Mit Eisenbahn und Gespür für technische Trends Geschichte geschrieben

26.6.2007, 00:00 Uhr
Blick ins MAN-Motorenwerk in der Südstadt: In dem Unternehmen arbeiten derzeit mehr als 4000 Beschäftigte.

Blick ins MAN-Motorenwerk in der Südstadt: In dem Unternehmen arbeiten derzeit mehr als 4000 Beschäftigte. © Wilhelm Bauer

Dass Fusionen kein Phänomen unserer Tage sind, zeigt das Beispiel der «Maschinenfabrik Augsburg-Nürnberg». Mit der MAN sind zwei Namen eng verbunden: Johann Friedrich Klett (1778-1847) und Theodor von Cramer-Klett (1817-1884), geborener Theodor Cramer.

Angefangen hat alles mit der Eisenbahn. 1837 gründet Johann Friedrich Klett eine Werkstatt, in der er Aufträge für die Bahn erledigt. Als er wenige Jahre später James Edward Earnshaw, Wharter Rye und John Hooker begegnet, ist das der Aufbruch zu neuen Ufern: Mit den drei englischen Technikern entsteht 1842 die Maschinenfabrik Klett & Co..

1847 stirbt Klett. Sein Schwiegersohn Theodor Cramer-Klett, der seit seiner Hochzeit mit Kletts Tochter Emilie einen Doppelnamen führt, übernimmt die Firma. Der Unternehmer - von Haus aus Kaufmann mit Erfahrungen im Verlagsgeschäft - erkennt die Chancen, die der Siegeszug der Eisenbahn mit sich bringt, und er handelt: Cramer-Klett konzentriert sich auf den Wagenbau, auf den schon bald der Löwenanteil des Umsatzes entfällt.

Guter «Netzwerker»

Außerdem avanciert das florierende Nürnberger Unternehmen, das 1872 bereits mehr als 3300 Beschäftigte zählt, im Eisenhoch- und Brückenbau zu einer der ersten Adressen. Mit dem fulminanten Aufstieg ist ein findiger Kopf untrennbar verbunden, der an dieser Stelle nicht ungenannt bleiben soll: Johann Ludwig Werder, technischer Leiter bei Cramer-Klett.

Cramer-Klett, der 1876 den Freiherrentitel erhielt, gehört ohne Zweifel zu den herausragenden deutschen Unternehmern des 19. Jahrhunderts. Er hatte, obgleich selbst kein Techniker, ein Gespür für technische Entwicklungen. Und er wusste fürs Geschäft wichtige Kontakte herzustellen und zu pflegen. Heute würde man ihn als geschickten «Netzwerker» bezeichnen.

Doch auch fähige Unternehmer sind nicht vor Fehlentscheidungen gefeit. Beim Konjunktureinbruch («Gründerkrise») nach 1873, der die kurz zuvor in eine Aktiengesellschaft umgewandelte Maschinenbaugesellschaft Nürnberg schwer traf, setzte Cramer-Klett auf rigides Kostenmanagement und sparte dabei auch am falschen Ende, wie kritische Stimmen anmerken: Notwendige Investitionen blieben aus. Als der Unternehmer 1884 stirbt, ist die einst führende Maschinenfabrik veraltet.

Anton Rieppel, der 1892 zum Alleinvorstand des Unternehmens berufen wird, bringt die AG wieder auf Erfolgskurs. Ein wesentlicher Punkt der Neustrukturierung ist die Stärkung des Maschinenbaus, der lange Jahre hinter dem Waggonbau zurückgestanden hatte. 1898 fällt die Entscheidung, das Unternehmen zu verkaufen. Noch im gleichen Jahr ist die Fusion mit der Augsburger Maschinenfabrik unter Dach und Fach. Die MAN war geboren.

In Nürnberg ist das Unternehmen noch heute präsent: In der Südstadt befindet sich das Motorenwerk. Und dort läuft’s richtig rund.