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Müssen wir den Schaden bezahlen?

Am Urteil von Versicherungskaufleuten hängt viel Geld. Entsprechend gut werden sie in ihrer Ausbildung darauf vorbereitet. - 20.09.2019 10:57 Uhr

André Keiner – hier mit Ausbilderin Helen Pfahl – will Versicherungskaufmann werden. © Foto. Klaus Leonhard


Das Unternehmen gliedert sich in die Bereiche Kranken-, Leben- und Allgemeine Versicherung. Kern der Tätigkeit sind nach eigenen Angaben die "klassische Personenversicherung" und Vorsorgelösungen für private Haushalte sowie kleine und mittlere Betriebe.

Das Unternehmen hat etwa 8000 Vertriebspartner in Deutschland und 329 Außendienstpartner sowie 26 Geschäftsstellen. In der Zentrale in Nürnberg arbeiten 726 Beschäftigte. Zudem gibt es 35 Auszubildende, die eben zu Kaufleuten für Versicherungen und Finanzen, Fachinformatikern, Immobilienkaufleuten und Kaufleuten für Büromanagement ausgebildet werden sowie sechs duale Studenten in den Studiengängen Marketing und Digitale Medien sowie Wirtschaftsinformatik und Informatik.

Das Unternehmen bildet nur für den eigenen Bedarf aus. "Wir haben deshalb eine hohe Übernahmequote", sagt Helen Pfahl, Referentin für Erstausbildung. Für 2020 sind wieder 23 neue Azubis und duale Studenten gesucht, das Bewerbungsverfahren hat im September begonnen.

Lieber digital

"Die Bewerbungen bekommen wir am liebsten digital", erklärt die Ausbilderin, auf einen Einstellungstest verzichtet die Versicherung. Eine gute mittlere Reife ist Voraussetzung. "Entscheidend ist der Gesamteindruck", so Pfahl. Die Bewerbung sollte ein individuelles Anschreiben mit "nicht vielen Fehlern" enthalten, aus dem auch hervorgeht, warum sich der Bewerber für den Beruf interessiert. "Wir wollen sehen, dass sich die Bewerber Mühe gegeben haben."

Die Personalabteilung prüft die Bewerbungen und lädt dann mit den Fachabteilungen, die ihren Bedarf angemeldet haben, zum Gespräch ein. In Gruppen von drei bis vier Bewerbern müssen die Interessenten ihre Motivation und ihre Kommunikationsfähigkeit beweisen und ihre Stärken und Schwächen einschätzen. In Ausnahmefällen wird der Bewerber noch zum Einzelgespräch gebeten oder ein Schnuppertag vorgeschlagen.

Bevor die dreijährige Ausbildung beginnt, nehmen ältere Azubis die Neuen unter ihre Fittiche und bereiten sie auf den neuen Lebensabschnitt vor. Die Ausbildung selbst beginnt bei der Universa mit einer viertägigen Einführungsveranstaltung, einschließlich eines Outdoor-Tages. Dabei lernen die Azubis das Unternehmen, die Strukturen und die Hausregeln kennen.

Danach geht es in die Fachabteilungen, wo sie praxisorientiert an richtigen Fällen arbeiten. Dort lernen die Nachwuchskräfte beispielsweise, Rechnungen zu prüfen, Leistungen auszuzahlen oder Sonderfälle wie Auslandstransporte zu organisieren. Im weiteren Verlauf der Ausbildung folgen dann auch alle Stabsstellen wie Marketing, Rechtsabteilung, Buchhaltung oder Vertragsabteilung.

Außerdem gehen die Lehrlinge zwei Monate in den Außendienst. In einer eigenen Junior-Firma lernen die Azubis, selbstständig Projekte zu übernehmen. Sie kümmern sich dort unter anderem um Kooperationen mit anderen Unternehmen und handeln zum Beispiel Mitarbeiter-Rabatte aus.

Zur Berufsschule müssen die Kaufleute der Fachrichtung Versicherung in die B4 in Nürnberg. Zusätzlich bietet Universa seinen Auszubildenden einen eigenen betrieblichen Unterricht an. Ausbildungsbegleitend über alle drei Lehrjahre lernen sie unter anderem, Präsentationen zu gestalten, Konfliktbewältigung und bekommen Hilfe für die Prüfungsvorbereitung.

In der Abschlussprüfung – die Note bei der Zwischenprüfung zählt hier nicht zum Abschluss – müssen die Auszubildenden zum Beispiel ein Kundenberatungsgespräch führen und ein fallbezogenes Fachgespräch. Im schriftlichen Teil geht es dann um Schadens- und Leistungsmanagement, Wirtschafts- und Sozialkunde sowie Versicherungen.

Nach erfolgreichem Abschluss finden die Kaufleute in der Fachrichtung Versicherung eine Beschäftigung vor allem bei Versicherungen und Maklern. Aber auch bei Banken, in der Unternehmensberatung und in vielen großen Unternehmen sind sie gesuchte Fachkräfte, zum Beispiel, um versicherungsspezifische Software zu entwickeln. Außerdem besteht die Möglichkeit, sich ohne großen Aufwand selbstständig zu machen. Laut Tarif bekommen die Kaufleute gut 2800 Ã brutto, bei 13,3 Monatsgehältern. Die flexible Arbeitszeit bei Universa beträgt dafür 38 Stunden pro Woche.

Darüber hinaus bietet der Beruf viele Möglichkeiten, sich weiterzubilden, beruflich voranzukommen und in Führungspositionen zu gelangen – zum Beispiel als Fachwirt für Versicherungen und Finanzen oder als Fachwirt für Finanzberatung. Auch ein Bachelorabschluss im Studienfach Versicherungsbetriebswirtschaft oder ein Studium Versicherungsmanagement sind geeignete Optionen.

KLAUS LEONHARD

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