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Sonntag, 21.07.2019

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Nürnberg: Deutscher Bühnenverein sorgt sich um rechte Einflussnahme

Im Staatstheater findet die Jahreshauptversammlung statt - 14.06.2019 10:41 Uhr

Ulrich Khuon, Präsident des Deutschen Bühnenvereins, zeigt sich besorgt über rechte Einflussnahme in die Welt des Orchesters und Theaters. © Paul Zinken, dpa


Um 9 Uhr an diesem Freitag wurde die Jahrestagung des Deutschen Bühnenvereins am Nürnberger Staatstheater offiziell eröffnet. Sie befasst sich mit kontroversen Themen, in diesem Jahr stehen Rechtspopulismus, Missbrauchsstrukturen an den Bühnen und eine bessere Frauenförderung als Diskussionspunkte auf dem Programm. Die Kulturreferentin Julia Lehner, Intendant Jens-Daniel Herzog, Bühnenvereinspräsident Ulrich Khuon und der Kunstminister Bernd Sibler (CSU) eröffneten die Jahreshauptversammlung, heute und morgen kommen im Staatstheater Nürnberg rund 250 Intendanten, Kulturpolitiker und Verwaltungsdirektoren zu internen Gremiensitzungen und Fortbildungen zusammen.

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Der Deutsche Bühnenverein warnt explizit davor, die Programmgestaltung der Theater ideologisch zu instrumentalisieren. Seit dem Aufstieg der Rechtspartei AfD würden Kunstbetriebe zunehmend beschuldigt, politische Positionen der aktuellen Regierung zu vertreten, sagte Bühnenvereinspräsident Ulrich Khuon vor der Jahrestagung. "Dabei ist es doch gerade die Neue Rechte, der ein unkritisches Gesinnungstheater, ein völkisches, nationalistisches Theater als Ideal vorschwebt", sagte Khuon. Neben Störaktionen sogenannter identitärer Gruppen werde versucht, über die Kürzung der Budgets Einfluss auf die Arbeit der Bühnen zu nehmen.

Mehr Frauen in Führungspositionen

Weitere Schwerpunkte der Tagung sind Macht- und sexueller Missbrauch an Bühnen und in Orchestern. Außerdem gehe es darum, mehr Führungspositionen mit Frauen zu besetzen. Der Bühnenverein setze sich für Geschlechtergerechtigkeit und die Stärkung von Frauen in Leitungspositionen ein, betonte Khuon. Zwar sei deren Anteil in den Führungsetagen der Theater und Orchester in den vergangenen 30 Jahren von einem Prozent auf etwa 22 Prozent gesteigert worden. "Aber das ist zu langsam", sagte der Vereinschef. "Ich befürchte, dass erst eine Quote den nötigen Druck für eine nachhaltige Veränderung erzeugt." Jedoch seien die meisten Bühnen in staatlicher und städtischer Trägerschaft und deshalb nicht an die Vorgaben des Bühnenvereins gebunden.

Zum Thema Macht- und sexueller Missbrauch sagte Khuon, in der Theater-, Film- und Fernsehbranche seien Beschäftigte besonderen Rahmenbedingungen ausgesetzt. Befristete Projekte und von Abhängigkeit und Nähe bestimmte Anbahnungsphasen für ein Engagement seien anfällige Strukturen für missbräuchliches Verhalten. "Wir arbeiten aber an der Verbesserung dieser Strukturen", betonte er. Ziel sei eine gewalt- und angstfreie Arbeitskultur.


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Neben einem auf der vergangenen Hauptversammlung beschlossenen Verhaltenskodex zur Prävention von sexuellen Übergriffen und Machtmissbrauch sei in der Branche eine unabhängige Vertrauensstelle für Opfer solchen Verhaltens geschaffen worden.

Der Deutsche Bühnenverein ist der Interessen- und Arbeitgeberverband von rund 470 Theatern, Opernhäusern und Orchestern. Außerordentliche Mitglieder sind die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten. 

dpa

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