Modellpflege für den Mini

31.5.2021, 14:29 Uhr
Geschwärzt: Kühlergrill und Scheinwerfer verabschieden sich vom Chromzierrat.

Geschwärzt: Kühlergrill und Scheinwerfer verabschieden sich vom Chromzierrat. © Hersteller

Der Mini wird 20. Erst??? Nun ja, nicht ganz. Tatsächlich hat die British Motor Corporation (BMC) schon im Sommer 1959 ein drei Meter kurzes Kästchen auf winzigen 10-Zoll-Rädern ans Licht der Öffentlichkeit geschoben, mit knappen Karosserieüberhängen und einem quer eingebauten Frontmotor unter der Haube. Die Legende will wissen, dass Sir Alec Issigonis seine ersten Mini-Entwürfe auf eine Serviette oder eine Tischdecke gekritzelt hat.

Kaum ahnen konnte er, welch fulminante Karriere seiner Schöpfung bevorstehen würde. Der Mini wurde zur Ikone, erst im Herbst 2000 senkte sich der Vorhang – aber nur, um sich schon ein Jahr später wieder zu heben und die Sicht auf ein komplett neues Modell freizugeben, das unter der Ägide von BMW entstanden war. 1994 hatten die Bayern den britischen Hersteller Rover übernommen - eine unglückliche Ehe, die bald wieder geschieden wurde. In weitsichtiger Erkenntnis des Kult-Potenzials behielt BMW aber das Sorgerecht für die Marke Mini. 2001 ist das gewesen. Und deshalb: Geburtstag!

So segensreich es ist, eine Legende im Portfolio zu führen, so heikel kann das auch werden. Der Balanceakt besteht darin, den Charakter des Kultgefährts so unverfälscht wie möglich zu bewahren, gleichzeitig aber auch darauf zu achten, dass weder Technik noch Design plötzlich alt aussehen. "Eine spannende Aufgabe", sagt Chefdesigner Oliver Heilmer: "Was behält man, was denkt man neu?".

Serie statt Option: Heckleuchtengrafik mit Union-Jack.

Serie statt Option: Heckleuchtengrafik mit Union-Jack. © Hersteller

Schwarz statt Chrom

Beim aktuellen Mini-Relaunch entschloss man sich, das Motto "Purify" walten zu lassen. Weg mit Chichi aus Chrom also, her mit klaren Stilelementen in Schwarz, die beispielsweise das klassische Oval der Scheinwerfer einfassen, aber auch das vergrößerte Hexagonal des Kühlergrills. Erkennen dürften die Modifikationen zwar nur Experten des Metiers Mini. Trotzdem macht das Facelift was mit dem Dreitürer, Fünftürer und Cabrio, das Trio sieht tatsächlich eine ganze Ecke moderner aus.

Gibt es nur bei Mini: Das neue Multitone-Dach.

Gibt es nur bei Mini: Das neue Multitone-Dach. © Hersteller

Blick aufs Heck: Für die schicke Union-Jack-Grafik der Leuchten musste man bislang Extra-Geld hinblättern, jetzt zeigen die Minis sie ihrem Hintermann serienmäßig. Das neue Multitone-Dach hingegen kostet 700 Euro Aufpreis; der Farbverlauf ergibt sich mithilfe einer speziellen Technik, bei der drei Farbtöne nacheinander aufgetragen werden. "Durch die Nass-in-Nass-Lackierung entstehen leichte Unterschiede in den Farbübergängen", erklärt Oliver Heilmer, jedes Dach sei also ein Unikat.

Fahrerdisplay für alle

Auch im Interieur wurde "purifiziert", sofern das bei einem Mini überhaupt möglich ist – die Kippschalterchen ("Toggle Switches") sind schließlich ebenso stilprägend wie das kreisrunde Zentralinstrument im sprichwörtlichen Pizzateller-Format. Dass auch hier der Chromzierrat wegfällt, verleiht dem Interieur aber mehr ernsthafte Premium-Attitüde; ein Sport-Lederlenkrad ist jetzt Serie, das 5-Zoll-Fahrerdisplay aus dem elektrischen Mini Cooper SE kann nunmehr für alle Modelle bestellt werden, es gibt eine modernere und schönere Digitalgrafik, und der Inhalt des zentralen Rundinstruments lässt sich bequem mittels Wischen à la Smartphone bestücken. Umrandet wird der "Pizzateller" übrigens von einem lasergravierten LED-Lichtring, der je nach Fahrprogramm oder gewählter Temperatur in wechselnden Farben strahlt.

Blick ins Cockpit: Digitales Fahrerdisplay und Lasergravur-Leuchtring um den

Blick ins Cockpit: Digitales Fahrerdisplay und Lasergravur-Leuchtring um den "Pizzateller". © Hersteller

Ansonsten hat sich technisch nicht viel geändert, sieht man einmal vom verbesserten Adaptivfahrwerk mit neuer, frequenzselektiver Dämpfertechnologie ab und davon, dass alle Motoren jetzt die Abgasnorm Euro 6d erfüllen. Einstiegstriebwerk ist der 1,5-l-Dreizylinder mit 55 kW/75 PS im Mini One First und im Mini One. Eine Hierarchiestufe weiter oben positioniert sich der Cooper, hier macht der Dreiender 100 kW/136 PS mobil. Die nächste Leistungsstufe markiert der Cooper S mit 131 kW/178 PS starkem Zweiliter-Vierzylinder. Und der stärkste Mini bleibt der John Cooper Works, dessen Zweiliter-Vierzylinder 170 kW/231 PS freisetzt.

Stromern geht auch sportlich

Alle Welt spricht von Elektromobilität, und so haben wir für eine erste Ausfahrt im modifizierten Mini den Cooper SE gewählt, der eine Sonderstellung im Programm einnimmt. 135 kW/184 PS leistet er, das ist nicht von Pappe. Und weil die 270 Newtonmeter Drehmoment ab der ersten Umdrehung anliegen, reagiert der Elektriker unter den Minis ziemlich zackig auf den Druck aufs Fahrpedal; am Stammtisch kann sein Fahrer von einem 0-100-Sprint berichten, der binnen flitziger 7,3 Sekunden erfolgt. In der Spitze wird der Cooper SE bei 150 km/h eingebremst, mehr Speed würde der Reichweite nicht gut tun. Forsch und punktgenau lenkt der Stromer ums Eck – spaßig-sportliches Fahren, das geht auch elektrisch.

Mini auf Elektro-Trip: Der Cooper SE fährt ausschließlich mit Strom.

Mini auf Elektro-Trip: Der Cooper SE fährt ausschließlich mit Strom. © Hersteller

In der Stadt spielt der SE sein Rekuperationsvermögen aus, gesteuert wird es über einen der Toggle-Switches. In der stärkeren der beiden Stufen fällt die Verzögerungswirkung so intensiv aus, dass das Bremspedal kaum mehr bemüht werden muss.

Allerdings bleibt es dabei, dass die Lithium-Ionen-Energie mit ihrem Bruttoenergiegehalt von 32,6 kWh schon nach Norm nur für 203 bis 234 Kilometer Reichweite gut ist, der geringe Aktionsradius ist leider ein Manko.

Weniger Geduld erforderlich

Die Preisliste weist für den Mini Cooper SE 32.500 Euro aus. Der kundige Elektroautokäufer setzt hier sofort den Rotstift an, subtrahiert 9570 Euro Umweltbonus und errechnet 22.930 Euro. Hört sich schon freundlicher an und entspricht in etwa dem, was der Cooper-Benziner kostet, allerdings in dreitüriger Ausführung. Die Lieferfristen für den SE, sagt Mini-Sprecher Julian Kisch, hätten sich inzwischen reduziert, vier bis fünf Monate betrage die derzeitige Wartezeit.

Mini John Cooper Works Cabrio: Luftikus mit 231 PS.

Mini John Cooper Works Cabrio: Luftikus mit 231 PS. © Hersteller

Als einziger Mini bleibt der dreitürige One First unter der 20.000-Euro-Grenze, er kommt auf 19.500 Euro. Teuerstes Modell im Portfolio ist das John Cooper Works Cabrio zu 37.200 Euro.

Das nächste Kapitel der Mini-Geschichte wird ungefähr ab dem Jahr 2023 geschrieben – und teilweise in chinesischen Schriftzeichen. Denn: Die kommende Generation Mini entsteht unter Beteiligung des Kooperationspartners Great Wall aus Baoding.

Ulla Ellmer

Überblick: Mini 3-Türer, 5-Türer und Cabrio

Wann sie kommen: Der Marktstart ist bereits erfolgt

Wen sie ins Visier nehmen: Premium-Kleinwagen wie den Audi A1, aber auch elektrische Lifestyler wie den Honda e.

Was sie antreibt: Drei- und Vierzylinder-Benziner zwischen 55 kW/75 PS und 170 kW/231 PS. Elektromotor mit 135 kW/184 PS

Was sie kosten: Mini One First 3-Türer ab 19.500 Euro. Mini Cooper SE ab 32.500 Euro.