Donnerstag, 15.04.2021

|

zum Thema

Kommentar: Eine Verkehrswende muss Autos ausbremsen

Allen sollte klar sein: Einschnitte sind notwendig - meint Jo Seuß - 20.09.2020 06:00 Uhr

Bilderstrecke zum Thema

"Neuer" Bußgeldkatalog: Diese Strafen drohen bei Verstößen

Am 28. April 2020 traten in Deutschland neue Vorschriften für Verkehrsteilnehmer in Kraft - die später auf Grund eines Formfehlers wieder zurückgenommen worden. Rasern zum Beispiel drohen höhere Bußgelder und schneller ein Fahrverbot, sollte der Katalog in Kraft treten. Ein Überblick.


Das hat viel mit den nackten Zahlen zu tun. Laut Bundesumweltministerium sorgt in Deutschland der Verkehr für 19 Prozent der CO2-Emissionen, wofür 60,6 Prozent der Pkw verantwortlich sind. Autos schaden aber nicht nur der Umwelt, sie kosten Platz. Aktuell kommen auf 1000 Deutsche 575 Fahrzeuge – weiter mit steigender Tendenz. Doch 23 Stunden am Tag steht ein Auto im Schnitt ungenutzt herum. In Städten meist am Rand, wo das geparkte Blech anderen Verkehrsteilnehmern im Weg steht und eine attraktive Gestaltung blockiert.

Ein echtes Ärgernis. Kein Wunder, dass in immer mehr Städten die Verantwortlichen merken, dass sie umdenken müssen, damit sie nicht am motorisierten Verkehr ersticken. In Kopenhagen kann man erleben, um wie viel leiser und sauberer Mobilität stattfindet, wenn die Hälfte der Menschen das Fahrrad benutzt: auf breiten Radwegen, getrennt von Fahrbahn und Gehsteig.


Kommentar: Der Kulturkampf ums Tempolimit


Dahinter steckt ein konsequenter Prozess von gut 25 Jahren, in denen viel Geld in die Hand genommen wurde, um den öffentlichen Raum neu aufzuteilen und Alternativen zum Auto zu schaffen. Sicher, schnell und zuverlässig, das sagen Experten, muss eine Fahrradinfrastruktur sein. Und das kostet: Geld und Mut zum Ausbremsen der Autofahrer-Lobby, die gern beim ersten Abknapsen einer einzigen Spur aufschreit.

Bilderstrecke zum Thema

Mobil in der Region: Wie, wann und wie oft wir unterwegs sind

Wir sind immer unterwegs: Ins Büro, zum Einkaufen, abends in Richtung Kino... Mal steigen wir dafür ins Auto, mal bringt uns die Straßenbahn schneller ans Ziel. Für diese Bilderstrecke haben wir tief im Zahlen-Archiv der Stadt, des VGN oder beim Landesamt für Statistik gegraben - und interessante Zusammenhänge gefunden.


Allen sollte klar sein: Einschnitte sind notwendig, um ein kränkelndes Mobilitätssystem in Städten und Ballungsräumen zu verändern. Autos müssen nicht überall auf dem schnellsten Weg hinkommen. Schön gestaltete "Begegnungszonen" in Wien zeigen, wie heilsam autofrei sein kann. Und wenn man die Leute ernsthaft zum Umsteigen bewegen möchte, dann müssen Radweglücken beseitigt und gefährlich schmale Radstreifen entschärft werden. Dass Berlin dabei rechtliche Probleme mit seinen Pop-up-Radwegen hat, spricht nicht gegen das Instrument. Es muss nur richtig eingesetzt werden.


Tempolimit: Warum nur 130 km/h?


Erfreulich ist derweil, dass München Prioritäten setzt und teure Autotunnelprojekte verschiebt, um viel Geld in die Radinfrastruktur stecken zu können. Für Druck auf Stadträte und Verwaltung hat in der Landeshauptstadt eine erfolgreiche Radentscheid-Initiative 2019 gesorgt, wie sie gerade in Nürnberg läuft. Auch hier ist das Ziel klar: Man will die Kommune dazu verpflichten, die Prioritäten beim Verkehr zu verlagern. Dass dies bitter nötig ist, beweisen auch die Staus, die nach der kurzen Corona-Pause schon wieder an der Tagesordnung sind.

104

104 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus dem Ressort: Politik