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Sonntag, 23.09.2018

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Riesiges Hornissennest in Gunzenhausen entdeckt

Die Insekten hegen keine Aggressionen gegen Menschen - 31.08.2018 14:44 Uhr

Von einem Hornissennest, wie diesem im Garten von Kerstin Zels, sollte man drei, vier Meter Abstand halten, dann steht einem friedlichen Zusammenleben eigentlich nichts im Weg. © Kerstin Zels


Dass sich in diesem Jahr in dem Vogelhäuschen ganz andere Flugtierchen niedergelassen hatten, war von Kerstin Zels und ihrer Familie nicht unbemerkt geblieben. "Wir haben in unserem Garten schon früh im Jahr öfters Hornissen gesehen", erzählt sie, und dabei schnell entdeckt, dass die nützlichen Insekten den Starenkasten anfliegen. Der hängt an der Außenwand ihrer Holzhalle und ist durch das etwas vorspringende Dach gut geschützt.

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Als die Hitze kam, entdeckte die Vorsitzende des Gunzenhäuser Grünen-Ortsverbands ein kleines, dachartiges Gebilde, das die Hornissen über dem Flugloch gebaut hatten. Von außen "fächerten" immer ein paar Hornissen Luft in den Starenkasten, so sah das zumindest für Kerstin Zels aus. Mittlerweile ist das Hornissennest weit aus dem Starenkasten hinausgewuchert, das Vogelhäuschen ist fast komplett zugebaut.

Kuchen interessiert sie nicht

Hornissen gehören zu den besonders geschützten Arten, das wissen Kerstin Zels, ihr Mann Markus Lingg und die beiden Töchter. Sie fühlen sich aber sowieso von den Hornissen überhaupt nicht gestört, sie sind eher fasziniert, die Insekten so hautnah erleben zu können. "Manchmal verirrt sich eine Hornisse ins Wohnzimmer", berichtet Kerstin Zels.

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Im Gegensatz zu Wespen interessieren sich die großen Insekten überhaupt nicht für herumstehendes Essen, sondern wollen eigentlich nur wieder ins Freie. Diese Erfahrung der Familie bestätigt auch der Bund Naturschutz. Er rät dazu, die Fenster weit zu öffnen und, wenn es bereits dunkel ist, innen das Licht aus- und die Außenbeleuchtung anzuschalten, dann finden die Hornissen schnell wieder den Weg nach draußen.

Als absolut friedlich beschreibt Kerstin Zels die Insekten und betont: "Ich kann nichts schlechtes über unsere Hornissen sagen". Auch der Bund Naturschutz betont in einem Flyer, den man sich von der Seite der Organisation herunterladen kann, dass man keine Angst vor den "erstaunlich toleranten und friedfertigen Tieren" haben muss. Zudem sei ihr Stich nicht gefährlicher als ein Bienen- oder Wespenstich — außer natürlich, man ist Allergiker.


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Wirklich gefährlich, erfährt man auf der Homepage des BN, sind Hornissen nur für andere Insekten. Sie haben es auf Wespen, Fliegen oder Motten abgesehen und fangen ihre Beute meist im Flug. Bis zu einem halben Kilo Insekten landet so täglich im Nest eines großen Volkes.


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Wer ein Hornissennest am Haus hat, so der Tipp der Organisation, sollte die "prachtvolle, bis 50 Zentimeter hohe Hornissenburg" getrost hängen lassen. Mit den ersten Nachtfrösten im Herbst stirbt der ganze Staat ab. Da Hornissen niemals ein Nest nochmals beziehen, kann es in der kalten Jahreszeit getrost entfernt werden.

Scheu und berechenbar

Wichtig sei vor allem, Ruhe zu bewahren, rät der Bund Naturschutz. Die "sanften Riesen" sind wesentlich scheuer und berechenbarer als Honigbienen oder Wespen. In der unmittelbaren Nähe des Nestes sind Hornissen aber durchaus bereit, ihren Staat bei Störungen zu verteidigen. Im Umkreis von drei bis vier Metern um das Nest gelte deshalb grundsätzlich: Bitte nicht stören!

Faszinierende Gebilde: Dieses Hornissenvolk hat sich als Ausgangspunkt für sein Nest einen Starenkasten ausgesucht, der mittlerweile vollkommen zugewuchert ist. © Kerstin Zels


Keinesfalls sollte das Nest durch Hämmern oder Klopfen erschüttert werden, hektische Bewegungen gilt es zu vermeiden. Direkt unter dem Nest sollte nicht unbedingt der Grill angezündet werden, auch das Motorgeräusch eines Rasenmähers könnte die Insekten aufschrecken. Ganz schlecht ist auch die Idee, das Nest mit einem Wasserschlauch zu bespritzen.

Hängt das Nest an einer problematischen Stelle, hilft oft eine einfache Absicherung, etwa ein Fliegengitter oder Perlenschnüre zur Wohnung hin. Haben sich die Hornissen allerdings eine Stelle für ihre Burg ausgesucht, die überhaupt nicht tolerierbar ist oder man selbst Allergiker ist, dann sollten die Betroffenen einen Hornissenspezialisten rufen. Wo man die findet, darüber geben die unteren Naturschutzbehörden am Landratsamt in Weißenburg (09141/902378) Auskunft.

Die Spezialisten beraten vor Ort und können mit behördlicher Erlaubnis, wenn es keine andere Abhilfe gibt, die Nester manchmal versetzen. Tatsächlich wurde deren Hilfe heuer bereits öfter angefragt, scheinbar war dieser Hitzesommer für die Hornissen ideal, war aus dem Landratsamt zu erfahren. 

Marianne Natalis Altmühl-Bote E-Mail

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