Heißes Thema für Handwerksbetriebe

9.2.2015, 20:35 Uhr

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Beim Stichwort Energiewende kommt Elmar Forster richtig in Fahrt. Dass Handwerksbetriebe von den Rabatten auf die Ökostromumlage, die die Politik energieintensiven Industrieunternehmen einräumt, nicht profitieren, hält der Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Mittelfranken für eine schreiende Ungerechtigkeit.

Mit Beispielen illustriert der Jurist oft und gern, zu welcher Belastung für die Betriebe sich die Umlage entwickelt hat, mit der nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) regenerativ erzeugter Strom subventioniert wird: „2006 zahlte eine Metzgerei mit vier Filialen 8500 Euro EEG-Umlage, 2014 waren es 44 000 Euro. Bei einer Bäckerei mit acht Filialen stieg dieser Kostenblock von 6200 auf 33 000 Euro. Das ist deutlich mehr als Kleingeld.“

Dass der Börsenpreis für Strom im Zuge des Ausbaus der erneuerbaren Energien massiv gesunken ist, „davon spüren die Verbraucher und die Betriebe, die nicht bei der EEG-Umlage entlastet werden, nichts“, wettert Forster. Das Thema Energiepreise brennt vielen Handwerkern auf den Nägeln. Die Senkung der Steuer- und Abgabenlast steht denn auch auf ihrer Wunschliste ganz oben: In einer gemeinsamen Studie der Technischen Hochschule (TH) Nürnberg und der Energieagentur Nordbayern im Auftrag der Kammer nennen 58,7 Prozent der befragten mittelfränkischen Betriebe dies als zentrale Maßnahme künftiger Energiepolitik. Zugleich bejahen 54,7 Prozent den Ausbau erneuerbarer Energie, lediglich 4,8 Prozent plädieren für mehr konventionelle Kraftwerke.

Ein weiterer entscheidender Punkt ist für die Betriebe die Versorgungssicherheit. Um diese zu gewährleisten, „kommen wir wohl um neue Stromtrassen nicht herum“, konstatiert Studienleiterin Birgit Eitel, Professorin an der betriebswirtschaftlichen Fakultät der TH Nürnberg. „Man kann sich über die Dimension streiten“, sekundiert Michael Fraas, Wirtschaftsreferent und Vorsitzender der Kompetenzinitiative Energieregion Nürnberg — die Trassen selbst aber seien nötig, um Windstrom von Norden in den Süden der Republik zu transportieren sowie überschüssigen Solarstrom aus dem Süden abzuleiten.

7200 Fragebögen versandt

Der Energiepolitik der vergangenen beiden Jahre geben die mittelfränkischen Handwerksbetriebe im Mittel die Note ausreichend. Unter dem Strich mehr als 60 Prozent der Firmen, die sich an der Studie beteiligt haben — insgesamt wurden 7200 Fragebögen an 16 Gewerke versandt, die Rücklaufquote lag bei gut 13 Prozent —, sehen durch die Umsetzung der Energiewende mehr Risiken als Chancen. Bei Betrieben, deren Geschäft Produkte und Dienstleistungen rund ums Energiesparen sind, liegt die Quote der Optimisten allerdings höher als bei energieintensiven Betrieben.

Besonders interessant für die Kammer: Mehr als zwei Drittel der Betriebe gaben an, speziellen Weiterbildungsbedarf bei den Themen energetische Gebäudesanierung, erneuerbare Energien und Energieeffizienz zu haben. Das ist ein Ergebnis, aus dem die Handwerkskammer Honig saugen will: Entsprechende Schulungsangebote sollen ausgearbeitet werden, erklärt Energieexperte Wilhelm Scheuerlein. Auch er wünscht sich etwas von der Politik: ein „technologieoffenes Förderprogramm“, das Betriebe bei Investitionen in die Energieeffizienz mit Zuschüssen unterstützt.

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