22°

Donnerstag, 18.07.2019

|

Technologischen Wandel verpasst? IG Metall sorgt sich um Region

Speziell in Nürnberg gebe es nicht so viele Konzernzentralen - 16.06.2019 06:00 Uhr

Im Nürnberger Motorenwerk von MAN enstehen heute noch in erster Linie Verbrennungsmotoren. Doch gerade auch im Mobilitätssektor erwarten Experten in den nächsten Jahren einen starken technologischen Wandel.


"Das hat uns überrascht", sagt Andreas Weidemann, 1. Bevollmächtigter der Gewerkschaft. Normal seien sonst immer sieben bis acht Jahre gewesen. Wochenlang hatten er und seine Kollegen für den Atlas die hiesigen Betriebsräte abgeklappert und nach dem Befinden gefragt. 55 Unternehmen, die für 39.000 Beschäftigte der Branchen Metall und Elektro, Kfz, Schreib- und Zeichengeräte stehen, machten mit.

"Die Auswertung zeigt, wie verunsichert die Stimmung derzeit ist", erklärt Weidemann – und das wiederum beunruhigt ihn. Es gebe zwar Gründe für diese Stimmung. Die unklare Entwicklung der Automärkte, die Digitalisierung von Produktion und Produkt, dazu die Erschütterungen im Welthandel durch Brexit und Handelskonflikte. Gewerkschaftssekretärin Sandra Siebenhüter spricht von einem "toxischen Mix".

Dennoch hat Weidemann bei all dem ein unangenehmes Déjà-vu. Von Motorrädern bis zu Schreibmaschinen: Gerade Nürnberg habe in seiner Wirtschaftsgeschichte schon reichlich Erfahrungen mit grundlegenden technologischen Wandeln in Branchen gesammelt. Gut hinbekommen hätten das die hiesigen Unternehmen bekanntlich allerdings selten – und verschwanden vom Markt. "Wir wollen, dass das, was sich in der Vergangenheit abgespielt hat, nicht wiederholt."

Bilderstrecke zum Thema

Adidas, Siemens und Co.: Das sind die Top-Arbeitgeber in Mittelfranken

Unsere Bilderstrecke zeigt die größten Arbeitgeber der Region. Sie beschäftigen derzeit etwa 127.000 Mitarbeiter unter anderem an den Standorten Nürnberg, Fürth, Erlangen, Ansbach, Zirndorf, Heroldsberg und Herzogenaurach. Nicht berücksichtigt sind öffentliche Einrichtungen wie Kommunen oder Kliniken.


"Wir alle, Arbeitgeber und auch wir Arbeitnehmer, müssen uns jetzt schon fragen, ob sich das Produkt, mit dem wir heute erfolgreich sind, auch in zehn Jahren noch verkauft", appelliert Weidemann. Sprich: Nach den erwarteten technologischen Umbrüchen. "Sonst werden wir dieses Produkt nur noch zu Ende produzieren. Und dann schließen."

Beunruhigende Befunde

Dass ein großer Teil der Betriebsräte urteilt, am eigenen Standort gebe es aktuell eigentlich keine richtige Strategie für die Bewältigung der Transformation. Und wenn doch, dass dieser Wandel in den Unternehmen rein technologisch gedacht werde, ohne dabei die Ideen der am Ende in der Fertigung oder Verwaltung davon Betroffenen überhaupt einzubeziehen: Es sind zwei weitere Befunde aus dem Transformationsatlas, die die Gewerkschafter umtreiben. Bei allem Trost, dass die Beschäftigungssituation nach Einschätzung der Betriebsräte mittelfristig dennoch wenigstens stabil bleibe.

Bilderstrecke zum Thema

Job-Champions: Das sind Nürnbergs 20 größte Arbeitgeber

Weltkonzerne von Bosch bis Siemens prägen mit ihren lokalen Werken das Bild der Wirtschaft in Nürnberg. Doch in der Frankenmetropole gibt es auch eine Reihe von lokalen Größen, die in der Stadt ihren Firmensitz haben und hier zu den Top-Arbeitgebern gehören - viele bekannt Namen, doch auch so mancher "hidden Champion" gehört dazu.


Speziell in Nürnberg gebe es nicht so viele Konzernzentralen, erläutert Weidemann, die obersten Chefs der hiesigen Standorte säßen daher oft weit weg. "Wir fordern aber, dass nicht nur in den Zentralen entschieden wird, sondern auch das mittlere Management und die Beschäftigten in jedem Betrieb mitgenommen werden", erklärt der Gewerkschafter. Zugleich gelte es, den Wandel so zu gestalten, dass jeder eine Perspektive für sich sehe – beispielsweise durch eine verbindliche Personalplanung, Standortgarantien oder Weiterbildungsangeboten. 

8

8 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Wirtschaft