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Kommentar: Geld allein hilft den Kitas nicht

Kinderbetreuung braucht einen gesellschaftlich höheren Stellenwert - 27.03.2019 12:45 Uhr

Alltag in einer Kita: Dei meisten Einrichtungen klagen über akuten Personalmangel. © Monika Skolimowska / dpa


Solche Zahlen lassen aufhorchen: Neun von zehn Kitas arbeiten laut einer Umfrage mit zu wenig Personal und schaffen manchmal kaum mehr, als den Mangel zu verwalten. Und fast jede der befragten Betreuungseinrichtungen (95 Prozent, in Worten fünfundneunzig!) gibt freimütig zu, die von Experten empfohlenen Mindeststandards beim Betreuungsschlüssel nicht einhalten zu können.

Das ist also Alltag in deutschen Kindertagesstätten: Zu wenige Betreuer haben zu viele Kinder in ihrer Obhut und schaffen es dementsprechend nicht, diese wie gewünscht und pädagogisch geboten zu fördern. Und das auch noch bei schlechter Bezahlung: Zwei Drittel der Kita-Beschäftigten sind der Meinung, sie hätten für den Stress, den sie ertragen (müssen), etwas mehr Geld verdient. Während sich die Koalition für ihr "Gute-Kita-Gesetz" auf die Schulter klopft, sieht es an der Basis düster aus.

Wir brauchen nicht weniger als einen Bewusstseinswandel: Das Fördern des Nachwuchses noch vor dem Schuleintritt muss in Deutschland gesellschaftlich einen ganz anderen Stellenwert bekommen - ähnlich, wie die skandinavischen Länder das vormachen. Nicht umsonst liegen deren Kinder bei vielen Bildungsstudien weit vorn - die Basis dafür wird schon im Kindergarten angelegt.

Erstens hat man dort erkannt, dass der Geist (und die darauf fußende Bildung) die einzige unerschöpfliche Ressource ist, die wir haben. Und zweitens wird man in Schweden oder Finnland nicht stigmatisiert, wenn man sein Kind in die Obhut anderer gibt, wie es hierzulande manchmal noch geschieht. Dabei zeigen Studien (etwa aus Frankreich), dass Kinder, die auch schon sehr früh in Kitas unterkommen, rasch eine weitaus höhere Sozialkompetenz entwickeln und z.B. eher sprechen lernen - weil sie schlicht und einfach mehr Möglichkeiten haben, mit ihresgleichen zu kommunizieren und auch aus den Fehlern anderer zu lernen.

Die berechtigten Sorgen der Kitas muss die Politik also sehr ernst nehmen und gesetzliche Leitplanken errichten, damit die Mängelverwaltung endet und eine altersgerechte Nachwuchsförderung stattfindet. Das geht nicht allein mit Geld (etwa aus dem Gute-Kita-Gesetz) und sicher nicht über Nacht. Aber ein Runder Tisch gemeinsam mit den Fachverbänden, der Wege aus der Misere aufzeigt, wäre schon mal ein guter Anfang.

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