Samstag, 28.11.2020

|

Von Anfang an dabei

36 Spielzeugfirmen zählen zu den Messe-Pionieren - 05.02.2009

Ein Familienunternehmen seit fünf Generationen: Johann-Adolf Huck, Jürgen Huck und Rudolf Huck (v. l.) bringen derzeit die Huckschen Glöckchen zum Klingen.

04.02.2011 © Uwe Niklas


Der Beitrag des Nürnberger Familienunternehmens Huck zu diesem festlichen Anlass könnte das feine Bimmeln kleiner Glöckchen sein. Diese nämlich stellt der Betrieb aus Schweinau seit 1858 in mannigfacher Vielfalt her.

Aus den bescheidenen Anfängen des Johann Adam Huck ist mittlerweile ein Mittelständler gewachsen, der rund 100 Tonnen Material im Jahr verarbeitet. Die Huckschen Glöckchen klingen in aller Welt. Besonders prominent dürften die kleinen Bimmelchen an den Stofftieren der Firma Steiff oder – bis vor kurzem – auch an den berühmten Lindt-Osterhasen sein.

Guter Klang in aller Welt

Der weltweite Bekanntheitsgrad wäre wohl ohne die Spielwarenmesse viel schwerer zu erreichen gewesen. Aber er wäre auch ohne dem Einsatz der 16 Beschäftigten und der Geschäftsleitung nicht machbar gewesen: Juniorchef Jürgen Huck erläuterte der NZ anlässlich des 150. Firmenjubiläums im vergangenen Juni, wie er mit Schellen und Glöckchen behängt über die Messe wandelt und neue Geschäftskunden gewinnt – 2008 zum Beispiel einen großen Schlittenhersteller.

Und auch auf den Fortbestand des Familienunternehmens in der mittlerweile fünften Generation können die Hucks stolz sein: Nicht einmal die verheerenden Bombenangriffe 1945, denen die damaligen Werkshallen vollständig zum Opfer fielen, warfen die Unternehmerfamilie aus der Bahn.

Ära endet, Marke bleibt

Im Gegensatz dazu werden wohl keine Mitglieder der Familie Fleischmann auf dem Podest stehen, wenn der bedeutende Nürnberger Modellbahnhersteller für die 60. Messeteilnahme geehrt wird. Bereits Anfang 2008 war bekanntgeworden, dass die Traditionsmarke an die deutsch-österreichische Modelleisenbahn Holding verkauft werde. Mit dem Eintrag im Handelsregister im Juni 2008 endete die Ära des Modellbahnherstellers als Familienbetrieb: Horst Fleischmann, dessen Großvater Jean das Unternehmen 1887 gegründet hatte, hörte als Geschäftsführer auf.

Die Marke Fleischmann freilich bleibt auch unter den neuen Herren unangetastet und soll sich mit dem ehemaligen Konkurrenten Roco – ebenfalls im Besitz der Modelleisenbahn–Holding - künftig besser ergänzen. Auf der Strecke im knallharten Kampf der Mini-Bahnen blieben allerdings die Standorte Nürnberg und Dinkelsbühl. Während im fränkischen Heilsbronn weiterhin rund 225 Mitarbeiter am Werk sind, ist ein Großteil der Produktion mittlerweile abgewandert - nach Rumänien. Dort produziert die Modelleisenbahn-Holding bereits Mini-Züge der Marke Roco.

Ebenfalls einen leicht faden Beigeschmack hat die Ehrung der Firma J. G. Schrödel. Ehemals Nürnbergs älteste Spielwarenfabrik, gab der Hersteller von Spielzeugpistolen und Faschingsaccessoires im Juni 2003 auf.

Passendes Outfit für Cowboys

Während die Markenrechte an die Spielwaren-Importfirma Heinrich Bauer – deren Inhaber werden wohl auch die Auszeichnung entgegennehmen – ging, erlebten die 60 Mitarbeiter eine echte Tragödie. «Sie haben Überstunden gemacht und samstags gearbeitet, sich stets dem Betrieb geopfert», erklärte die fassungslose Vertrauensfrau der Mitarbeiter der Presse im Jahr 2003.

Nach Darstellung des damaligen Firmeninhabers Georg Meidenbauer hätten Gerüchte über die Zahlungsunfähigkeit des 1846 gegründeten Unternehmens zum Ruin geführt, weil die Banken die Kreditlinien verweigerten. Es mag ein schwacher Trost der ehemaligen Beschäftigten sein, dass die Produkte auch unter den neuen Herren alle Faschingsjahre wieder die Herzen der kleinen Clint Eastwoods und John Waynes schneller schlagen lassen – und die der Eltern häufig gleich mit.

Etwas geruhsamer geht es da bei den Miniaturküchen der Marke Spielstabil zu. Sämtliches Zubehör der Küche für die Kleinen ist aus einem speziellen Kunststoff ohne Weichmacher hergestellt, der sogar in einer echten Mikrowelle eine gute Figur macht. In der Artikelserie Spielstabil vertreibt die 1919 gegründete Firma Martin Fuchs Spielwaren aus Zirndorf neben der stark nachgefragten Küche auch Eimer, Schaufeln, Siebe und Förmchen aus ihrem speziellen Kunststoff.

Für die «Feldforschung» begab man sich schon mal in einen Kindergarten – und fand Folgendes heraus: Die Plastikschaufeln von Spielstabil müssen unbedingt eine glatte Rückseite haben, «denn nur so können die kleinen Baumeister auch schön ihre Sandburgen glattstreichen», wie Geschäftsführer Peter Fuchs schilderte. Außerdem ist die Farbe Grün bei den meisten Kindern weniger angesagt als Rot, Gelb oder Blau.

Es begann mit dem «Holländer»

Diese kindliche Farbenlehre dürfte auch für die Fürther Firma Ferbedo interessant sein. Die 1898 von Ferdinand Bethäuser in Nürnberg-Doos gegründete Metallwarenfabrik hängte bereits 1914 mit der Erfindung des «Holländers» die Messlatte in Sachen Kinderfahrzeuge hoch.

Dieser Devise ist man sich in der Siemensstraße treu geblieben: Während vor allem Sammlerherzen beim Anblick der Fahrzeug-Oldtimer, also der Spielzeuge der 50er und 60er Jahre, ins Schwärmen geraten, sind für die sehr viel pragmatischer denkende Jugend von heute auch Plastikfahrzeuge mit ins Programm genommen worden. Der Stabilität und Sicherheit tut dies keinen Abbruch. Geschäftsführer Claus Rothenberger versichert, sämtliche Produkte auf «Herz und Nieren» prüfen zu lassen, um maximalen Fahrspaß bei größtmöglicher Sicherheit gewährleisten zu können. Auch für aktuelle Trends zeigt man sich bei Ferbedo offen: So existiert eine komplette Produktpalette rund um die sympathischen Tierfiguren von Kinderbuchautor Janosch.

Die Ehrung am 8. Februar, ab 18 Uhr, im CCN Mitte ist nur Messegästen zugänglich.

Sebastian Linstädt

Seite drucken

Seite versenden


weitere Meldungen aus dem Ressort: Wirtschaft