Insolvenz mussten

Die Nürnberger Modehauskette Wöhrl kämpft ums Überleben: Das Familienunternehmen will sich mit Einschnitten retten, um eine Pleite zu verhindern. Diesen Schritt haben auch schon andere Traditionsfirmen aus der Region unternommen.


"Bundesfinanz- und Bundeswirtschaftsministerium sperren sich jedoch trotz eindringlicher Hinweise auf die hieraus resultierenden Konsequenzen für die rund 3200 Angestellten von Adler gegen die Zusage eines Darlehens", teilte Adler mit.

VID-Vorsitzender: Auch insolventen Firmen sollte geholfen werden

Das Bundeswirtschaftsministerium wollte "zu laufenden Prüfungen des Wirtschaftsstabilisierungsfonds keine Auskunft geben", wie die Pressestelle des Ministeriums mitteilte. Das Bundesfinanzministerium reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage.

Der Verband der Insolvenzverwalter Deutschlands (VID) kritisierte den pauschalen Ausschluss insolventer Unternehmen von den Corona-Hilfen. "Die Insolvenz ist ein Sanierungsinstrument", sagte der Verbandsvorsitzende Christoph Niering. "Es gibt derzeit aber nur eine Politik der Vermeidung von Insolvenzen um jeden Preis."


Trotz Insolvenz: Adler will Filialen wieder öffnen


Dabei bräuchten auch die viele Unternehmen Unterstützung, vom Friseur über Handwerker bis hin zu großen Handelsunternehmen, die coronabedingt in finanzielle Schieflage geraten oder bereits insolvent seien. Es könne nicht gewollt sein, dass diese womöglich ihre Insolvenz verschleppten, um weiter staatliche Hilfe zu bekommen, sagte Niering. Doch bisher hielten sich sowohl das Bundesfinanz- als auch das Bundeswirtschaftsministerium in dieser Problematik trotz entsprechender Anfragen zurück und verwiesen dabei auf das entgegenstehende EU-Beihilferecht.

Massive Einschränkungen

"Hier ist ein Unternehmen in Gefahr, durch den Lockdown unterzugehen. Das muss dringend verhindert werden", sagte der Bundesfachgruppenleiter Einzel- und Versandhandel der Gewerkschaft Verdi, Orhan Akman. Der Bund und das Land Bayern seien gefragt.

Bilderstrecke zum Thema

Fitness, Glück und Mode: Das sind die InfluencerInnen der Region

Köln ist die Influencer-Hauptstadt Deutschlands. Allerdings gibt es auch in und aus der ganzen Region erfolgreiche Social-Media-Profis, die eine große Gefolgschaft im Internet verbuchen können. Wir stellen sie hier vor - die Internet-Stars der Region!


Die pandemiebedingten Beschränkungen zwingen immer mehr Textilhändler in die Knie, so auch Galeria Karstadt Kaufhof, Esprit und Sinn. Reihenweise haben bekannte deutsche Modehändler seit Beginn der Corona-Krise Rettung in Insolvenzverfahren suchen müssen. Vielen Unternehmen ging es dabei schon zuvor nicht gut: Dem Siegeszug des Onlinehandels und dem Erfolg von Fast-Fashion-Anbietern wie Primark oder Zara hatten sie nur wenig entgegenzusetzen.

Die Adler-Gruppe erzielte nach eigenen Angaben im Jahr 2019 einen Umsatz von 495,4 Millionen Euro und einen Nachsteuergewinn von 5,1 Millionen Euro. Gegründet wurde das Unternehmen 1948 als Konfektionsbetrieb in Annaberg (Sachsen). Für Adler interessieren sich laut Vorstandschef Freude derzeit zahlreiche Investoren.


Dieses Thema hat Sie besonders interessiert? In unserem Newsletter "Aus dem Newsroom" erfahren Sie alles Wichtige über die Arbeit der Redaktion und erhalten exklusive Einblicke. Hier kostenlos bestellen. Freitags um 6 Uhr in Ihrem Mailpostfach.

Vielen Dank! Wir freuen uns, dass Sie sich für unseren Newsletter interessieren.

Jetzt fehlt nur noch ein kleiner Schritt: Aus Sicherheitsgründen bitten wir Sie, Ihre Anmeldung zum Newsletter zu bestätigen. So gehen wir sicher, dass Sie sich selbst angemeldet haben und schließen einen Missbrauch durch Dritte aus.

In Ihrem E-Mail-Postfach finden Sie eine E-Mail (an: ) von uns mit einem Link, den Sie am besten sofort mit einem Klick bestätigen. Bitte sehen Sie in Ihrem Spam-Ordner nach, falls Sie in Ihrem Posteingang keine Bestätigungsmail finden. Sollten Sie gar nichts von uns erhalten, melden Sie sich bitte am besten kurz per E-Mail bei uns: newsletter@nordbayern.de

Offenbar wurde der Newsletter bereits für diese Mailadresse bestellt. Falls Sie keine Bestätigungsmail erhalten haben, wenden Sie sich bitte an newsletter@nordbayern.de

Sie haben den Newsletter bereits erfolgreich für diese Mailadresse abonniert. Falls Sie diesen nicht erhalten sollten, wenden Sie sich bitte an newsletter@nordbayern.de.


dpa

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Wirtschaft