Diese Vorteile haben wir der EU zu verdanken

4.8.2016, 12:37 Uhr
Viele denken bei Europa nur an wuchernde Bürokratie und hohe Zahlungen an Brüssel, doch das ist nur die halbe Wahrheit. Es gibt eine Reihe von Vorteilen, die wir der EU verdanken. Wie zum Beispiel: offene Grenzen. Früher gab es bei Reisen selbst in Nachbarländer wie Österreich und Frankreich Grenzkon­trollen, oft verbunden mit Wartezei­ten. Mit dem Schengener Abkommen sind die offenen Grenzen in der EU Wirklichkeit geworden. Dass im Zuge der verstärkten Zuwanderung durch Flüchtlinge einige Grenzen wieder dichtgemacht wurden, ist sehr wahr­scheinlich kein Dauerzustand.
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Diese Vorteile haben wir der EU zu verdanken: Offene Grenzen

Viele denken bei Europa nur an wuchernde Bürokratie und hohe Zahlungen an Brüssel, doch das ist nur die halbe Wahrheit. Es gibt eine Reihe von Vorteilen, die wir der EU verdanken. Wie zum Beispiel: offene Grenzen. Früher gab es bei Reisen selbst in Nachbarländer wie Österreich und Frankreich Grenzkon­trollen, oft verbunden mit Wartezei­ten. Mit dem Schengener Abkommen sind die offenen Grenzen in der EU Wirklichkeit geworden. Dass im Zuge der verstärkten Zuwanderung durch Flüchtlinge einige Grenzen wieder dichtgemacht wurden, ist sehr wahr­scheinlich kein Dauerzustand. © Angelika Warmuth/dpa

Beson­ders auffällig sind die Vorteile der EU für Verbraucher beim Thema Handy­gebühren. Die Telefonanbieter haben lange sehr hohe Gebühren sowohl für Handygespräche wie für SMS-Kurz­meldungen verlangt, wenn diese ins europäische Ausland gingen. Die EU hat die Telefonkonzerne gezwungen, die Gebühren mehrfach stark zu sen­ken. Gleichermaßen legte sich die EU mit US-Großkonzernen wie Microsoft oder Google an, um für mehr Daten­schutz zu sorgen. Einzelne Staaten hätten dies kaum erreichen können.
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Vorteile für Verbraucher

Beson­ders auffällig sind die Vorteile der EU für Verbraucher beim Thema Handy­gebühren. Die Telefonanbieter haben lange sehr hohe Gebühren sowohl für Handygespräche wie für SMS-Kurz­meldungen verlangt, wenn diese ins europäische Ausland gingen. Die EU hat die Telefonkonzerne gezwungen, die Gebühren mehrfach stark zu sen­ken. Gleichermaßen legte sich die EU mit US-Großkonzernen wie Microsoft oder Google an, um für mehr Daten­schutz zu sorgen. Einzelne Staaten hätten dies kaum erreichen können. © Friso Gentsch / dpa

Für den Bereich Bildung ist die EU nicht wirk­lich zuständig. Dies fällt in den Aufga­benbereich der Nationalstaaten - in Deutschland sind gar die Bundeslän­der zuständig. Auf europäischer Ebe­ne wurden aber sehr erfolgreiche Aus­tauschprogramme aufgelegt, von denen das Studenten-Austauschpro­gramm Erasmus das bekannteste ist. Es ist das weltweit größte Förderpro­gramm von Auslandsaufenthalten an Universitäten. Studieren im Ausland, früher ein Privileg weniger, ist heute zu einer realen Möglichkeit für fast alle Studenten geworden.
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Investition in Bildung

Für den Bereich Bildung ist die EU nicht wirk­lich zuständig. Dies fällt in den Aufga­benbereich der Nationalstaaten - in Deutschland sind gar die Bundeslän­der zuständig. Auf europäischer Ebe­ne wurden aber sehr erfolgreiche Aus­tauschprogramme aufgelegt, von denen das Studenten-Austauschpro­gramm Erasmus das bekannteste ist. Es ist das weltweit größte Förderpro­gramm von Auslandsaufenthalten an Universitäten. Studieren im Ausland, früher ein Privileg weniger, ist heute zu einer realen Möglichkeit für fast alle Studenten geworden. © Jens Kalaene/dpa

Viele Bürger finden es nicht mehr notwendig, die­sen Punkt als Vorteil der EU aufzufüh­ren. Doch dass Länder wie Deutsch­land und Frankreich, die in sieben Jahrzehnten drei massive Kriege gegeneinander geführt haben (darun­ter zwei Weltkriege), seither in Frie­den miteinander leben, ist nicht selbst­verständlich. Auch hier genügt ein Blick in die nicht so weit entfernte Ukraine, um zu sehen, wie schnell es mit dem Frieden vorbei sein kann, wenn man nicht in ein System kollekti­ver Sicherheit und des friedlichen Interessenausgleichs eingebunden ist.
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Frieden und Stabilität

Viele Bürger finden es nicht mehr notwendig, die­sen Punkt als Vorteil der EU aufzufüh­ren. Doch dass Länder wie Deutsch­land und Frankreich, die in sieben Jahrzehnten drei massive Kriege gegeneinander geführt haben (darun­ter zwei Weltkriege), seither in Frie­den miteinander leben, ist nicht selbst­verständlich. Auch hier genügt ein Blick in die nicht so weit entfernte Ukraine, um zu sehen, wie schnell es mit dem Frieden vorbei sein kann, wenn man nicht in ein System kollekti­ver Sicherheit und des friedlichen Interessenausgleichs eingebunden ist. © Archiv: Wolfgang Eilmes/dpa

Übrigens erhalten nicht nur die
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Förderung nicht nur für die "armen" Länder

Übrigens erhalten nicht nur die "armen" ost- oder südeu­ropäischen Ländern Struktur- und sonstige Fördermittel. Auch der Raum Nürnberg hat über die Jahre viele Mil­lionen Euro aus Brüssel erhalten. In der Förderperiode 2007-2013 wurden insgesamt 135 verschiedene EU-Pro­jekte finanziert mit einem Gesamtvo­lumen von fast 43 Millionen Euro. Pro­minentestes Beispiel ist das Bildungs­- und Begegnungszentrum Südpunkt in der Nürnberger Südstadt. © Foto: Daut

Auch viele kleinere Fir­men in Deutschland akquirieren Auf­träge aus anderen EU-Staaten. Das war lange ein sehr mühsamer Prozess, weil es überall verschiedene Regeln gab. Nun ist es weitgehend verein­facht. Auf diese Weise ist der Wettbe­werb untereinander erheblich gewach­sen. Für den Verbraucher bedeutet das in vielen Fällen, dass die Preise für Produkte merklich gesunken sind.
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Weniger Bürokratie bei Aufträgen im Ausland

Auch viele kleinere Fir­men in Deutschland akquirieren Auf­träge aus anderen EU-Staaten. Das war lange ein sehr mühsamer Prozess, weil es überall verschiedene Regeln gab. Nun ist es weitgehend verein­facht. Auf diese Weise ist der Wettbe­werb untereinander erheblich gewach­sen. Für den Verbraucher bedeutet das in vielen Fällen, dass die Preise für Produkte merklich gesunken sind. © Patrick Pleul/dpa

Sehr ver­breitet ist die Ansicht, dass in Brüssel eine überbordende Bürokratie wuchert. Es stimmt, es gibt unzählige Vorschriften, auch für Dinge, die nicht europäisch geregelt werden müs­sen. Doch auch hier stimmen viele Kli­schees nicht. An der - inzwischen - längst beerdigten Regelung zum Krümmungsgrad von Gurken oder Bananen waren nicht unterbeschäftig­te EU-Bürokraten schuld, sondern vor allem der deutsche Einzelhandel, der sich von genormten Lebensmit­teln Vorteile versprach. Was viele auch nicht bedenken: Die Alternative zu einheitlichen europäischen Regeln wären nicht gar keine Regeln, sondern 28 verschiedene nationale Regeln. Wenn es keine europäischen Vorschriften für Traktorsitze oder Klospülungen gäbe (beides auch erst verabschiedet nach Klagen von natio­nalen Herstellern), gäbe es lauter ver­schiedene nationale Vorschriften - mit all den Erschwernissen für den Verkauf jenseits von Landesgrenzen.
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Einheitliche Standards

Sehr ver­breitet ist die Ansicht, dass in Brüssel eine überbordende Bürokratie wuchert. Es stimmt, es gibt unzählige Vorschriften, auch für Dinge, die nicht europäisch geregelt werden müs­sen. Doch auch hier stimmen viele Kli­schees nicht. An der - inzwischen - längst beerdigten Regelung zum Krümmungsgrad von Gurken oder Bananen waren nicht unterbeschäftig­te EU-Bürokraten schuld, sondern vor allem der deutsche Einzelhandel, der sich von genormten Lebensmit­teln Vorteile versprach. Was viele auch nicht bedenken: Die Alternative zu einheitlichen europäischen Regeln wären nicht gar keine Regeln, sondern 28 verschiedene nationale Regeln. Wenn es keine europäischen Vorschriften für Traktorsitze oder Klospülungen gäbe (beides auch erst verabschiedet nach Klagen von natio­nalen Herstellern), gäbe es lauter ver­schiedene nationale Vorschriften - mit all den Erschwernissen für den Verkauf jenseits von Landesgrenzen. © dpa

Der Exportwelt­meister Deutschland hat vom gemeinsamen euro­päischen Markt (mit 511 Millionen Bürgern) wie auch vom Euro ungeheuer profitiert. Die zehn ost- und südosteuropäischen Staaten, die am 1. Mai 2004 in die EU aufgenommen wurden, lagen wirt­schaftlich weit unter dem Niveau der Alt-Mitglieder. Durch EU-Mittel wur­de die Infrastruktur in den Beitritts­ländern erheblich verbessert (durch Straßenausbau, moderne öffentliche Verkehrsmittel, Städtesanierungen, und vieles mehr)...
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Wirtschaftliche Vor­teile

Der Exportwelt­meister Deutschland hat vom gemeinsamen euro­päischen Markt (mit 511 Millionen Bürgern) wie auch vom Euro ungeheuer profitiert. Die zehn ost- und südosteuropäischen Staaten, die am 1. Mai 2004 in die EU aufgenommen wurden, lagen wirt­schaftlich weit unter dem Niveau der Alt-Mitglieder. Durch EU-Mittel wur­de die Infrastruktur in den Beitritts­ländern erheblich verbessert (durch Straßenausbau, moderne öffentliche Verkehrsmittel, Städtesanierungen, und vieles mehr)... © Marcus Brandt/dpa

...Für den Sieben-Jah­res-Zeitraum von 2013 bis 2020 wur­den für diese Fördermaßnahmen insge­samt 325 Milliarden Euro bereitge­stellt. Die Gelder kommen nicht nur den Empfängern zugute, sondern auch den Zahlern. Durch den erhöh­ten Konsum (Autos, Haushaltsgüter, etc.) und die Nachfrage nach Investiti­onsgütern und Maschinen hat nie­mand mehr profitiert als Deutsch­land. Hiesige Firmen setzen in den Bei­trittsstaaten mehr Waren um als in den USA und Kanada zusammen. In Deutschland hat der gemeinsame Bin­nenmarkt für ein zusätzliches Wachs­tums des Bruttoinlandsprodukts von 0,5 Prozent gesorgt – jedes Jahr.
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Wirtschaftliche Vor­teile

...Für den Sieben-Jah­res-Zeitraum von 2013 bis 2020 wur­den für diese Fördermaßnahmen insge­samt 325 Milliarden Euro bereitge­stellt. Die Gelder kommen nicht nur den Empfängern zugute, sondern auch den Zahlern. Durch den erhöh­ten Konsum (Autos, Haushaltsgüter, etc.) und die Nachfrage nach Investiti­onsgütern und Maschinen hat nie­mand mehr profitiert als Deutsch­land. Hiesige Firmen setzen in den Bei­trittsstaaten mehr Waren um als in den USA und Kanada zusammen. In Deutschland hat der gemeinsame Bin­nenmarkt für ein zusätzliches Wachs­tums des Bruttoinlandsprodukts von 0,5 Prozent gesorgt – jedes Jahr. © Ingo Wagner (dpa)

Vor allem in den Nettozahlerländern wie Deutsch­land wird viel geklagt über die vielen Abermilliarden, die
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Solidarität zwischen starken und schwachen EU-Staaten

Vor allem in den Nettozahlerländern wie Deutsch­land wird viel geklagt über die vielen Abermilliarden, die "nach Brüssel" fließen. Die meisten Menschen über­schätzen diese Summen jedoch total. Vor der großen Osterwei­terung der EU im Jahr 2004 lagen die Pro-Kopf­ Kosten für die EU bei 60, 70 oder 80 Euro im Jahr - also dem Gegenwert weniger Kinobesuche oder eines Essens in einem Restau­rant. 2014 lag der deutsche Nettozu­schuss bei 15,5 Milliarden Euro - oder knapp 192 Euro pro Kopf. Wie gut das Geld investiert ist, zeigt sich in dem gewachsenen Handelsaustausch und dem gemeinsamen Wohlstandszu­wachs. Wer das nicht glauben will, werfe einen Blick etwas weiter öst­lich: In der Ukraine oder in Weißruss­land, die bis heute nicht der EU beitre­ten konnten, ist der Wohlstand dras­tisch geringer - und der Handelsaus­tausch ebenso. © dpa