Zur Bundestagswahl

"FollowTheVote": Start-Up macht dem Wahl-O-Mat Konkurrenz

20.7.2021, 13:59 Uhr
Die Bundestagswahl im Herbst beschäftigt die Bevölkerung. (Symbolbild)

Die Bundestagswahl im Herbst beschäftigt die Bevölkerung. (Symbolbild) © Michael Kappeler/dpa

Die niedrigste Wahlbeteiligung liegt laut Bundeszentrale für politische Forschung seit jeher bei der Altersgruppe zwischen 18 und 30 Jahren. Und das, obwohl Klimawandel oder soziale Fragen besonders auf diese Wählergruppe Einfluss haben.

Ein junges Start-Up aus Berlin will nun versuchen, Politik auf praktische und verständliche Art an junge Wählerinnen und Wähler heranzutragen. "FollowTheVote" nennt sich das Projekt und ist sowohl auf einer Homepage als auch auf Instagram vertreten. Zusätzlich soll bald eine App erscheinen.

Ziel des Projektes ist es, "dem Stimmzettel zu folgen", sprich: Wer hält seine Wahlversprechen ein? Wer sagt vor Fernsehkameras das Eine, an der Urne aber das Andere? Nutzer sollen sich so ein Bild des politischen Spektrums bilden können, mit wem sie am häufigsten einer Meinung sind und wer seine Argumentationen auf Unwahrheiten stützt. Im Gegensatz zu dem weitläufig bekannten "Wahl-O-Mat", bei dem man vor Wahlen basierend auf dem Wahlprogramm herausfinden kann, welcher Partei man in den meisten Punkten zustimmt, wird bei "FollowTheVote" an tatsächlichen Ergebnissen gemessen.

Schrittweise zur politischen Bildung

Auf der Website kann man bereits die Idee des Unternehmens erkennen. In kleinen Testbeispielen wird das Konzept zum Durchklicken erklärt: Zunächst wird ein Statement präsentiert, beispielsweise "Auf Deutschlands Straßen soll ein allgemeines Tempolimit von 130 km/h gelten". Im zweiten Schritt wird das Statement noch genauer, aber in einfach verständlicher Sprache erläutert. Danach werden die Meinungen und Argumente der Parteien des Bundestags zu dem Thema anonym gezeigt. Bei jedem Statement wählt man zwischen "Stimme zu" oder "Stimme nicht zu". Anschließend wird selbst über das Argument abgestimmt, mit "Dagegen", "Neutral" oder "Dafür".

Im fünften Schritt gibt der User eine Einschätzung darüber ab, wie die Parteien des Bundestages gestimmt haben: Dafür, dagegen oder mit Enthaltung. Die tatsächlichen Abstimmungsergebnisse werden nach der Einschätzung angezeigt. So kann man erkennen, welche Partei ihre Meinung auch an der Urne verfolgt, und wer auf dem Papier anders abstimmt. Die SPD beispielsweise argumentierte zwar in ihren Statements deutlich für ein Tempolimit, im Anschluss stimmte sie aber mit Berufung auf den Koalitionsvertrag überwältigend gegen dieses.

Strukturen des Projekts

Ein politisches Wahlprogramm enthält oftmals zum großen Teil Versprechungen, entscheidend ist aber, wer im Bundestag für was stimmt. Pünktlich zur Bundestagswahl will "FollowTheVote" versuchen, diese Abstimmungen in täglichen Appetithäppchen zu präsentieren. Die App soll voraussichtlich am 5. August auf den Markt kommen und bis zur Bundestagswahl täglich ein neues Statement präsentieren. So werden insgesamt die Meinungen zu 48 Themen ganz ungezwungen am Smartphone abgefragt.

Hinter dem unabhängigen, überparteilichen Start-Up steckt eine Gruppe von Studierenden, die laut Angaben der Mitglieder mit Sorge die Politikverdrossenheit ihrer eigenen Generation, sowie rechtspopulistische Bewegungen in Deutschland und Europa beobachtet. Mit dem Projekt "FollowTheVote" setzen sie sich für politische Bildung ein, um die Demokratie nachhaltig zu stärken. In ihrem eigenen Bekanntenkreis wurde die Idee für das Projekt weitergetragen, sodass mittlerweile ein zwölfköpfiges Team bestehend aus Studierenden verschiedener Fachrichtungen, von Politikwissenschaften bis IT, entstanden ist. Zunächst gründeten sie den gemeinnützigen Verein Political Innovation Association (PIA) e.V., um von dort ausgehend Projekte zu starten. "FollowTheVote" wird seit fast einem Jahr ehrenamtlich und leidenschaftlich von den Studierenden weiterentwickelt.

Das Nürnberger Mitglied Madlene Scheiderer erklärt, dass das Projekt vor allem auf Transparenz und Fakten abzielt und damit auch dem politischen Trend der "fake news" entgegenwirken soll. Alle Quellen werden als open source verlinkt und stammen direkt von verlässlichen Adressen wie der Onlineseite des Bundestags oder der Bundeszentrale für politische Bildung. Die Statements decken alle wichtigen politischen Spektren ab und sind so neutral wie möglich gehalten.

Das Start-Up wurde erst im April 2021 gegründet und steckt damit noch in seinen Kinderschuhen, hat aber schon ambitionierte Ziele. "FollowTheVote" ist Teil von verschiedenen politischen Förderprojekten und strotzt vor neuen Ideen, die mit Spenden und Fördergeldern umzusetzen wären. Ergänzend zu den Statements zu Abstimmungen sollen ebenso noch Spiele, Faktenchecks zu aktuellen politischen Geschehnissen, Quizze und vieles mehr hinzukommen. Wer sich für das Projekt interessiert oder selbst Teil des Teams werden möchte, kann sich auf der Homepage der PIA e.V. und unter Followthevote.com informieren.

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