Gespenstisch

Lost Places in der Region: An diesen Orten wird Franken zur Geisterkulisse

Susanne Helmer
Susanne Helmer

Kulturredaktion

E-Mail

28.9.2022, 11:16 Uhr

Manchmal ist es eine Industriebrache, manchmal eine nicht mehr genutzte Brücke, manchmal ein verfallenes Schloss. Gemeinsam ist den Lost Places, dass ihnen die Ästhetik des Niedergangs innewohnt.

„Warum steht das leer? Rumlaufen und gucken: Was ist noch da? Zettel an den Wänden, Klamotten liegen rum. Wenn da noch so Sonnenlicht reinkommt von der Seite, weil die Fensterscheiben zerschlagen sind – ganz toll." So beschrieb die Fürther Fotografin Katja Gehrung im Gespräch mit dem Wochenmagazin der Nürnberger Nachrichten und der Nürnberger Zeitung, was sie an Lost Places so fesselt.

Fotografen halten den Verfall fest

Sie gehört zu den wenigen Fotografinnen und Fotografen, die ihre Aufnahmen nicht menschenleer lassen. Sie inszeniert sich auf ihnen selbst - stets mit Maske (was übrigens nichts mit der Corona-Pandemie zu tun hat).

Während Gehrungs Anspruch ein künstlerischer ist, geht Benedikt Grimmler aus dem oberfränkischen Stadtsteinach eher dokumentarisch vor. Mit "Lost & Dark Places Franken" (Bruckmann Verlag) hat er einen Reiseführer vorgelegt, mit dessen Hilfe man "33 vergessene, verlassene und unheimliche Orte" entdecken kann. Nicht nur Lost Places also, sondern auch solche, die einen das Fürchten lehren.

Lost Place in Oberfranken: Die Weiße Frau

"Dark Tourism" nennt man das, und wer Grimmlers Bildern und Texten folgt, kann auf Tour gehen zum Sägewerk in Markt Bibart (Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim) etwa, zum alten Quelle-Versandhaus in Nürnberg oder sich auf ein Rendezvous mit der Weißen Frau einlassen - die sich an ziemlich vielen Orten rumtreibt, auf Burg Lauenstein in Oberfranken zum Beispiel oder auch in Kulmbach.

Auch die Ambergerin Nina Schütz liebt den Verfall. Sie hat zwei Bildbände veröffentlicht, der eine zeigt verlassene Orte in der Oberpfalz, der andere in Franken (beide erschienen im Sutton Verlag), wo sie etwa ein Kinderheim bei Wunsiedel und das alte Volksbad in Nürnberg besucht hat.


Stillgelegt und verfallen: Lost Places mitten in Franken


Wer die Fotos von Jörg Schleicher aus Hof sehen wollte, der konnte vor dem Lockdown das Fränkische Museum Feuchtwangen besuchen. "Lost Places - Die Magie verlassener Orte" heißt die Ausstellung.

Lost Places bitte nur mit Erlaubnis besuchen

Weil das Museum derzeit geschlossen ist, stellt hat das Haus auf seiner Website eine Videoführung zur Verfügung, in der Jörg Schleicher über seine Arbeit und Hintergründe zu den Fotos berichtet. Außerdem ist eine Verlängerung der Schau, die ursprünglich bis 13. Dezember 2020 laufen sollte, geplant.

Übrigens: Nicht jeder "Lost Place" ist öffentlich zugänglich. Und man sollte auch wirklich nur die besuchen, bei denen es erlaubt ist beziehungsweise bei denen man sich die Erlaubnis des Besitzers eingeholt hat - und alle anderen höchstens von außen oder aus der Ferne bewundern. Oder sich halt einfach mit dem Betrachten der Fotos begnügen...

Verwandte Themen


3 Kommentare