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In verschiedenen Zeitzonen

Bar, Restaurant und drei Hotels: Familienleben ist für die Horkas trotzdem wichtig - 19.02.2015 07:43 Uhr

Roman ist Barchef in „Die Rote Bar“, seine Eltern Stani und Libuse haben ein Herz für die italienische Küche und führen das „La Biscondola“ am Westfriedhof. Der große Bruder Robert ist Inhaber dreier Hotels in Nürnberg (v. l. n. r.).

18.02.2015 © Eduard Weigert


„Essen, Trinken, Schlafen, Party, das müsste auf unserer gemeinsamen Visitenkarte stehen“, beschreibt Robert Horka, der ältere Sohn, seine Familie. Fürs Essen stehen die Eltern, Libuse und Stani Horka, mit ihrem italienischen Restaurant „“ nahe dem Westfriedhof. Mit „Schlafen“ meint der 43-Jährige seine drei Hotels „Elch History“ und „Elch Boutique“ in der Irrerstraße sowie das „Merian Hotel“ am Unschlittplatz. Und der jüngere Bruder Roman ist für die Party verantwortlich — als Barchef in „Die Rote Bar“ im Wespennest.

Gastronomie im Blut

„Ja, die muss man schon im Blut haben, die Gastronomie“, sagt Vater Stani (65) und seine Frau Libuse (61) nickt. Vor 33 Jahren kam die Familie Horka aus dem tschechischen Karlsbad nach Nürnberg. In einem alten Skoda, mit den zwei Söhnen und zwei Koffern. Eigentlich wollten sie nach Kanada, aber irgendwie kam etwas dazwischen. „Deine Flugangst“, sagt Robert Horka und alle bis auf Vater Stani lachen. Der winkt unwirsch ab: „Blödsinn!“

Sie nehmen kein Blatt vor den Mund, wenn sie miteinander reden. Und streiten. „Wer sagt, dass es in seiner Familie nicht mal kracht, dem glaube ich nicht“, sagt Robert, der Wortführer. Bruder Roman lächelt still. Und müde. Sonst liegt er morgens um 11 Uhr noch im Bett, schläft sich nach der Nachtschicht in der Bar aus. Bis seine zwei kleinen Töchter ihn fordern. „Ich fühle mich gerade ein bisschen wie beim Jetlag“, sagt Roman. Darauf einen Kaffee aus der neuen Kaffeemaschine im „Hotel Elch Boutique“, das Robert und seine Frau Eva bis vor kurzem noch renoviert und umgebaut haben. „Schmeckt dir der Kaffee?“ Der kleine Bruder nippt und nickt. „Sehr gut!“

Es war ein großer Schritt damals, Karlsbad zu verlassen. Obwohl die Eltern gut verdienten. Aber Libuse und Stani Horka wollten ihren Söhnen mehr bieten. „Diese Zeit hat uns vier zusammengeschweißt“, sagt Robert. Ohne Großeltern, ohne Freunde, völlig auf sich gestellt in einer fremden Stadt. „Es war nicht leicht, aber 33 Jahre später sind wir alle vier stolz auf das, was wir aufgebaut haben“, sagt der Hotelinhaber.

Nur Vater Stani sprach damals Deutsch, die Söhne lernten es in der Schule. Heute sprechen sie miteinander Deutsch, nicht Tschechisch. Apropos sprechen: Mindestens zweimal täglich klingelt das Telefon, tauschen sich die Söhne und die Eltern miteinander aus oder besprechen Organisatorisches.

Obwohl sie alle nah beieinander in Thon leben, „leben wir in verschiedenen Zeitzonen“, ergänzt Roman Horka. „Die Jungen sagen uns jeden Tag am Telefon, dass sie uns lieben. Das ist wunderbar“, sagt Mutter Libuse gerührt. Und dies zeige ihr, dass den beiden ihre Familie sehr wichtig ist.

In Nürnberg übernahmen die Horkas schließlich 1984 die Vereinsgaststätte im Club am Marienberg (CaM) — ein Paradies für Kinder: „Nach der Schule sind wir sofort auf den Tennisplatz. Tennis war unser Leben“, sagt Robert.

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Zum Mittagessen gingen sie ins elterliche Restaurant und suchten sich aus der Karte ihr Lieblingsgericht aus. „Schnitzel“, sagt Robert Horka und Roman nickt. Schnitzel ist das Familien-Lieblingsessen, bis in die Generation der Enkel. Aber nur mit Mamas böhmischem Kartoffelsalat. Die Küche war damals „international“ ausgerichtet, ein Begriff, der heutzutage kaum mehr verwendet wird und irgendwie alles umfasst. Warum gab es keine tschechische Küche? Zu schwer, zu üppig, befinden die Eltern, die ihr Herz an die italienische Cucina verloren haben.

Klar halfen die Jungs in der Gaststätte. Und wurden schnell vom Gastro-Virus infiziert. Während die Eltern Vereinsgaststätten wie den „Golfclub am Reichswald“ oder in Abenberg führten, für ein paar Jahre in die Toskana und in den Schwarzwald zogen, absolvierten die Söhne eine klassische Ausbildung zum Restaurantfachmann.

Beide lernten im Nürnberger „Grand Hotel“, Robert setzte noch eine Ausbildung in der Systemgastronomie drauf und Roman tauchte ein ins Nürnberger Nachtleben. „Mir hat es schon im ,Grand Hotel’ am besten hinter der Bar gefallen“, sagt er. Seit rund fünf Jahren ist er der Chef der Roten Bar. „Und Roman ist einer der zehn besten Barkeeper!“, ruft Robert, während die Eltern eifrig und stolz nicken. „Quatsch“, kontert Roman bescheiden, „ich arbeite in einer der zehn besten Bars!“

Eigentlich wollten Robert und seine damals schwangere Frau Eva vor 15 Jahren nach Starnberg gehen. Doch dann wurde ihnen das „Hotel Elch“ angeboten und sie griffen zu. „Wir entschieden uns, vor Ort zu bleiben, das macht es mit Kindern einfacher.“ Auch, weil die künftigen Großeltern ja in der Nähe leben.

Das Hotel ist mittlerweile das dritte Kind von Eva und Robert Horka. Da tickt das Ehepaar gleich. Eva und Robert haben Spaß daran, sich neue Marketingstrategien zu überlegen oder ausgiebig über Wandfarbe und Bettüberwürfe in den knapp 50 Zimmern der drei Hotels zu diskutieren. Die Eltern haben sich dagegen ihren Traum mit dem „La Biscondola“ im vergangenen Jahr erfüllt: Stani steht am Herd, Libuse bedient. Am Sonntag ist Ruhetag und „wir können endlich mal drei Wochen am Stück Urlaub machen“, sagt Libuse Horka. Sie sind in Nürnberg angekommen. Für immer.

Mehr Informationen in unserer Rubrik Essen und Trinken!

Hier geht es zum Familienrezept.

Katja Jäkel

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