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1835 schrieb Nürnberg Medizingeschichte

Homöopathie kam im 19.Jahrhundert zum ersten Mal auf den Prüfstand - 04.10.2010 16:32 Uhr

Eine homöpathische Reise-Apotheke aus dem Jahr 1808, präsentiert von der Museumsleiterin Inge Streuber im Historischen Museum Köthen. © dpa


Ungeheuerliches geschieht um das Jahr 1830 im Königreich Bayern: Berichte über spektakuläre Heilerfolge mit einer neuen Behandlungsmethode machen die Runde. So vermeldet etwa der Bayerische Landbote: „I. Durchl. die Frau Fürstin von Thurn und Taxis, welche angeblich an einem Skirr (Verhärtung) des Magens leidet, und in Folge dessen schon so weit herabgekommen war, daß Sie von 4 Aerzten aufgegeben wurde, sich deßwegen nach Nürnberg verfügte, um von dem dortigen homöopatischen Arzt Dr. Reiter sich homöopathisch behandeln zu lassen, ist indessen in kaum zu erwartender Besserung so weit vorgerückt, daß Sie nun bereits seit 14 Tagen von allem Erbrechen, welches Sie vorher unaufhörlich quälte, befreit ist und schon eines blühenden Aussehens, trotz der fortgeführten magersten Diät, sich erfreut.“

Besagter „Dr. Reiter“ heißt eigentlich Reuter, Johann Jakob mit Vornamen, und praktiziert in der wohlhabenden fränkischen Metropole als einer von zwei ortansässigen Homöopathen. Auswärtige Patienten von hohem Rang gehen bei ihm ein und aus, darunter die Adlige Caroline Freifrau von Lindenfels, die sich

wegen der anhaltenden Kopfschmerzen ihrer Tochter Louise entschließt, den Herrn Doctor Reuter zu konsultieren. Ihrem Tagebuch vertraut sie an: „Das Benehmen des Doctors hat mir sehr wohl gefallen; er fragte so gründlich, seine Ansichten und Urtheile waren so richtig, daß er mir recht viel Zutrauen einflößte. Überdies sieht er selbst sehr gesund und heiter aus und zeigte sich über Tisch als einen sehr jovialen Mann.“

Eingetrübt wird Reuters Heiterkeit indes durch beständige Polemiken gegen seine Methode, welche auf der Behauptung des Arztes Samuel Hahnemann gründet, man könne die Wirkkraft von Arzneimitteln durch extrem starke Verdünnung steigern, indem so das eigentliche, immaterielle Wirkprinzip freigesetzt werde. Scharfe Repliken lassen nicht lange auf sich warten, und unter den Gegnern der Homöopathie tut sich besonders der Nürnberger Medizinalrat Friedrich Wilhelm von Hoven hervor.

Lesen Sie im zweiten Teil, warum der Streit über die Homöopathie auch im Jahr 2010 noch allgegenwärtig ist.

Bernd Harder E-Mail

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