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Zwei Weißenburger Brüder, ein Basketball-Traum

Moritz und Joscha Eckert spielen in der Junioren-Bundesliga und hoffen auf den großen Wurf - 05.07.2020 15:09 Uhr

Duell unter Brüdern: Joscha (links) und Moritz Eckert beim Eins-gegen-Eins im eigenen Garten. Über Joscha sagt Trainer Razvan Munteanu: „Er ist ein filigraner Wurfspezialist.“

© Foto: Bastian Mühling


Es sind kleine Kriege, die Moritz (16) und Joscha Eckert (14) aus Weißenburg weiterbringen auf ihrem Weg zum großen Traum: Basketball-Profi. Sie leben dafür. Pflastern sich ein Feld in den Garten, schenken sich zum Geburtstag Autogrammkarten und bekommen zu Weihnachten DAZN-Gutscheine, für die Play-offs in der NBA.

Basketball-Karrieren fangen meistens auf Hinterhöfen an, mit Würfen in Dauerschleife. Die von Moritz und Joscha beginnt in der Landkreishalle in Weißenburg. Joscha erinnert sich: "Irgendwann hat die Mum zu Moritz gesagt: Jetzt wird es Zeit, dass Du Sport machst. Geh doch zum Basketball." Fußball war zu Mainstream, beim Handball gab es kein Team in seiner Altersklasse. Basketball also. "Zum Glück hast Du uns davon überzeugt", sagt Joscha und grinst seine Mutter an.

2010 baut der TSV 1860 Weißenburg ein U12-Team auf. Joscha will auch mitmachen, ist aber zu jung und zu klein. Zum fünften Geburtstag schenkt Moritz seinem Bruder einen selbst gemalten Gutschein für eine Trainingseinheit. Joscha bekommt einen kleinen Gummiball, eine Art Mini-Basketball, der echte ist zu groß. "In eineinhalb Stunden habe ich einmal den Korb getroffen, aber das war für mich das Größte." Noch heute sind die Eckert-Brüder süchtig nach diesem Gefühl.

Mit diesem Bild war Joscha Eckert 2010 zum ersten Mal in der Zeitung. Beim 150-jährigen Jubiläum des TSV 1860 Weißenburg dribbelte er durch die Hütchen.

© Foto: Uwe Mühling


Es gibt da dieses Bild von Joscha, da ist er gerade einmal fünf Jahre. Er hat es sich eingerahmt. "Da war ich zum ersten Mal in der Zeitung", erzählt er stolz. Bei einer Jubiläumsfeier des TSV 1860 Weißenburg dribbelt er im Slalom. Der Ball in seiner Hand ist größer als sein Kopf. Zeigt man ihm das Bild heute, gibt er keck zurück: "Das hat sich damals richtig schnell angefühlt, auch wenn es auf dem Bild leider nicht so aussieht."

"Ich möchte gerne Profi werden"

Heute, zehn Jahre später, ist Joschas Kopf immer noch kaum größer als der Ball. Dem Traum vom Basketball-Profi sind er und sein großer Bruder aber schon näher. Beide spielen in der Jugend-Basketball-Bundesliga (JBBL) bei den Tornados Franken. Durch eine Doppellizenz spielt Moritz außerdem noch bei den VfL Baskets Treuchtlingen in der U20, der Bayernliga und der Regionalliga Südost. Wegen dem Abitur wird er kommende Saison "nur" noch in zwei Teams spielen: U19-Bundesliga (NBBL) und Regionalliga. Joscha spielt ab nächster Saison bei den Tornados und beim Post SV Nürnberg in der Herren-Bayernliga. Unisono sagen die Brüder: "Ich möchte gerne Profi werden." Aber reicht es für den großen Wurf?

Ein Anruf bei Stephan Harlander, Trainer der VfL Baskets. Er beschreibt die Brüder als "unglaublich zuverlässig" und "diszipliniert in höchstem Maße". "Die beiden beweisen, dass Schule und Leistungssport funktionieren kann." Und sportlich? "Beide haben das Zeug, höherklassig zu spielen. Sie bringen die Mentalität dazu mit." Höherklassig definiert Harlander ab der 2. Bundesliga Pro A.

Duell unter Top-Talenten: Moritz Eckert (am Ball) in einem Spiel mit den Tornados Franken gegen den FC Bayern München. „Er ist der Finisher am Brett und holt viele Rebounds“, sagt Trainer Munteanu.

© Foto: Martin Will


"Moritz ist absolut kampfstark", beschreibt Harlander den Allrounder, der mal Center, mal Power Forward spielt. Allerdings spiele er noch zu brav. Nach dem Motto: "The others first". Harlander aber findet: "Junge Spieler müssen korbgefährlich erzogen werden." Joscha dagegen ist ein echter Point Guard. "Der traut sich alles und spielt pfiffig." Doch ihm fehlt die Größe. Wie man das kompensiert? Flinke Beine, Augen- und Handkoordination und ein gutes Pick and Roll Spiel. Joscha meint: "Ich gebe die Hoffnung nicht auf, noch zu wachsen." Und: "Ich habe ja den perfekten Übungspartner, der mich wegblocken kann." Er schaut zu Moritz und klopft ihm auf den Oberschenkel.

Auf einen Wachstumsschub hofft auch Joschas Trainer Razvan Munteanu. Er ist sportlicher Leiter der Tornados und Landestrainer beim Bayerischen Basketball Verband (BBV). Joscha geht ab dem nächsten Schuljahr auf die Bertolt-Brecht-Schule in Nürnberg. "Wir haben geschaut, welche Kinder im Raum Nürnberg das Potenzial für die Nationalmannschaft haben. Da wurde Joscha ausgewählt", erzählt Munteanu. "Was Wille, Kampfgeist und Arbeitseinstellung angeht, sind sie schon Nationalspieler", beschreibt Munteanu die Brüder. Das bestätigt auch Hannes Machui, einer der ersten Trainer von Moritz und Joscha beim TSV Weißenburg. "Sie gehören zu den fleißigsten Spielern, die ich jemals hatte."

Seit Jahren spielen die Eckert-Brüder mit einer Doppellizenz. Mit einer Kooperation aus Weißenburg und Altdorf werden sie dritter Bayerischer Meister. 2015 schnappen sich die Tornados Franken die Basketball-Brüder. Dort spielen sie in der U16-Bundesliga (JBBL) unter anderem gegen Bayern München oder Augsburg. Dieses Jahr haben sie es in die deutschlandweiten Play-offs geschafft. Doch die Saison wurde wegen Corona abgesagt. "Wir konnten leider nicht schauen, wie weit es gereicht hätte", sagt Joscha. Auf dem Papier klingt der Satz wie aus dem Repertoire eines Profis, der vor den Fernseh-Mikros steht, die Stimme ohne Bruch kann die Traurigkeit, die dahintersteckt, aber nicht kaschieren.

Eigenes Basketball-Feld gepflastert

Mitten im Wohngebiet haben Joscha und Moritz Eckert ihr eigenes Basketball-Feld.

© Foto: Bastian Mühling


Corona hin oder her – das Training geht weiter. Nach Video-Athletiktraining – sogar am Ostersonntag – üben sie mit den Tornados wieder in einer privaten Halle, und natürlich in der Basketball-Arena im Garten. "Wir haben dort so oft gespielt, dass keine Wiese mehr da war, sondern nur noch Matsch", erzählt Joscha. Also haben die Eckerts in der ersten freien Schulwoche vor dem Lockdown ein Feld in den Garten gepflastert. 5,5 mal 6,5 Meter zementierter Basketball-Traum.

Aber wie geht das eigentlich mit der Doppellizenz? Die Clubs müssen in verschiedenen Ligen spielen. Um bei Überschneidungen leichter zu entscheiden, wird vor der Saison eine Prioritätenliste aufgestellt. Stephan Harlander ist kein Fan des Konzepts. "Ich bin grundsätzlich der Meinung, dass man für einen Verein spielen sollte", sagt der VfL-Coach. "So ist es schwierig, Identität und Anführertum zu entwickeln." Außerdem müsse man zwei Konzepte umsetzen können. Ein Vorteil dagegen sei die professionelle Betreuung. "Die Entscheidung muss jeder selbst treffen."

Joscha und Moritz 2011 im TSV-Trikot.

© Foto: Martin Ruff


Die Begeisterung für Basketball ist den Brüdern in jedem Satz anzumerken. Sprechen sie über ihre Vorbilder wie Stephen Curry oder Isiah Thomas, leuchten ihre Augen. Kein Wunder, eine Woche bei den Eckerts besteht quasi nur aus Basketball: fünfmal die Woche Training plus mindestens zwei Spiele. Auch Schwester Paula (13), eigentlich eine Handballerin, spielt mittlerweile Basketball in Weißenburg. "Drei Kinder, acht Teams – da sind die Wochenenden gesichert", sagt Melissa Eckert. Mit dem Zug geht es zum Training, mit dem Auto zu den Spielen.

Ein letzter Ausflug in die Basketball-Arena, diesmal in eine richtige: die "Senefelder Hölle", wie die VfL-Halle liebevoll genannt und gefürchtet wird. Nach zwei Vierteln atmet die Halle kollektiv auf. Pause. Die eine Hälfte bewegt sich zum Pizza-Stand, die andere oder besser gesagt die Jungs unter den Körben schwärmen aus, schnappen sich einen Basketball und werfen wild drauf los. In der Hoffnung, irgendwann selbst mit den Baskets in die Kabine zu dürfen. Joscha sagt: "Ich gehe immer noch werfen." Das hatte Moritz auch vor. Noch vor der Saison hatte er sich eine Dauerkarte gekauft, doch sein Traum, mit in die Kabine zu gehen, ist schon in Erfüllung gegangen.

BASTIAN MÜHLING

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