Warenhaus-Romantik und Insolvenz-Kampf: Die Karstadt-Geschichte

17.7.2009, 12:47 Uhr
Karstadt
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Karstadt ist mehr als nur eine Warenhauskette. Karstadt ist Kulturgut, ein Stück deutsche Geschichte. Eine Geschichte mit Höhen und Tiefen, eine Geschichte mit Zwischentönen. Eine Geschichte zwischen Warenhaus-Romantik und Insolvenz-Kampf.

Wir blicken in Bildern auf die Karstadt-Geschichte zurück. © Tobias Lang

Gegründet wurde Karstadt in Wismar an der Ostseeküste. Damals war Handeln üblich, das Unternehmen aber ging einen anderen Weg. Mit günstigen Festpreisen expandierte Karstadt schnell. Noch heute erinnert ein Museum im Wismaerer Stammhaus an die Anfänge.
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Gegründet wurde Karstadt 1881 von Rudolph Karstadt in Wismar an der Ostseeküste. Damals war Handeln üblich, das Unternehmen aber ging einen anderen Weg. Mit günstigen Festpreisen expandierte Karstadt schnell, bezahlt wurde dort nur in bar. Noch heute erinnert ein Museum im Wismarer Stammhaus an die Anfänge. © dpa

Bis Karstadt aber in Nürnberg ankam sollte noch einige Zeit vergehen. An der Lorenzkirche eröffnete das Warenhaus am 16. Februar 1978.
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Bis Karstadt aber in Nürnberg ankam, sollte noch einige Zeit vergehen. An der Lorenzkirche eröffnete das Warenhaus am 16. Februar 1978. "Magnetfunktion", sagte der Einzelhandelsverband damals voraus. Er sollte Recht behalten. © Erich Guttenberger

Heute gehört die Filiale in der Nürnberger Innenstadt zu den umsatzstärksten des Konzerns. Ein echtes Schwergewicht, auch im deutschlandweiten Vergleich.
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Heute gehört die Filiale in der Nürnberger Innenstadt zu den umsatzstärksten des Konzerns. Ein echtes Schwergewicht, auch im deutschlandweiten Vergleich. "Wir sind einer der besten Standorte von Karstadt", behauptet etwa der Nürnberger Geschäftsführer Hansjörg Pointecker stolz. © dpa

karstadt
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Das erste Großstadt-Warenhaus in Deutschland wird 1912 ebenfalls von Karstadt gebaut, eine kleine Revolution. Die Filiale in der Hamburger Mönckebergstraße gehört heute zu den Aushängeschildern des Konzerns. Hier lassen sich etwa die Klitschkos für ihre Boxkämpfe wiegen. © dpa

Karstadt
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Gerade nach dem Zweiten Weltkrieg werden Karstadt und der Warenhaus-Boom zum Symbol für das Wirtschaftswunder. Während in den 40er-Jahren viele Filialen zerstört oder enteignet werden, avancierte Karstadt in der Nachkriegszeit zu einer Goldgrube. © dpa

Bei Karstadt geht es weiter, Karstadt ist aber noch nicht über den Berg.
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Doch schon lange läuft es nicht mehr problemfrei bei Karstadt. Die Chronik der Krise reicht Jahrzehnte zurück. © dpa

Karstadt
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Deutschland lernt das Einkaufszentrum zu lieben. Warenhäuser wie Karstadt? Ein vermeintliches Auslaufmodell. Allein in den letzten 20 Jahren hat sich der Bestand der Kaufhäuser halbiert. Das trifft auch den Karstadt-Konzern schwer. © Michael Matejka

Gehen auf Quelle bald erneut die Lichter aus? Für die Kunst- und Modeateliers, Werkstätten, Übungsräume sowie ein Ton- und Filmstudio wird nach Lösungen gesucht.
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1999: Karstadt fusioniert mit dem Quelle-Versandhaus aus Fürth. Ein echter Koloss wird geschaffen: 16,5 Milliarden Umsatz sind geplant, 116.5000 Mitarbeiter beschäftigt. Später wird die Aktiengesellschaft, die mittlerweile am Dax geführt wird, Arcandor heißen - und Pleite gehen. © Daut

Thomas Middelhoff.
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"Der Patient Karstadt liegt auf der Intensivstation", sagt Thomas Middelhoff unmittelbar nach seinem Amtsantritt. 2004 übernimmt er den Vorsitz der KarstadtQuelle AG, später Arcandor. Er gilt als Symbolfigur für die Karstadt-Krise bis 2009. © dpa

Karstadt-Investor Berggruen dementiert Verkaufsgerüchte.
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Arcandor geht Pleite, der Insolvenzverwalter und die Gläubigerversammlung stimmen allerdings dem Verkauf von Karstadt als Ganzes zu. Gerettet wird der Konzern mit seinen Dutzenden Filialen nur von ihm: Nicolas Berggruen, ein deutsch-amerikanischer Investor. © dapd

Er will Karstadt umstrukturieren, in Sporthäuser, Premiumhäuser und
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Berggruen will Karstadt umstrukturieren, in Sporthäuser, Premiumhäuser und "sonstige Warenhäuser". Doch aus den roten Zahlen kann er den Konzern auch nicht bringen: Verluste in Millionenhöhe bleiben. Am 16. Juli 2012 kündigt Karstadt die Streichung von 2000 Stellen an. © Sippel

Kann Karstadt endlich übernehmen: Nicolas Berggruen.
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Er kam als Heilsbringer, als Retter - und ging nur fünf Jahre später. Berggruen scheiterte mit seinen Umstrukturierungsmaßnahmen bei Karstadt. Es übernimmt ... © dapd

Signa-Gründer René Benko. Beim Poker um Kaufhof drängt Signa auf eine schnelle Entscheidung. Foto Signa Holding
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René Benko und seine Signa Holding. Er gilt als kühler Realist, als Rationalist. Als einer, der Karstadt wieder marktfähig machen kann - allerdings müssen dafür Köpfe rollen. Mit nur 37 Jahren ist Benko schon jetzt einer der größten Immobilienunternehmer in Österreich. © dpa

Die Gewerkschaft Verdi leistet erbitterten Widerstand gegen den harten Sparkurs des neuen Karstadt-Eigentümers Benko.
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Für nur einen, wohl eher symbolischen, Euro übernimmt Benko Karstadt. Berggruen zieht sich völlig zurück. © Martin Gerten (dpa)

Benko
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Rationalisiert wird bei Karstadt dann unter Benko relativ schnell. Im Oktober kündigt der Konzern an: sechs Häuser müssen schließen. Mindestens. Bis zu 240 Arbeitsplätze könnten nach Angaben des Betriebsrats betroffen sein. Die bayerischen Karstadt-Häuser bleiben allerdings vorerst verschont. Doch weitere Einschnitte sind schon angekündigt, zehn Standorte stehen auf dem Prüfstand. © André De Geare

Nürnberg , 29.05.2019
Ressort: Lokales  Wirtschaft Fotografie: Stefan Hippel
Karstadt Galeria Kaufhof , Kaufhof Filiale in der Königstraße
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2019 fusioniert Karstadt mit dem einstigen Erzrivalen Kaufhof. "Galeria Karstadt Kaufhof" heißt die neue Marke, mit der der Konzern nun um die Kunden wirbt. Besitzer ist die Signa Holding von Benko. Beobachter allerdings fragen sich sofort, was das für die Zukunft der einzelnen Standorte bedeutet. In vielen Städten - wie hier in Nürnberg - liegen die Häuser schließlich nicht weit auseinander. © Stefan Hippel

Karstadt Haupthaus Nürnberg FOTO: Verena Litz, Mai 2013
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Und tatsächlich: Im Frühjahr 2020 sickert durch, dass der Konzern um die 80 Filialen schließen will. Am 19. Juni dann die traurige Gewissheit für zahlreiche Mitarbeiter und auch die Kunden: Zwar konnte die Gewerkschaft Verdi die Streichliste in den Gesprächen mit dem Management auf maximal 62 reduzieren. Treffen soll es aber unter anderem die beiden Karstadt-Filialen in Nürnberg an der Lorenzkirche (Foto) und im Frankencenter.

Ressort: Lokal..Datum: 28.10.13..Foto: Edgar Pfrogner..Motiv: Protestkundgebung  bei Karstadt Nürnberg, Mitarbeiter protestieren wegen Tarifflucht
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Kampferprobt jedenfalls sind die Beschäftigten durch die vielen Krisen der vergangenen Jahre. Szenen wie diese mit protestierenden Karstadt-Mitarbeitern aus dem Jahr 2013 wiederholten sich immer wieder. Lokale Vertreter der Gewerkschaft Verdi kündigten bereits 2014 erbitterten Widerstand gegen Schließungspläne an. © Edgar Pfrogner

Nürnberg , am 09.07.2020..Ressort: Lokales Foto: Stefan Hippel ..Franken Einkaufszentrum, Kundgebung gegen Schliessung der Karstadt Filiale im Frankenzentrum, mit Grußworten des Bayerischen Wirtschaftsministers Hubert Aiwanger
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Mitte Juni 2020 kam dann die Hiobsbotschaft für 62 deutsche Karstadt-Filialen. Die Käufhäser sollten geschlossen werden, darunter auch die Geschäfte in der Nürnberger Innenstadt und im Franken-Center. Die Mitarbeiter, Vertreter der Gewerkschaft sowie der Wirtschaft und Politik setzten sich wochenlang für den Erhalt der Häuser ein. Bislang konnten zwölf Filialen von der Schließungsliste genommen werden. Darunter auch die beiden Nürnberger.  © Stefan Hippel

Im Ringen um Karstadt gibt Borletti nicht auf.
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Wie es mit Karstadt weitergeht? Die Zukunft der Warenhauskette bleibt zumindest gefährdet. Dass in den kommenden Monaten Ruhe einkehrt, ist kaum zu erwarten. © dpa