Testphase beginnt

Neue Kooperation: Werden Bestellungen bei Lieferando bald teurer?

4.10.2021, 14:08 Uhr
Bei den Lieferando-Fahrern und -Fahrerinnen können die Bowls zunächst nicht zurückgegeben werden.

Bei den Lieferando-Fahrern und -Fahrerinnen können die Bowls zunächst nicht zurückgegeben werden. © Michael Gstettenbauer via www.imago-images.de

Während der Lockdown-Zeiten war das Liefern von Essen bis zur Haustür der Konsumenten und Konsumentinnen die einzig mögliche Einnahmequelle für Restaurants und Cafes. Während Lieferando von diesem Trend profitierte, füllten sich die Mülltonnen vor den Häusern immer mehr mit Pizzakartons, Plastikschalen, Tüten und anderem Verpackungsmüll. Damit soll jetzt Schluss sein – zumindest ist das der Plan.

Lieferando kooperiert nun mit ReCup, einem 2016 von den Studenten Fabian Eckert und Florian Pachaly in der Nähe von München gegründeten Unternehmen, das Mehrweg-Pfandbecher und -schalen herstellt. Begonnen hat das junge Unternehmen mit wiederverwendbaren Bechern im To-Go-Bereich, die von Kunden und Kundinnen gegen ein Pfand im Cafe zurückgegeben werden können. Hauptgeldgeber und 25-prozentiger Anteilseigner des jungen Startups ist der Nürnberger Medien-Unternehmer Gunter Oschmann. Mit seiner Beteiligungsgesellschaft Core-Invest unterstützen er und seine Familie ReCup, obwohl sie bisher hauptsächlich an regionalen Fernseh- und Rundfunkanbietern und an Zeitungs- und Kinderbuchverlagen beteiligt sind.

Durch die Partnerschaft mit Lieferando soll sich das wiederverwendbare Geschirr nun auch im Take-Away- und Liefergeschäft gegen Plastik durchsetzen. Recup-Mitgründer Pachaly sieht darin "ein Riesenpotential".

Pilotprojekt in Berlin

"Wir wollen ein Mehrwegsystem etablieren, das für alle Beteiligten möglichst nutzerfreundlich und praxistauglich funktioniert", sagt Lieferando-Deutschland-Chefin Katharina Hauke zur WirtschaftsWoche, "Dies ist entscheidend für die Akzeptanz seitens Gastronomen und Verbrauchern, um eine massentaugliche Systemlösung zu etablieren."

Das Pilotprojekt ist daher zunächst auf nur 30 Restaurants in Berlin begrenzt und soll drei Monate gehen. Dafür hat Lieferando die teilnehmenden Restaurants mit jeweils 40 ReBowls ausgestattet. "Nun erleichtern wir es ihnen gemeinsam mit ReBowl, ihre Kunden in wiederverwendbaren Schalen zu beliefern und sich damit besonders nachhaltig zu positionieren", erklärt Hauke.

Wer bei den teilnehmenden Restaurants über Lieferando bestellt, kann im Bestellvorgang noch die wiederverwendbare Schale auswählen. Benötigt wird dafür allerdings zusätzlich noch die ReCup-App, über die man pro Bestellung eine neue PIN erhält. Diese muss dann in die Lieferando-App eingegeben werden. Gibt man die Bowl bei dem Restaurant zurück, bei dem man bestellt hat, erhält man das Pfand - die Kampagne "Mehrweg statt Einweg" spricht von 5 Euro pro Behälter - zurück und zahlt nichts für die Bowl. Laut ReCup gibt es mehr als 1800 Partner in ganz Deutschland, bei denen die Bowls zurückgegeben werden können.

Pflicht zu Mehrwegverpackungen

Bei den Lieferando-Fahrern und -Fahrerinnen kann man die Bowls zunächst nicht zurückgeben. Da aktuell noch wenig Restaurants dabei sind, ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass der Fahrer oder die Fahrerin zu dem entsprechenden Restaurant zurückfährt oder eines ansteuert, in dem die Schalen zurückgegeben werden können. Perspektivisch schließt Hauke diese Lösung aber nicht aus, wenn mehr Restaurants mitmachen.

Nun soll erst einmal beobachtet werden, wie hoch die Akzeptanz ist. Sowohl die Restaurantbetreiber und -betreiberinnen als auch die Kunden und Kundinnen müssen schließlich selbst entscheiden, ob sie die wiederverwendbaren Schalen anbieten beziehungsweise nutzen.

Angetrieben wurde die Partnerschaft zwischen Lieferando und ReCup sicherlich durch eine Novelle des Verpackungsgesetzes, die erstmal das Angebot von Mehrwegverpackungen im To-Go-Bereich vorschreibt - wenn auch erst ab 2023. Bis dahin müssen allerdings bereits Lösungen gefunden sein. Das Angebot von ReBowls bei Bestellungen über Lieferando könnte ein erster Schritt sein.

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