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Zehn Jahre Kirchenstiftung Roßtal

Gründungsväter hoffen auf weitere Zuwendungen - Die Spende, die über Generationen wirkt - 15.11.2015 13:00 Uhr

Jörn Künne (v. li.), Walter Greul und Karl Gräf am Baugerüst vor St. Laurentius. Die Stiftung erlaubt ihnen, die Kirchen-Renovierung etwas gelassener zu nehmen.

13.11.2015 © Thomas Scherer


Sie waren alle drei an der Gründung beteiligt. Was war der Anlass, die Stiftung ins Leben zu rufen?

Künne: Damals standen die Zeichen bei den Finanzen der Landeskirche auf Sturm: Die Kirchensteuereinnahmen waren eingebrochen, eine Kürzungswelle jagte die nächste, Zuschüsse wurden gestrichen, Stellen gekürzt. Auch unsere Gemeinde blieb nicht verschont. Bei einer Klausur hat uns der jetzige Regionalbischof Stefan Ark Nitsche eindringlich aufgezeigt, dass die finanziellen Aussichten alles andere als rosig sind. Wir mussten uns überlegen, welche Strukturen es braucht, um das gemeindliche Leben wie gehabt aufrechterhalten zu können.

 

Zu welchem Schluss gelangten Sie?

Künne: Ein Ergebnis war, dass die fünf von uns betriebenen Kindergärten in Roßtal einen professionellen Geschäftsführer bekommen. Die Klausur gab den Anstoß zur Fusion der Diakonie-Stationen. Und schließlich fiel die Entscheidung, eine halbe von zwei Diakon-Stellen — die Stunden für die Jugendarbeit — und damit hauptamtliches theologisches Personal, das die Landeskirche kürzte, aus Gemeindemitteln zu finanzieren. Eine Geldquelle dafür zu erschließen, ist ein Zweck der Stiftung.

Greul: Außerdem fließen die Zinserträge in die Bewahrung der historischen Bausubstanz und zu einem kleinen Teil in die Kirchenmusik.

 

Kirchensteuer, Kirchgeld, sonntags geht der Klingelbeutel um, warum sollten die Roßtaler noch einen Topf füttern?

Gräf: Im Gegensatz zur Spende wirkt die Zustiftung nachhaltig, und das in zweierlei Hinsicht. Einerseits im Blick auf die langfristig zur Verfügung stehende Geldquelle, die sie erschließt. Und andererseits als Einrichtung, die lebt. Anders als bei einer klassischen Stiftung, bei der eine Person einmal Geld gibt, ist unsere Stiftung bürgerschaftlich orientiert und sucht eine breite gesellschaftliche Verankerung.

Greul: Die Stiftung will leben, sich entwickeln, der Kapitalstock soll wachsen. Das Entscheidende ist, dass das Vermögen unangetastet bleibt. Wären die Zinsen auf dem Niveau unserer Anfangszeit geblieben, könnten wir heute 18 000 Euro im Jahr erwirtschaften.

Wie ausgeprägt ist denn die Bereitschaft der Roßtaler, ihre Kirchengemeinde zu unterstützen?

Künne: Gibt es einen konkreten Anlass, wie etwa 2007 den Brand des Kindergartens Sonnenblume, zeigen sie sich sehr großzügig. Die Jugendarbeit dagegen ist in der öffentlichen Wahrnehmung nicht so präsent, aber kontinuierlich auf Unterstützung angewiesen. Eine Stiftung hat einen langen Atem. Sie kann über Generationen Gutes bewirken, das müssen wir immer wieder ins Bewusstsein rufen. Deshalb machen wir jedes Jahr eine kulturelle Veranstaltung. Und deshalb feiern wir auch das Zehnjährige.

Sie hatten das ehrgeizige Ziel, in der ersten Dekade eine Million Euro Stiftungskapital zusammenzutragen.

Greul: Es war ein sehr sportliches Ziel. In der Startphase sind wir die Liste der Gemeindemitglieder durchgegangen auf der Suche nach Menschen, von denen wir annahmen, sie könnten etwas übrig haben. Beim Klinkenputzen hat dann mancher, der finanziell nicht so gut gepolstert ist, unsere Erwartungen weit übertroffen. Noch hoffen wir, dass uns einmal jemand mit seinem Erbe bedenkt.

 

Wer hat zum Stiftungskapital von derzeit 327 000 Euro beigetragen?

Gräf: Etwa 90 verschiedene Einzelpersonen oder Familien. Sie haben sehr unterschiedliche Beträge beigesteuert, von 500 Euro aufwärts bis zu einer sehr großen Zustiftung von 100 000 Euro und einer weiteren, nicht ganz so großen.

 

Wie ist das Geld angelegt?

Gräf: Das Gros steckt in festverzinslichen Wertpapieren und Investmentfonds, wir haben einige Sparguthaben und Sparbriefe, ein Teil liegt im Solarfonds der Landeskirche. Aktuell ist das Gebot der Stunde abwarten. Im jetzigen Zinstief geht es nur darum, das Stiftungsvermögen möglichst unbeschadet zu überwintern.

Greul: Mit Karl Gräf haben wir einen erfahrenen Finanzfachmann im Vorstand, der die Geldanlagen ehrenamtlich verwaltet. Das spart uns die Kosten für eine externe Verwaltung etwa bei einer Bank. Auch die Gebühren für die Stiftungsaufsicht, normalerweise eine staatliche Aufgabe, müssen wir nicht aufbringen, weil das die Landeskirche übernimmt.

 

6000 Euro Ausschüttung bei einem Etat der Roßtaler Pfarrei von über 2,5 Millionen Euro im Jahr: Gleicht das nicht dem Tropfen auf den heißen Stein?

Künne: Da gebe ich zu bedenken, dass allein gut zwei Millionen Euro davon auf das Konto der Kindertagesstätten gehen. Spielraum haben wir letztlich nur über die sogenannte Gabensumme, in der alle Spenden von der Einlage im Klingelbeutel über den Obolus bei Veranstaltungen bis zum Jugendfördervereins-Beitrag landen. Das sind etwa 100 000 Euro. 6000 Euro mehr sind da ein erkleckliches Zubrot, das etwas Gelassenheit bietet und beispielsweise erlaubt, uns bei einem Bauprojekt einen Tick mehr Qualität leisten zu können.

Das Jubiläum feiert die Kirchenstiftung am Samstag, 21. November, 19 Uhr, im Gemeindehaus mit dem Nürnberger Improtheater „6 auf Kraut“. Festredner ist Hans Wölfel, Roßtaler und Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Fürth. Der Eintritt ist frei, Spenden sind erbeten. Internet: www.stiftung.ev-kirche-rosstal.de

Interview: Sabine Dietz

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