Mittwoch, 14.04.2021

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Vedes-Boss: Punktgewinn auf schwierigem Spielfeld

Thomas Märtz hat die Nürnberger Vedes saniert — Mit Karriere als Handballer geliebäugelt - 24.08.2011 12:00 Uhr

Der gebürtige Heidelberger und sozialisierte Schwabe Thomas Märtz — hier mit seinem Spielzeug-Favoriten, einem funkferngesteuerten Offroad-Modellauto — fühlt sich in Franken pudelwohl. Seit 1999 führt er die Nürnberger Vedes und lebt in Fürth.

22.08.2011 © Edgar Pfrogner


Die Franken und die Schwaben verbindet etwas, findet der gebürtige Heidelberger und Wahl-Fürther Thomas Märtz — nein, nicht, dass beide kein Hochdeutsch können: „Es gelingt ihnen, ihren Optimismus gut zu verbergen.“ Und das ist in den Augen des Vedes-Chefs erst einmal gar nichts Schlechtes. Denn die „Hoppla-jetzt-komm-ich“-Typen, Dauer-Euphoriker und selbsternannten großen Zampanos sind nicht sein Fall.

Wer den 51-Jährigen beruflich trifft, erlebt einen Mann, der sachlich ist, ohne kühl zu wirken, dem Gegenüber zugewandt, ohne gleich die joviale Karte zu ziehen. „Ja, ich bin schon ein rationaler Mensch“, beschreibt Märtz sich selbst, „dabei aber auch kommunikativ.“ Diese beiden Eigenschaften, gepaart mit diplomatischem Geschick, kamen ihm bei der Vedes zupass.

Höchst verschachtelt

Rückblende: 1999 übernimmt der studierte Wirtschaftswissenschaftler die Führung des Nürnberger Traditionshauses. Märtz weiß, dass die europaweit tätige Spielwarenfachhandelsorganisation — sie zählt heute rund 1000 Mitglieder — rote Zahlen schreibt und restrukturiert werden muss. Diese Aufgabe reizt den damals 39-Jährigen, der dafür seinen Job als Leiter des Bereichs Finanzen bei dem baden-württembergischen Fenstertechnikspezialisten Roto Frank AG an den Nagel hängt.

„Es war eine Herausforderung, die Gesamtverantwortung für die Sanierung eines Unternehmens zu übernehmen“, erklärt Märtz. Was er seinerzeit allerdings nicht wusste: Die Lage der Vedes war viel prekärer als gedacht. Mitte 1999 musste das 1904 gegründete, genossenschaftlich strukturierte und höchst verschachtelte Unternehmen einen Konzernfehlbetrag von umgerechnet rund fünf Mio. € einräumen.

Märtz packte die Mammutaufgabe an. Einfach hinzuwerfen, das sei für ihn nicht in Frage gekommen, sagt er. Märtz ist pflichtbewusst und ehrgeizig, will Aufgaben, die er übernommen hat, erfüllen. Dazu zählt für den Manager bis heute auch, „Projekte und Konzepte im Unternehmen nicht nur anzustoßen, sondern auch umzusetzen“. In Schwaben sagt man: Ned schwätze, schaffe.

Märtz gelang es damals, die Geschäftspartner von der Zukunftsfähigkeit einer neustrukturierten Vedes zu überzeugen und die überlebenswichtige Finanzierung des Unternehmens zu sichern. Die schmerzhafte Sanierung selbst, zu der auch die Trennung von Beteiligungen und Tochterfirmen zählte, dauerte drei Jahre und kostete auch viele Arbeitsplätze. Am Stammsitz in Nürnberg halbierte sich die Zahl der Beschäftigten, seit einigen Jahren liegt sie stabil bei 210 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Die Vedes ist wieder ein gesundes Unternehmen, das als Rundum-Dienstleister für den Spielwarenfachhandel fungiert. Die Eigenkapitalquote beträgt inzwischen 54 Prozent. Eine Zahl, auf die der Vorstandschef stolz ist.

Dass er einmal im Management Karriere machen würde, war Märtz nicht an der Wiege gesungen worden. Fast wäre er Profi-Handballer geworden mit anschließender Laufbahn als Coach. „Den Trainerschein habe ich mit 20 erworben, mit dem Handballspielen selbst hatte ich mit sieben angefangen“, erzählt der Ökonom, der in Stuttgart aufgewachsen ist und sich einen schwäbischen Akzent bewahrt hat. „Doch dann hat mich ein Freund auf die Volkswirtschaftslehre gebracht — und die hat mir großen Spaß gemacht.“

Ein einschlägiges Studium folgte. Nach der Promotion übernahm Märtz bei der Unternehmensberatungsgesellschaft Ernst&Young in Stuttgart die Leitung der volkswirtschaftlichen Abteilung und qualifizierte sich nebenbei zum Steuerberater weiter — ein Wissen, das sich als äußerst nützlich erwies bei der Sanierung der Vedes, zu der er nach einer zweijährigen Zwischenstation bei Roto wechselte.

Den Umzug von Baden-Württemberg nach Franken hat Märtz, der mit seiner Familie seit zwölf Jahren in Fürth wohnt, nie bereut: „Wir fühlen uns hier sehr wohl. Die Stadt hat was.“ Seiner Wahlheimat will der Manager etwas zurückgeben, deshalb hat er sich bei der Bürgerstiftung Fürth (www.buergerstiftung-fuerth. de) als Vorsitzender ehrenamtlich engagiert.

Greuther Fürth mit im Team

„Wir wollen Kindern und alten Menschen helfen, die von sozialen Schieflagen meist am härtesten getroffen werden“, umreißt Märtz das Ziel der Einrichtung, die 2007 ins Leben gerufen wurde. Dazu gehört zum Beispiel, Kindern die Mitgliedschaft im Sportverein zu finanzieren, aber auch, Altersarmut in der Kleeblattstadt zu lindern.

Zu den Förderern der Stiftung zählt die Spielvereinigung Greuther Fürth: Vor kurzem wurde eine Kooperationsvereinbarung geschlossen, die unter anderem vorsieht, dass Spieler Veranstaltungen der Stiftung unterstützen. Diese Zusammenarbeit mit den Greuthern wie auch den Verein selbst schätzt Fußballfan Märtz sehr — wenngleich sein Herz trotz aller Liebe zu Franken zuallererst für einen anderen Klub schlägt: „Der VfB Stuttgart, das ist mein Verein.“

VERENA LITZ

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