Neue KuF-Chefin: Menschenrechte, Nachhaltigkeit und ein Ohr für die Stadtteile

1.4.2021, 15:00 Uhr
Winderprobt: Annekatrin Fries wird im Juni in Nürnberg neue Chefin vom KuF.

Winderprobt: Annekatrin Fries wird im Juni in Nürnberg neue Chefin vom KuF. © Roland Fengler

"Ich bin winderprobt", sagt Annekatrin Fries – und bezieht das nicht nur auf ihre Leidenschaft fürs Fahrradfahren. Zur Fußball-WM 2006 hatte sie im Auftrag des Kulturreferats das Nürnberger Kunstprogramm verantwortet. Und dabei hautnah erlebt, wie der Sturm der Entrüstung wegen des "Stuhlturms" am Schönen Brunnen aufzog. Davor und danach war Fries in diversen, ganz unterschiedlichen Bereichen bei der Stadt tätig. Jetzt übernimmt sie – als Nachfolgerin des in den Ruhestand gegangenen Jürgen Markwirth – die Leitung des Amtes für Kultur und Freizeit. Ein echter Karriereschritt.


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Für etwa 140 Mitarbeiter und einen Etat von knapp 15 Millionen Euro ist die Nürnbergerin künftig verantwortlich. Und für eine breit aufgestellte Dienststelle. Zum Amt für Kultur und Freizeit, kurz KuF, gehören elf Kulturläden, das Erfahrungsfeld zur Entfaltung der Sinne, die Musikschule, das InterKulturBüro, der KinderKunstRaum und die Deutsche Akademie für Fußball-Kultur. Da schließt sich auch wieder der Kreis zum WM-Spektakel.

Antenne der Stadtteile

"Im KuF entsteht Zukunft", sagt Fries. Sie versteht es als "Antenne in die Stadtteile", will die dezentrale Kulturarbeit stärken und damit das Miteinander der Gesellschaft. Menschenrechte, Demokratie und die Angriffe darauf sind für sie ein wichtiges Handlungsfeld und natürlich das "Megathema Nachhaltigkeit", das ganz besonders der jungen Generation auf den Nägeln brennt. Diese Themen will sie schärfen.

Das KuF soll unter ihrer Leitung noch stärker hineinhören in die Stadtteile, kulturelle Bildung vermehren, Angebote zum Mitmachen ausbauen und Kultur noch intensiver auf die Straße, also zu den Menschen bringen. Übung dabei hat Annekatrin Fries unter anderem durch Dürer.

Jahrelang hat sie die Veranstaltungen zur Dürer-Stadt verantwortet – initiierte zum Beispiel das Dürer-Puzzle, das die "Junge Venezianerin" in 1700 Teile zerlegte und auf 300 Quadratmeter aufblies. Das XXL-Puzzle ist durch viele Städte getourt, machte unter anderem auch in Moskau Station. Gewissermaßen ein Heimspiel für die Ober-Puzzlerin, die neben Amerikanistik und Theaterwissenschaften auch Slawistik studiert hat und Russisch spricht.

Ihren Dienst bei der Stadt hatte sie 1993 dann passenderweise auch im Amt für Internationale Beziehungen angetreten. Oberbürgermeister Peter Schönlein machte sie danach zu seiner persönlichen Referentin. "Das war eine lehrreiche Zeit für mich", sagt die 56-Jährige, die mit dem Fotografen Christian Höhn verheiratet ist und zwei Kinder im Studentenalter hat. Sie habe im Oberbürgermeisteramt gelernt, wie man Projekte entwickelt und aufs Gleis setzt – zum Beispiel den Menschenrechtspreis. Ein Thema, dem sie nun durch die Koordination des Integrationsprogramms der Stadt, das im KuF angesiedelt ist, wieder sehr nahe kommt.

"Ich habe mich in meinem Berufsleben schon in viele Fachgebiete eingearbeitet", sagt Fries. Zum Beispiel bei den Museen. Dort wurde sie nach ihrer Assistenz beim Stadtoberhaupt Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit – in einer Zeit, als das Dokuzentrum und das Memorium Nürnberger Prozesse erst langsam Formen annahmen. Nächster Schritt war ihr Job als stellvertretende Leiterin des Projektbüros für Großveranstaltungen.


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Was sie da gelernt hat? "Alles über Tattoostudios", sagt sie lachend zu ihrem Ansatz, ungewöhnliche Allianzen zu schmieden, und erinnert an die Ausstellung zu Dürers "Betenden Händen". Die sind nun einmal eines der beliebtesten Motive, das sich Menschen in die Haut stechen lassen. Recherche vor Ort war da unerlässlich – und wurde von ihr, wie immer wenn das möglich ist, mit dem Fahrrad erledigt. Die vergangenen zwei Jahre hat sich Annekatrin Fries um das Reichsparteitagsgelände gekümmert, hat im Auftrag der Kulturbürgermeisterin ein Konzept vorgelegt, wie Zeppelintribüne und Zeppelinfeld zum Lern- und Begegnungsort werden können. Von einem "begehbaren Geschichtsbuch" spricht sie dabei gerne.

Respekt, Elan und Vorfreude

Eine "leere Seite" darin ist die riesige Kongresshalle. Deren Erschließung für die Kultur war bekanntlich ein zentraler Punkt in der von Büroleiter Hans-Joachim Wagner verantworteten Bewerbung Nürnbergs als Kulturhauptstadt 2025. Auch dafür hat Fries als Leiterin der Stabsstelle Ehemaliges Reichsparteitagsgelände/Zeppelintribüne und Zeppelinfeld ein Konzept erarbeitet. "Die bauliche Machbarkeitsstudie zeigt, dass es sehr gut möglich ist, dort Kunst und Kultur einziehen zu lassen", sagt sie und betont dabei immer wieder: "Das alles ist Teamarbeit."

Darauf setzt sie auch künftig. Ihren neuen Posten im KuF tritt Fries am 1. Juni an. Voller Respekt, Elan und Vorfreude: "Mit Herausforderungen bin ich vertraut."

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