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Den Alltag lernen? Neues Schulfach in Bayern geplant

Schüler, Lehrer und Bildungsexperten halten davon wenig - 26.06.2019 06:00 Uhr

Wertschätzung und Wissen über die heimische Natur und Landwirtschaft, Klimaschutz oder gesundes Essen - all diese Themen sollen im geplanten Schulfach behandelt werden. © dpa


"Wir sprechen uns gegen die Einführung eines solchen Fachs ohne vorherige Absprache mit den Betroffenen aus", schreibt der Landesschülerrat in einem Positionspapier. Zwar begrüße man es als gesetzlich legitimierte Vertretung aller 1,6 Millionen Schüler in Bayern, dass die Staatsregierung sich mit diesem Thema beschäftige und Handlungsbedarf sehe. Allerdings sei es sinnvoller, die fraglichen Inhalte in den bestehenden Stundenplan einzubauen. Vorstellen kann sich das Gremium allenfalls die Schaffung "einer variabel einsetzbaren Stunde". 

Das neue Pflichtfach, das Bereiche wie Wertschätzung und Wissen über die heimische Natur und Landwirtschaft, Klimaschutz oder gesundes Essen abdecken soll, ist Teil des Gesetzespaketes für mehr Umwelt-, Natur- und Artenschutz in Bayern. Darin sind 50 Empfehlungen des runden Tisches aufgegriffen worden, den Söder nach dem Volksbegehren "Rettet die Bienen" einberufen hatte. "Wir wollen das Thema Alltagskompetenzen an Schulen noch weiter stärken", betont Günther Schuster, Sprecher im Kultusministerium. Einzelheiten zu dem Wie und zur möglichen Ausgestaltung eines neuen verpflichtenden Schulfachs "Alltagskompetenz und Lebensökonomie" könne er momentan nicht nennen. "Wir sind in der Planungs- und Konzeptionsphase."

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Bei den Direktoren der Gymnasien stößt die Idee eines neuen Fachs auf wenige Gegenliebe. Walter Baier, Landesvorsitzender der Direktorenkonferenz, nennt die Überlegungen in einem Rundbrief an alle Mitglieder "höchst bedenklich" im Hinblick auf das Gymnasium. Zum einen fürchten die Schulleiter eine neue Debatte über die Stundentafel im neunjährigen Gymnasium, zum anderen vermutet Baier, dass man offenbar erneut einen Erziehungsauftrag vom Elternhaus auf die Schule übertragen wolle. "Es ist ein Irrtum zu glauben, dass die Schule alleine all die Zukunftsaufgaben einschließlich Digitalisierung, politische Bildung und nicht zuletzt die Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler auf eine sich rasant ändernde Lebens- und Arbeitswelt leisten kann und muss."

Nicht ohne Kritik

Bildungsforscher Samuel Greiff von der Universität Luxemburg hält zwar Inhalte wie Ernährungs- und Gesundheitsfragen sowie eine nachhaltige Lebensweise für sehr relevant, bezweifelt aber die Sinnhaftigkeit, hierfür ein eigenes Fach einzuführen. "Es scheint mir vor allem wichtig, fächerübergreifend und explizit am Beispiel die Teamarbeit in der Schule zu fördern." 


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