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Erst Eis, dann Frühling: Wie sich Wetterumschwünge auf uns auswirken

Meteorologen halten den momentanen Wärmeeinbruch nicht für ungewöhnlich - 19.02.2021 05:43 Uhr

Am Wochenende werden die Temperaturen noch frühlingshafter. Mancher wird es auch am Kreislauf merken.

18.02.2021 © Foto: Felix Kästle/dpa


Die Luft ist mild, die Sonne wärmt wieder auf der Haut, und der Schnee ist auch von gestern. Wer an diesem Wochenende vor die Haustür tritt, kann sich wie im Frühling fühlen – und das nur eine Woche, nachdem man in Franken zuletzt bei minus 20 Grad und kälter über Eisplatten schlittern konnte.

Doch während der starke Wetterumschwung dank eines Hochdruckgebiets mit milder Atlantikluft die Wintermüden erfreut, hat er bei vielen Menschen auch merklichen Einfluss auf die Gesundheit.


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"Jeder Mensch reagiert auf das Wetter", schreibt Andreas Matzarakis,
Leiter des Zentrums für Medizinisch-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Der menschliche Körper muss konstant eine Kerntemperatur von etwa 37 Grad halten. Ändert sich das Wetter, reguliert das vegetative Nervensystem des Körpers beispielsweise Blutdruck oder Stoffwechsel, um sich anzupassen.

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Großes Spektrum von Beschwerden

Bei vielen Menschen verlaufen diese Prozesse unbemerkt. In Umfragen geben aber immerhin 50 Prozent der Befragten an, dass das Wetter ihre Gesundheit beeinflussen würde. "Es gibt ein großes Spektrum von Beschwerden – insbesondere Kopfweh ist häufig (wir kennen es vom Föhn) und Gelenkbeschwerden. Muskelschmerzen treten bei wärmerem Wetter eher auf, dies hat eine Studie aus Japan gezeigt", erklärt Stephan Achenbach.

Der Direktor der Kardiologie und Angiologie der Uni-Klinik Erlangen beobachtet, dass sich Patienten mit Herz-Kreislauferkrankungen bei einem Wetterumschwung schlechter belastbar fühlen. Wenn es plötzlich wärmer wird, tritt bei ihnen oft Schwäche und Schwindel auf. Der Grund: Die Blutgefäße erweitern sich durch die höhere Temperatur und der Blutdruck sinkt. In der Regel halten die Symptome einen oder einige Tage an.

Je stärker der Wetterumschwung, desto stärker auch die gesundheitlichen Auswirkungen, erklärt Andreas Matzarakis. Wenn sich alle Elemente des Wetters wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit oder Sonneneinstrahlung gleichzeitig sehr schnell ändern, gerät der Körper unter Stress. Dabei macht es durchaus einen Unterschied, wie sich das Wetter ändert. Wird es kälter, haben Patienten eher mit Rheuma und Atembeschwerden zu kämpfen.

Bei wärmerem Wetter werden dagegen oft Herz-Kreislauf-Beschwerden zum Problem. Den gerade stattfindenden Wetterwechsel hält der DWD aber nicht für außergewöhnlich: "Der Februar verläuft wettertechnisch durchaus sehr gegensätzlich, vermag also nach eiskaltem Winterwetter gerne auch mal mit verfrühter Frühlingswärme zu überraschen", schreiben die Meteorologen. Am bisherigen Rekord von 24,5 Grad im Februar 1900 wird dieser Februar aber wohl nicht rütteln.

"Niemand wird vom Wetter alleine krank"

Ob man den starken Wetterumschwung spürt, ist sehr individuell. Die "Wetterfühligkeit" ist weit verbreitet, beispielsweise unter Patienten mit Gelenk- und Rheumabeschwerden, berichtet Stephan Achenbach. "Im Prinzip sind Patienten mit einem geschwächten Immunsystem jedweder Ursache auch durch Wetterumschwünge mehr belastet, denn aufgrund diverser Faktoren führen Wetterumschwünge etwas leichter zu Infektionen."

Grundsätzlich gilt allerdings auch: Niemand wird vom Wetter alleine krank. Auch ein starker Umschwung, betont Matzarakis, kann lediglich bestehende Beschwerden verstärken. Und manchmal kann eine Wetterveränderung auch helfen.

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Stabiles Hochdruckwetter mit Sonnenschein hat Experten zufolge oft eine lindernde Wirkung. "Es gibt Patienten, die Kälte gar nicht mögen und vertragen, sie werden sich bei der Wärme besser fühlen. Patienten mit Durchblutungsstörungen der Arme und Beine etwa können dazugehören", erklärt Achenbach. "Auch Patienten mit Depressionen fühlen sich bei sonnigem Wetter oft besser."

Matzarakis sieht den derzeitigen Wetterumschwung eher optimistisch. Da sich dieser langsam vollzog, erwartet er keine gesteigerten Beschwerden, sondern eher neutrale bis positive Auswirkungen.

Jana Vogel Volontärin Online-Redaktion E-Mail

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