Mehrere Tote bei möglichem Lkw- Anschlag in Berlin

19.12.2016, 23:38 Uhr
Nach dem mutmaßlichen Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt hat die Polizei den Breitscheidplatz großräumig abgeriegelt.

© REUTERS/Fabrizio Bensch Nach dem mutmaßlichen Anschlag auf einen Weihnachtsmarkt hat die Polizei den Breitscheidplatz großräumig abgeriegelt.

An der Budapester Straße am Waldorf Astoria bleibt der Lkw stehen. Ohrenzeugen wollen einen Schuss gehört haben. Es ist nur ein Moment der Schockstarre. Dann ungewöhnliche Stille. Die Lautsprecher mit den Weihnachtsliedern sind verstummt. In der Schneise der Verwüstung liegen Menschen am Boden. Manche wimmern vor Schmerzen.


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Besucher des Marktes versuchen sich an Erster Hilfe. Mit Decken werden Leichen zugedeckt. Ein Reporter der Morgenpost filmt das Geschehen live. Sein Fim wird in der Nacht noch abertausende Mal abgerufen. Immerhin hat er nicht die Opfer gefilmt. Erst spricht er von einem Unfall.

Zahl der Toten steigt

Nach einer Stunde zeichnet sich das Ausmaß des Geschehens ab. Mindestens neun Menschen sind tot. Die ersten Bilder vom Tatort zeigen pures Chaos im Schein flackernder Blaulichter. Verzweifelte Menschen rufen, andere reagieren aggressiv und schlagen fotografierenden oder filmenden Passanten die Mobiltelefone aus der Hand.

Der Pulk der Einsatzfahrzeuge wird immer größer. Der Reporter der Morgenpost geht zur Budapester Straße, und allmählich dämmert ihm die Dimension: An den Anschlag von Nizza erinnern ihn die Bilder, sagt er. Zwischenzeitlich lässt die Polizei verbreiten, auch sie gehe nicht mehr von einem Unfall, sondern von einem gezielten Anschlag aus.

Dann ein schlimmer Verdacht. Mitten in den Rettungsarbeiten gibt es einen Gasalarm. Hatte der Lkw Gas geladen? Nein, in einer Bude wurde ein Schlauch abgerissen und das Propangas strömte ungehindert aus. Schnell wird die Flasche verschlossen.

Dann wieder ein Schwenk auf den Lkw: Die Frontscheibe ist zertrümmert. Vor dem Fahrerhaus liegen weihnachtliche Artikel aus den Buden, die der Wagen umgeräumt hat. Ein umgestürzter Weihnachtsbaum liegt den Rettungskräften im Weg. Polizisten öffnen das Fahrerhaus. Darin ist niemand zu sehen. Dafür meldet ein Fotograf einen Polizeieinsatz wenige Hundert Meter entfernt am Zoologische Garten.

Nach allerersten, nicht bestätigten Informationen sei der Fahrer des Lastwagens zu Fuß geflüchtet. Gut eine Stunde nach dem Anschlag bestätigt die Polizei, einen Verdächtigen gefasst zu haben.