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Kritik an Corona-Maßnahmen: So kontrollieren deutsche Flughäfen

Eine Leserin beschwerte sich über fehlende Kontrollen - 26.03.2020 10:17 Uhr

Reisenden, die aus Risikogebieten zurückkehren, wird eine besondere Behandlung an deutschen Flughäfen zuteil. © Kilian Trabert, NN


Angelika Obermeier kann ihre Wut kaum zügeln, wenn sie von der kürzlichen Rückkehr aus dem Ausland spricht. Nach ihrer Flugreise von Bangkok über Abu Dhabi nach München blieb ihr in der schönen Heimat sprichwörtlich der Mund offen stehen. Das heißt, wenn das tatsächlich der Fall gewesen wäre, hätte es sowieso niemand gemerkt. Denn Obermeier flog mit Mundschutz; Damit war sie auf den ersten beiden Flügen überhaupt nicht aufgefallen, auf dem Flug nach München war sie in der Minderheit. "Ich wurde komisch angeschaut und habe das alles stumm und entsetzt ertragen", erzählt sie.

"Das alles", damit meint sie nicht nur die Blicke. Obermeier beklagt vor allem die ihrer Meinung nach laxen Sicherheitsvorkehrungen nach ihrer Landung in München. In Bangkok habe sie beim Betreten des Flughafengeländes ihre Hände desinfizieren müssen, es wurde Fieber gemessen. Vor dem Einstieg in den Flieger das gleiche Spiel, Fiebermessen und Handdesinfektion, sämtliche Flughafenmitarbeiter trugen einen Mundschutz und Handschuhe.

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Obermeier landete Stunden später in Abu Dhabi, dort betraten zwei Menschen in Vollanzügen mit einer Wärmebildkamera den Flieger. Nach dieser Kontrolle und drei Stunden Wartezeit am Gate wurden vor dem Einstieg in den zweiten Flieger erneut Fieber gemessen und die Hände desinfiziert.

Im Morgengrauen verließ Obermeier in München völlig unbehelligt das Flughafengebäude - und kann das nicht fassen. Nicht einmal eine Fluggast-Karte habe sie ausgefüllt. Tatsächlich erfolgte ihre Rückreise gemäß der geltenden Bestimmungen, für deren Umsetzung das Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Erlangen zuständig ist.

Kaum kontrolliert?

Für aus Risikogebieten einreisende Passagiere und alle Crewmitglieder gebe es Fluggast-Aussteigekarten, die auszufüllen sind, erklärt die Pressestelle des Münchener Flughafens. Risikogebiete sind derzeit China, Südkorea, Japan, Iran und Italien. Aktuell würde laut LGL im Auswärtigen Amt geprüft, ob beispielsweise auch Madrid zum Risikogebiet erklärt wird.

Dass Obermeier keine Karte bekommen habe, sei demnach richtig. Einreisende aus Risikogebieten müssen auf den Karten Auskunft zu ihrem Aufenthaltsort in Deutschland und einer Kontaktmöglichkeit für die nächsten 30 Tage geben. So sollen mögliche Infektketten nachvollzogen werden können. Seit dem 17. März gilt außerdem eine Reisebeschränkung auf Anordnung des Innenministeriums: Einreisende aus Ländern außerhalb der EU werden an der Grenze zurückgewiesen, wenn kein dringender Einreisegrund vorliegt. Diese Regelung gilt zunächst ebenfalls für 30 Tage.

In Nürnberg landet nur noch wenig

Der Flugverkehr über Nürnberg verringte sich in den vergangenen Wochen stark und wird nach Auskunft der Pressestelle noch weiter abnehmen. Normalerweise gebe es in der aktuellen Periode am Albrecht-Dürer-Airport zwischen 50 und 100 Flugbewegungen am Tag - derzeit seien es nur zehn bis 15. Hauptsächlich gebe es derzeit noch Rückhol- und Frachtverkehr, erklärt Pressesprecher Jan Beinßen.


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Flugzeuge aus Risikogebieten landen mittlerweile nur noch in München oder Frankfurt, da es dort eine ständige Ausstattung für medizinische Notfälle gibt. Prinzipiell ist das Kabinenpersonal dafür verantwortlich, nach potenziell infizierten Passagieren Ausschau zu halten. Wenn in einem Flieger ein infektionsverdächtiger Reisender festgestellt wird, informiert der Pilot den eigentlichen Zielflughafen - beispielsweise Nürnberg - und landet dann entweder in München oder Frankfurt. Dort betritt nach der Landung zunächst ein Mitarbeiter des Medizinischen Dienstes das Flugzeug und prüft, ob der Patient medizinische Hilfe benötigt oder ob es sich um einen möglichen Infektionsverdacht handeln könnte, erklärt das LGL. Es folgen weitere Maßnahmen, die von der bloßen Aufklärung aller Passagiere im Verdachtsfall bis hin zur Isolation reichen können.

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All diese Aktionen werden von der Task-Force Infektiologie-Flughafen koordiniert und durchgeführt, die das LGL eingesetzt hat. Ebenso wird das Flughafenpersonal fortlaufend und umfassend informiert, es gebe außerdem eine Hotline, die das LGL eingerichtet hat, falls diese weitere Fragen haben.

Was den sichtbaren Schutz anbelangt, so hat Deutschland schlichtweg andere Maßnahmen. Das LGL verweist darauf, dass Fiebermessungen keine geeignete Methode für all jene Erkrankten sei, die symptomfrei seien oder vor dem Reiseantritt fiebersenkende Medikamente genommen haben. Auch das Tragen von Handschuhen sei "nicht unbedingt notwendig, viel wichtiger ist die Einhaltung einer gründlichen Handhygiene", so Aleksander Szumilas, Pressesprecher des LGL.

Am Airport München seien zusätzliche Desinfektionsmittelspender für Mitarbeiter aufgestellt worden, betont er. Eine Ausrüstung des Personals mit Schutzkleidung darüber hinaus obliege dem Arbeitgeber, in dem Fall den Airlines oder dem jeweiligen Flughafen. Der Münchener Flughafen hat im Zuge der Corona-Krise Abstandsregeln eingeführt und wendet strenge Quarantäneregeln im Falle eines Krankheitsverdachtes bei Mitarbeitern an.


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