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Kommentar: Gegen Amokläufer sind wir machtlos

Restriktive Waffengesetze bieten keinen ausreichenden Schutz - 23.07.2016 22:06 Uhr

Den Angehörigen der Toten und den vielen Verletzten wird es ziemlich egal sein, wenn sie hören, dass die Bluttat von München einem psychisch gestörten Jugendlichen und nicht einem von islamischer Ideologie verführten Terroristen zuzuschreiben ist. Ihre Fassungslosigkeit und ihr Schmerz sind einen Tag nach dem Anschlag noch so groß, dass sie der Unterschied wenig interessieren dürfte.

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Nach dem Amoklauf: München gedenkt der Opfer

Blumen und Kerzen liegen in der Nähe des Olympia-Einkaufszentrums OEZ in München, einen Tag nach einer Schießerei mit Toten und Verletzten. Die Menschen versuchen das Geschehene zu begreifen. Zahlreiche Menschen trauern gemeinsam in der bayerischen Landeshauptstadt.


Für die Politik und die Polizei hingegen ist es durchaus von Belang zu wissen, ob der mörderische Plan auf politische oder pathologische Ursachen zurückzuführen war und ob sich ein Bezug zu dem norwegischen Attentäter Breivik herstellen lässt, der vor fünf Jahren 77 Menschen umgebracht hatte.

Der Staat ist nicht machtlos gegenüber dem organisierten Terror. Er versucht mit allen Mitteln, seine Bürger zu schützen, was – wie der Fall Würzburg zeigte – nicht immer gelingt. Deutschland ist im Visier des IS; die abstrakte Gefährdung ist nach wie vor hoch. Dass wir bisher von größeren Anschlägen verschont geblieben sind, hat sicher etwas mit der Arbeit der Dienste zu tun, aber auch mit Glück.

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Gegen Amokläufer ist hingegen keine Prävention möglich. Ihre Taten kommen wie der Blitz aus heiterem Himmel. Das ist schon lange kein Phänomen mehr, das sich auf Nordamerika beschränken ließe. Auch in Deutschland gab es eine Reihe solcher Gewaltakte, von denen vielleicht noch Eching, Erfurt, Emsdetten, Winnenden und Ansbach in Erinnerung sind.

Oft sind die Täter psychisch auffällig

Typisch für diesen Täterkreis ist nach amerikanischen Untersuchungen, dass es sich in der Regel um psychotische, psychopathische oder traumatisierte Jugendliche und junge Männer handelt.

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München im Ausnahmezustand: 2300 Einsatzkräfte suchten nach Täter

Die Schießerei in einem Münchner Einkaufszentrum am Freitagabend hielt bis in die Nacht Bürger und rund 2300 Sicherheitskräfte in Atem. Die Polizei suchte im Stadtgebiet stundenlang nach möglichen Tätern. Während des Einsatzes waren die öffentlichen Verkehrsmittel in der Stadt gesperrt. Die Polizei fand den mutmaßlichen Täter schließlich tot in der Nähe des Tatorts, suchte aber noch mehrere Stunden nach potentiellen Mittätern.


Doch selbst wenn es gelänge, Auffälligkeiten früh zu erkennen und zu behandeln, böte das noch keinen ausreichenden Schutz. Der Co-Pilot, der 2015 einen German-Wings-Airbus mit 150 Menschen an Bord auf einem Berg zerschellen ließ, hatte psychische Probleme. Seine Tat war einem Amoklauf nicht unähnlich, auch wenn sie in der Statistik vermutlich nicht unter dieser Rubrik geführt wird.

Doch zurück zu München. Was die Öffentlichkeit brennend interessiert, ist nicht nur die Krankengeschichte des Schülers, sondern die Frage: Wie konnte der junge Mann in den Besitz einer neun Millimeter Glock-Pistole und mehr als 300 Schuss Munition gelangen? Nach jetzigem Erkenntnisstand lässt sich festhalten, dass restriktive Gesetze, die den Besitz von Waffen regeln, nicht ausreichen, wenn daneben ein florierender Schwarzmarkt existiert, auf dem es sogar für Jugendliche möglich zu sein scheint, sich solche Mordwerkzeuge zu besorgen.

Das Klassik Open Air findet wegen der Bluttat nicht statt - und das ist gut so. Ein Kommentar von Michael Husarek.

Wolfgang Schmieg

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