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Schulmedizin versus Naturheilkunde: Der neue "Tatort" aus Wien

Kabarettreife Dialoge und ein hochemotionales Thema - 24.10.2020 12:34 Uhr

Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) sind auf der Suche nach der Mutter des toten Kindes. Sie ist, so glauben die beiden, auf einem Rachefeldzug.

23.10.2020 © Anjeza Cikopano


Normalerweise sagt man ja dem "Polizeiruf 110" nach, dass er gesellschaftliche Themen sehr viel stärker aufgreift als der "Tatort". Doch die Wiener "Tatort"-Macher wagen sich an diesem Sonntagabend (20.15 Uhr, ARD) mit der Folge "Krank" an ein kontrovers und hochemotional diskutiertes Thema: Schulmedizin versus Naturheilkunde und die Frage: Ab wann darf man eingreifen, wenn Eltern eine wichtige medizinische Behandlung ihres Kindes ablehnen und es statt dessen mit selbstgebrauter Tinktur behandeln?

Das Leben der fünfjährigen Rosa hätte mit Antibiotikum gerettet werden können. Weil ihr Vater, Mitbegründer des Naturmedizin-Unternehmens "Medicina Lenia", aber nur alternative Behandlungsmethoden des Infektes zulässt, stirbt die Kleine. Und bald darauf der Vater. Vor dem Gericht, das ihn gerade vom Vorwurf der Schuld am Tod seiner Tochter freigesprochen hat, wird er überfahren. Und zwar absichtlich.

Ein Glaubenskrieg

Was hat die von der Familie getrennte und untergetauchte Mutter des Kindes damit zu tun? Schließlich war sie Guerilla-Kämpferin in Kolumbien und käme somit rein handwerklich auch für die weiteren ungeklärten Todesfälle aus dem Umfeld von "Medicina Lenia" in Frage...

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"Krank": Der Wiener "Tatort" in Bildern

Schulmedizin oder sanfte Heilung? Im aktuellen "Tatort"-Fall aus Wien geraten Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) in einen Glaubenskrieg zwischen den Anhängern beider Methoden. Ein Kind ist gestorben, weil der Vater nicht zuließ, dass es mit Antibiotikum behandelt wird. Bald darauf ist auch der Vater tot...


Oberstleutnant Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Majorin Bibi Fellner (Adele Neuhauser) ermitteln in dem Fall und geraten tief hinein in den erbitterten Glaubenskrieg zwischen Schulmedizin und alternativen Heilmethoden. Was beide verbindet? Es geht um gigantische Geldbeträge und Wachstumsmärkte. Merke: Auch sanfte Medizin ist ein hartes Geschäft - und das Duo Krassnitzer/Neuhauser eine wirksame Pille gegen langweilige Sonntagabendunterhaltung.

Frotzeln, spotten und Wiener Schmäh gehört zu den Austria-"Tatorten" wie der Schnee zu den Alpen. Das alles gibt es diesmal in Höchstdosis (Drehbuch und Regie: Rupert Henning), die aber sehr gut verträglich ist - mit kabarettreifen Dialogen, einem komplexen Fall und einem locker-flockigen, aber nicht undifferenzierten Blick auf die Naturheilkunde.

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