Dienstag, 20.11.2018

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Kritik an feuchten Wiesen: Sorge um Fische in der Wiesent

Wässerwiesenprojekt: Wasserwirtschaftsamt Kronach warnt vor geringem Pegel - 29.08.2018 10:00 Uhr

Julia Dummert schaut sich die Wässerwiesen ganz genau an. Für eine Projektarbeit spricht sie mit Landwirten und durchforstet das Staatsarchiv. © Alle Fotos: Petra Malbrich


Wasser glitzert noch immer auf der Wiesenoberfläche. 62 Störche konnten kürzlich auf den Wässerwiesen in Pinzberg gezählt werden. In Kirchehrenbach staken sie zum Teil noch immer in der Wiese herum, fischen sich Mäuse in den Schnabel, die durch das kostbare Nass an Land getrieben wurden. Das Wässerwiesenprojekt des Landkreises macht dieses Ah-Erlebnis mit Erholungswert möglich.

Fische in Not?

Ein Stück entfernt fließt die Wiesent. Ein Mitarbeiter des Wasserwirtschaftsamts Kronach ist dort vor Ort. Er ist in Sorge wegen des Wässerwiesenprojekts. "Die Wiesent ist im Niedrigwasserspiegelsektor", sagt er. "Wir haben momentan den Eindruck, es wird zu viel gewässert", erklärt Günther Prem, Leiter des Wasserwirtschaftsamts in Kronach. Ob es den Fischen schade, sei derzeit unklar. Ein Fischsterben gibt es demnach noch nicht.

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"Wir wollen vorsorgen", sagt Prem und erklärt damit, weshalb er untersucht, ob das Wässern zur Schädigung des Gewässers führt. Die Folgen für das Ökosystem Wiesent könnten durchaus erst in einem, zwei oder drei Jahren ersichtlich sein. Einen großen runden Tisch wird es deshalb am 11. September geben, um alle Bedenken vorzutragen und um Lösungen zu finden. Gastgeber ist das Landratsamt. Am Tisch sitzen wird auch die Regierung und das Wasserwirtschaftsamt.

Auch die uralten Wasserrechte werden dann zur Sprache kommen, die nun für das Ungleichgewicht sorgen: "Die Rechte aus dem Bewässerungsprojekt aus 1860 stehen heuer in Konkurrenz zu den Abflüssen der Wiesent", sagt Prem. Das Wasserrecht würde laut Wasserwirtschaftsamt zu Gunsten der Wiesenbewässerung ausgenutzt. Hingegen sei in der Wiesent derzeit zu wenig Wasser. Doch laut Prem fühlen sich die Pinzberger Landwirte im Recht, ihre Wiesen mit dem Wasser der Wiesent zu versorgen. Das Wasserwirtschaftsamt sieht das ein Stück anders: "Man kann das Recht nur soweit ausnutzen, wenn man anderen nicht schadet", meint Amtsleiter Prem.

Die alten Wasserrechte forstet derzeit Projektleiterin Julia Dummert durch. Im Staatsarchiv sichtet sie stapelweise Papiere. Gespräche mit den Landwirten führt sie auch. Mit ihrer Arbeit ist sie noch am Anfang.

Das Wässerwiesenprojekt wurde erst vor einem Jahr gestartet und von Vereinten Nationen (Uno) als offizielles Projekt der UN-Dekade "Biologische Vielfalt" gewürdigt. Vorteile, die die Uno in dem Projekt sieht, zählt auch Dummert auf: So dienten die Wässerwiesen früher der Befeuchtung, waren Dünger, weil es Schwebstoffe mit ausspülte und zugleich als Schädlingsbekämpfung, da Mäuse und Maulwürfe an die Oberfläche flohen. Bis das Wässerwiesenprojekt stand, hat es Monate gedauert. Auch, weil Pretzfeld zunächst eine Teilnahme an dem Projekt ablehnte - als einzige der am Wiesenttal angrenzenden Gemeinden.

Kühe kommen durch den Winter

"Mit dem Wasser konnte man die Vegetationsperiode verlängern. Wenn das Wasser wärmer war als die Luft, taute der Boden auf und konnte früher bearbeitet werden", erklärt Dummert. Und durch die nassen Wiesen wächst das Gras schneller. Eine Mahd mehr steht den Tieren zur Verfügung. Landwirte, die gewässert haben, hätten heuer keine Probleme, ihre Kühe über den Winter zu bringen. Nicht nur die Futtermenge, auch die Qualität würde gesteigert werden.

Damals stand der Nutzungsgedanke im Vordergrund. Die Wässerwiesen waren notwendig, um die Kühe zu füttern, bestätigt Prem. "Das steht heute nicht mehr im Fokus. Das Wässern hat nicht zum Hauptziel die Förderung der Landwirtschaft, sondern Naturschutzwirkung." Darin sieht Dummert weitere Vorteile: "Die Wiesen filtern das Wasser. Sie sind ein natürlicher Filter und füllen das Grundwasser mit auf. Das kommt Forchheims Trinkwasserversorgung zugute", erläutert Dummert und nennt auch den Klimaschutz, der durch die Wässerwiesen geleistet wird. "Das Grünland bindet CO2. Der Acker gibt CO2 ab, die Wiese nimmt ihn auf. Auf Kunstdünger kann verzichtet werden. Andere Dünger seien durchaus "Klimakiller". Zudem sorgen die Wässerwiesen für einen erfrischenden Luftaustausch.

Oftmals genügt die bloße Hand, um die Holzwehre zu öffnen und die Wiesen im Wiesenttal zu wässern.


Mit der Kurbel oder einfach per Hand kann mit einfachen Holzbrettern der Wasserstand reguliert werden. Das übrige Wasser kehrt über den Entwässerungskanal in den Bach zurück. Immer mehr Landwirte melden sich bei der Wässerwiesen-Projektleiterin. Die aktiven Wehren will man erhalten, stillgelegte neu beleben, wenn möglich. Und grundsätzlich bewertet auch das Wasserwirtschaftsamt das Wässerwiesenprojekt durchaus positiv, wenn alle Eventualitäten berücksichtigt sind, um Vorsorge treffen zu können. Trockene Sommer wie heuer gab es schon. Wiederholen sich diese, müssten die Auswirkungen auf die Flora und Fauna, die durch die Wässerung entstehen könnten, beachtet werden, heißt es.

  

PETRA MALBRICH

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