Absage und Abgang des Intendanten

Das Aus für den Fränkischen Sommer 2021 wirft viele Fragen auf

30.6.2021, 16:18 Uhr
Abgang ohne Musik: Eines der PR-Fotos für den Fränkischen Sommer entfaltet nach der kurzfristigen Absage des Festivals nun eine ganz andere Wirkung.

Abgang ohne Musik: Eines der PR-Fotos für den Fränkischen Sommer entfaltet nach der kurzfristigen Absage des Festivals nun eine ganz andere Wirkung. © FRANK BOXLER

Großer Flurschaden beim Fränkischen Sommer: Vier Tage vor der Eröffnung am 2.Juli wurde das diesjährige Festival komplett abgesagt. Gleichzeitig gab der Bezirk Mittelfranken als Veranstalter bekannt, dass der Intendantenvertrag mit Julian Christoph Tölle, er ist seit 2012 der künstlerische Kopf des Festivals, zum 30. Juni vorzeitig aufgehoben wird.

Gesundheitliche Gründe machten es Tölle unmöglich, das Festival im Jahr 2021 durchzuführen, hieß es in der Mitteilung. Es wurden aber auch bereits in der Vergangenheit bestehende „Differenzen bei der Zusammenarbeit auf persönlicher Ebene“ erwähnt.

Chorleiter, Dirigent, Musikwissenschaftler und akademischer Lehrer: Julian Christoph Tölle hat den Fränkischen Sommer seit dem Jahr 2012 geleitet.

Chorleiter, Dirigent, Musikwissenschaftler und akademischer Lehrer: Julian Christoph Tölle hat den Fränkischen Sommer seit dem Jahr 2012 geleitet. © Frank Boxler

Zum Inhalt dieser Differenzen und der daran beteiligten Personen, wollte man beim Bezirk nichts sagen. Auch Tölle selbst, der 54-jährige Musikwissenschaftler, Dirigent, Chorleiter und Akademische Direktor an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Nürnberg, war für uns nicht für eine Nachfrage erreichbar. Vermutlich gibt es zwischen beiden Parteien - Tölle und Bezirk - eine Sprachregelung bzw. eine Absprache, nichts zu sagen. Die Auflösung des Vertrages sei „in beiderseitigem Einvernehmen“ erfolgt, betonte Wolf Dieter Enser, der Pressesprecher des Bezirks.

Die Wellen, die die Absage schlägt, werden den Bezirk jedoch länger beschäftigen. In den nächsten zwei bis drei Wochen müssen alle Kartenverkäufe rückabgewickelt werden, ebenso geht es um Entschädigungen bzw. Ausfallhonorare für die vielen Künstlerinnen und Künstler der bis zum 19. September geplanten 50 Veranstaltungen.

Im Herbst nach der Sommerpause werde beim Bezirk dann über eine eventuelle Neuausrichtung entschieden. Zentral sei dabei die Frage, ob und in welcher Form eine neue Intendantin oder ein neuer Intendant gesucht werde. Enser betonte, dass die Existenz des aus den Mitteln der Mittelfrankenstiftung finanzierten Festivals als solches nicht zur Debatte stehe.

Die Instrumente müssen schweigen, das Festival Fränkischer Sommer 2021 wurde kurzfristig abgesagt.

Die Instrumente müssen schweigen, das Festival Fränkischer Sommer 2021 wurde kurzfristig abgesagt. © FRANK BOXLER

Doch natürlich fragen sich die vielen Menschen, die bereits die Karten für die größtenteils ausverkauften Konzerte erworben haben, wieso man den komplett durchorganisieren Festivaljahrgang nicht auch ohne Intendant durchführen kann?

Andrea Kluxen, die Kulturreferentin und Bezirksheimatpflegerin des Bezirks Mittelfranken, sagt dazu, dass der bisherige Intendant Tölle nicht nur bei zehn der fünfzig Veranstaltungen als beteiligter Künstler mit auf der Bühne gestanden wäre, sondern vor allem auch komplett für die Organisation und Durchführung der einzelnen Veranstaltungen des Fränkischen Sommers verantwortlich sei.

„Wir haben das quasi komplett outgesourct“, so Kluxen, im Bezirk sei man nur für Belange der Finanzierung und Verwaltung zuständig und habe darüber hinaus viel zu wenig Personal, um solch ein komplexes Festival zu stemmen.


Das waren die ursprünglichen Pläne für den Fränkischen Sommer 2021


Diese Struktur sei auch historisch gewachsen. Schon Tölles Vorgänger Wolfgang Riedelbauch habe das Festival auf eigene Faust organisiert und durchgeführt, bei Tölle sei es ähnlich: „Er hat eine komplettes Team aus Helferinnen und Helfern zur Verfügung“.

Ob man diese Form der Organisation nach den jüngsten Vorkommnissen und der offensichtlich unvermeidlichen kurzfristigen Absage des Festivals in dieser Form beibehalten wolle, sei eine der wichtigen Fragen, die man bei der Diskussion über die Neuaufstellung des Festivals diskutieren müsse, so Kluxen.

Den Beteiligten ist eine gute und tragfähige Lösung zu wünschen. Hinter vorgehaltener Hand hört man, dass es just jene knappe personelle Unterstützung durch den Bezirk war, der den aktuellen Konflikt hochkochen und eskalieren ließ. Der Fränkische Sommer aber darf deswegen nicht ausdorren.

Nach den langen Monaten der kulturellen Corona-Dürre schmerzt die plötzliche Absage eines für die Region nicht kleinen Festivals (6000 Besucher in 25 Veranstaltungen waren es 2019) umso stärker.

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