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Grönland-Kauf: Warum die Idee nicht so verrückt ist, wie sie klingt

Staaten haben schon öfter ihr Territorium durch Verhandlungen vergrößert - 21.08.2019 12:29 Uhr

US-Präsident Donald Trump ist nach Angaben seines Wirtschaftsberaters an einem Kauf Grönlands interessiert. © Felipe Dana, dpa


Als der US-Präsident vor wenigen Tagen erstmals die Idee ventilierte, man könne den Dänen doch Grönland abkaufen, war sich nicht einmal sein Kummer gewohntes engstes Umfeld sicher, ob Trump das Ernst meinte. Jetzt, wo Dänemark - welche Überraschung - das Ansinnen empört abgelehnt hat und Trump daraufhin wiederum seinen eigentlich diese Woche geplanten Besuch in Kopenhagen stornierte, wissen wir: Ja, hat er. Und die Welt schüttelt wieder einmal den Kopf über den Mann im Weißen Haus.

Doch stopp! Ja, Trumps Idee klingt einigermaßen irre. Der Witz aber ist: Historisch betrachtet ist es gar nicht so ungewöhnlich, dass Staaten ihr Territorium und Einflussgebiet durch Verhandlungen vergrößern. Und das auf keinen Fall weniger erfolgreich als durch militärische Eroberung, was schließlich immer die Gefahr birgt, dass der unterlegenen Gegner gleich bei nächster Gelegenheit versuchen wird, die erlittene Schmach zu tilgen.

Gerade die USA haben in ihrer immer noch jungen Geschichte schon mehrfach gute Erfahrungen damit gemacht, erst mal das Gespräch zu suchen, statt gleich die Kavallerie zu schicken. 1803 etwa verdoppelten sie mit dem "Louisiana Purchase" (Purchase = Kauf) ihr damaliges Staatsgebiet. 1853 rundeten sie mit dem sogenannten Gadsden-Kauf das Gebiet von Neu Mexiko ab. Und dann natürlich 1867 der schon legendäre Kauf von Alaska, das bis dahin zu Russland gehört hatte. Dazu kommt: Dass die USA Interesse an Grönland zeigen, ist aus ihrer Sicht gut zu verstehen. Geostrategisch wie angesichts der vermuteten Rohstoffe im Boden auch ökonomisch.

Mit viel Wohlwollen könnte man das alles dem US-Präsidenten zugute halten. Allerdings: Selbst dann bräuchte es das diplomatische Geschick eines Gandhi, Luther King und Mandela im Quadrat, um ein so brisantes, für das globale Machtgefüge höchst heikle und für die jüngere Zeit absolut ungewöhnliche Vorhaben erfolgreich umzusetzen. Angefangen mit einer brillanten Vorbereitung durch diskrete, feinfühlige Anbahnungsgespräche.

Sollte Trump also wirklich gehofft haben, Grönland von den Dänen zu übernehmen, hat er es sich mit seiner gewohnt polternden Art bereits alles ruiniert. Aber vielleicht hatte er auch einfach nur mal wieder so eine Idee. Bis sie von der nächsten abgelöst wird, dürfte es nicht lange dauern. Die Welt wird davon hören.

 

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