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Regionale Firmen gehen mit gutem Beispiel voran

Aufgeschlossenheit bei Beschäftigung von Flüchtlingen - 12.03.2017 19:41 Uhr

Thomas Fink ist begeistert, wie schnell sich der aus Syrien stammende Shadi Razzouk in seinem Unternehmen einarbeitet. © Foto: Sofistik


"Ich hatte so viel Glück", betont Shadi Razzouk immer wieder. Glück, dass er nach einem Jahr in Deutschland eine eigene Wohnung gefunden hat. Glück, dass er für drei Jahre eine Aufenthaltserlaubnis erhielt. Und Glück, dass Thomas Fink so neugierig ist. Denn Neugierde war das Hauptmotiv für den Nürnberger Unternehmer, Shadi Razzouk einzuladen und ihn schließlich bei der Sofistik AG einzustellen, einem Unternehmen, das technische Software für die Bauindustrie entwickelt.

Der 25-jährige Syrer stammt aus Damaskus und ist Bauingenieur. Sein Bachelor-Abschluss wird in Deutschland anerkannt. Für Thomas Fink war es aber auch entscheidend, dass Shadi Razzouk gute Deutschkenntnisse vorweisen kann. In nur einem Jahr hat er sich die Sprache überwiegend selbst beigebracht. Und obwohl er schon ein gutes Niveau erreicht hat, feilt er noch daran, es weiter zu verbessern.

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Seit drei Wochen arbeitet er nun für Thomas Fink – sein Gehalt beträgt allerdings nur zwei Drittel dessen, was ein hierzulande ausgebildeter Bauingenieur verdienen würde. Noch entspricht aber auch seine Tätigkeit in der Firma nicht der seiner deutschen Kollegen. Shadi Razzouk hat den Auftrag, sich um die Kundenwünsche zu kümmern, die eingelaufen sind, und sie nach Bereichen zu ordnen. Außerdem wird er gerade in die Programmsoftware eingearbeitet.

Für Thomas Fink hat sich seine Neugier gelohnt: "Ich habe beim ersten Gespräch gemerkt, dass Herr Razzouk brennt. Und Leute, die für etwas brennen, haben bei mir immer eine Chance." Wenn der Syrer wie die anderen Ingenieure in der Firma eingesetzt werden könne, "kriegt er auch das gleiche Gehalt", fügt er hinzu.

Der vor einem Jahr in Nürnberg als Zusammenschluss für die Verbände mittelständischer Wirtschaft gegründete Arbeitskreis Mittelfränkischer Unternehmer (AMU) zählt 570 Mitgliedsbetriebe. Das Thema Flüchtlingsbeschäftigung hat er sich als Erstes auf die Fahnen geschrieben. Zum AMU gehören unter anderem Verbände wie die Familienunternehmer, die jungen Unternehmer, Frauen als Unternehmerinnen, die Wirtschaftsjunioren und der Bund der Selbstständigen. Laut AMU-Koordinator Günter Morsbach steht die Mehrheit der Mitglieder der Bereitschaft, Flüchtlinge einzustellen, positiv gegenüber (siehe Beitrag rechts). Allerdings beklagen einige die bürokratischen Hürden, die dabei zu überwinden seien.

Denn nicht jeder Anlauf, einen nach Deutschland geflüchteten Arbeitnehmer in Arbeit zu bringen, ist so von Erfolg gekrönt wie im Fall von Shadi Razzouk. Kristine Lütke von den Wirtschaftsjunioren meint aber: "Es kann schiefgehen, aber man muss auch mal etwas riskieren." 

Ute Wolf

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