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Kommentar zum Gedenktag für Coronatote: Trost zur falschen Zeit

Währenddessen wütet die Pandemie weiter - 18.04.2021 18:27 Uhr

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier gedachte zusammen mit Hinterbliebenen in Berlin der Coronatoten. 

18.04.2021 © Michael Sohn, dpa


Fast 80.000 in Deutschland, drei Millionen weltweit: So viele Menschen hat das Coronavirus das Leben gekostet. Ihren Tod öffentlich in Erinnerung zu rufen, ist richtig - doch die Geste kommt mitten in der Pandemie zur falschen Zeit.


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Seit nunmehr über einem Jahr wütet das Virus schon in Deutschland. Die Zahl der Infizierten wird seitdem täglich veröffentlicht, ebenso die der Toten. Und "Tag für Tag sterben weitere", sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier bei der Gedenkfeier. Große Gefühle wecken die Statistiken bei vielen allerdings längst nicht mehr. Das hinter den Zahlen jedoch Schicksale stehen, ein meist einsames Sterben im Krankenhausbett, eine trauernde Familie: Darauf aufmerksam zu machen, ist absolut richtig.

Die Gedenkfeier jetzt abzuhalten, ist allerdings nicht gut gewählt. Lediglich fünf Hinterbliebene, dazu ein paar Vertreter aus der Politik, mehr dürfen wegen des aktuellen Infektionsgeschehens nicht teilnehmen. So wirken die Bilder aus Berlin fast kläglich, während die dritte Welle dabei ist, hunderte Menschen erneut in den Tod zu schicken. Ein guter Zeitpunkt für einen "Tag des Innehaltens", zu dem Steinmeier aufrief, wäre stattdessen, wenn wir die Pandemie im Griff haben. Eben darauf sollte sich die Politik auch konzentrieren.

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