Nach dem großen Andrang vor einigen Wochen

Interesse an Impfung gesunken: Auch in der Region werden wieder Impfdosen weggeworfen

17.1.2022, 18:30 Uhr
Impfwillige in Bayern bevorzugen das Vakzin von Biontech, sodass oftmals Dosen von Moderna weggeworfen werden müssen.

© Athina Tsimplostefanaki Impfwillige in Bayern bevorzugen das Vakzin von Biontech, sodass oftmals Dosen von Moderna weggeworfen werden müssen.

Vor einiger Zeit wäre diese Meldung undenkbar gewesen. Seitdem Ende 2020 in Deutschland die ersten Corona-Impfungen an Hochbetagte verabreicht worden waren, hatten Jüngere sehnsüchtig darauf gewartet, dass auch sie an die Reihe kämen. Das Interesse an einer Immunisierung war riesig, der Impfstoff heiß begehrt. Ende November 2021 mussten Menschen sogar abgewiesen werden, weil nicht genügend Impfstoff zur Verfügung stand.

Mittlerweile klaffen Angebot und Nachfrage so weit auseinander, dass Impfstoff abläuft, damit unbrauchbar wird und entsorgt werden muss. Das ist auch in der Region der Fall.

So musste vor einer Woche in der Impfstation in der Stadthalle von Gunzenhausen Impfstoff von Moderna weggeworfen werden. Der Betreiber der Station, das Medizinische Versorgungszentrum Altmühlfranken - eine Tochter des Klinikum Altmühlfranken -, hatte einige Wochen zuvor eine große Lieferung dieses Vakzins erhalten. "Es stellte sich aber heraus, dass die Impftermine mit Moderna wesentlich schlechter angenommen wurden, als diejenigen mit Biontech", berichtet Christoph Schneidewin, Vorstand des Klinikum. Die Folge: Der Impfstoff blieb übrig.

"Wir haben versucht, diesen an das Impfzentrum oder die niedergelassenen Ärzte weiterzugeben", sagt er. Weil diese keinen Bedarf hatten, musste das Vakzin weggeworfen werden.

Hausärzte nehmen Biontech ab

Auch im Nürnberger Impfzentrum kommt nicht jeder Impfstoff gegen Covid19 zum Einsatz. Immer wieder wird das Vakzin von Moderna und Johnson & Johnson entsorgt, berichtet der Bayerische Rundfunk. Bei Biontech verhält es sich anders, denn der übriggebliebene Impfstoff wird von Hausärzten abgenommen. Dies waren in den vergangenen Wochen etwa 400 Fläschchen.

"Impfstoffverwurf lässt sich nicht vermeiden", sagt etwa Klaus Meyer von der Arbeitsgemeinschaft Notfallmedizin Fürth, die das Impfzentrum für die Stadt und den Landkreis Fürth betreibt. Hauptgrund sei die schlechte Planbarkeit.

Weil Biontech nicht verfügbar war, bestellte das Impfzentrum Moderna. Welche Menge letztendlich zum Impfzentrum geliefert wird, ist nicht absehbar, schildert Meyer. Er beschreibt dies als "völligen Blindflug". Erschwerend komme hinzu, dass man auch nicht wüsste, wie lange der bestellte Impfstoff noch haltbar sei. Vor zwei Wochen erhielt das Impfzentrum Impfstoff, der nur noch eine Woche verimpft werden konnte.

Impftermine werden nicht eingehalten

Ein weiteres Problem: 10 bis 15 Prozent der Menschen, die einen Impftermin vorab ausmachen, erscheinen nicht. Den Impfstoff an niedergelassene Ärzte weiterzugeben, ist laut Meyer keine Option. Diese hätten Moderna im "Überfluss".

Damit im Forchheimer Impfzentrum kein Vakzin in der Tonne landen muss, tauscht sich dieses mit niedergelassenen Ärzten aus. "Wir haben immer wieder Anfragen von den Kollegen", sagt der Leiter der Einrichtung, Sebastian Weiß. Aber auch anders herum funktioniert der Austausch - etwa wenn sich der Impfstoff, den ein Haus- oder Betriebsarzt bestellt hat, dem Verfallsdatum nähert.

Zudem wird versucht, vorausschauend zu planen, dass möglichst wenig Impfstoff entsorgt wird. "Vor drei Wochen haben wir noch die fünffache Menge von dem, was wir heute bestellen, geordert", erklärt Weiß. Im Vergleich zu der Situation vor vier Wochen hat der Andrang nachgelassen.

Das Impfzentrum des Landkreises Weißenburg-Gunzenhausen meldet die vorhandenen Impfstoffmengen wöchentlich an die Regierung von Mittelfranken inklusive Verfallsdatum. Anhand dieser Listen wird dann eine Übersicht erstellt für alle Impfzentren. So ist einsehbar, wieviel Impfstoff in den jeweiligen Impfzentren vorhanden ist und wieviel an andere Impfzentren abgegeben werden kann. Dieses System habe sich sehr gut bewährt, heißt es aus dem Landratsamt.

"Da leider der Impfstoff von Moderna deutlich weniger nachgefragt wird, ist es auch im Impfzentrum in Weißenburg schon vorgekommen, dass abgelaufene Dosen vernichtet werden mussten", teilt das Landratsamt ebenfalls mit.