"Es wird eine deutliche Belastung geben"

Söders Corona-Fahrplan: So will Bayern die nächsten Wochen angehen

13.7.2021, 17:42 Uhr

"Wir glauben nicht mehr an einen Lockdown", sagte Söder am Dienstag bei einer Pressekonferenz entschlossen. Der Ministerpräsident rechnet jedoch im Hinblick auf steigende Fallzahlen mit einer deutlichen Belastung. © Sammy Minkoff via www.imago-images.de, imago images/Sammy Minkoff

Eines stellt Ministerpräsident Markus Söder gleich mehrfach klar, und das kommt nicht von ungefähr. Eine Impfpflicht, sagt der CSU-Politiker, werde es nicht geben, auch nicht für einzelne Berufsgruppen wie in Frankreich. Daran ändert aus seiner Sicht nichts, dass die so genannte Delta-Variante des Corona-Virus mittlerweile dominiert in Bayern.

"Es wird eine deutliche Belastung geben", sagt Söder, der mit schnell wachsenden Fallzahlen rechnet. "Die Frage ist nur, wann." Weitreichende Lockerungen wie derzeit in Großbritannien hält er für grundlegend falsch, das sei "ein Experiment mit der jüngeren Generation". Die Delta-Variante ist nach bisherigen Erkenntnissen für sie gefährlicher als ihre Vorgänger.


Söder macht Hoffnung: Clubs sollen im Herbst für Geimpfte öffnen


Angesichts niedriger Inzidenzwerte – Bayern liegt derzeit mit 7,3 bundesweit auf dem siebten Platz – glaubten offenkundig viele, die Gefahr sei gebannt, sagt Söder. "Das ist sie nicht." Deshalb sieht der CSU-Politiker die nachlassende Impfbereitschaft mit Sorge. "Impfen ist der Weg zur Freiheit", glaubt Söder. Wer glaube, das sei sein "reines privates Risiko", der irre. "Wer sich impfen lässt, schützt nicht nur sich, sondern auch alle anderen. Deshalb ist Corona auch als Seuche eingestuft."

Die Impfmüdigkeit hat unmittelbare Folgen. Noch in diesem Monat könnten 15 300 Dosen Astrazeneca verfallen. Rund 280 000 Dosen liegen auf Vorrat; knapp 240 000 laufen spätestens im Oktober ab. Bayern will deshalb die Impfkampagne neu aufsetzen. Wer will, kann sich in den Impfzentren impfen lassen, ohne Termin. Mobile Teams sollen in Schwimmbäder und zu Vereinen gehen, in Supermärkte, Gaststätten, Fastfoodketten oder Einkaufszentren, in Kulturvereine und Behörden. "Niedrigschwellig" müsse das Angebot sein, sagt Söder.

Parallel lockert die Staatsregierung zunächst nur, was sie lockern muss. So dürfen bei sportlichen und kulturellen Großveranstaltungen ab Donnerstag mehr Menschen in Stadien und Arenen. Mehr passiert vorerst nicht. Nur so, sagt Söder, lasse sich die Inzidenz möglichst lange niedrig halten. Dazu zählt auch, dass Volksfeste weiterhin nicht stattfinden dürfen. Anfang der Woche hatte das noch anders geklungen. Vor allem die Freien Wähler um Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger hatten den Eindruck erweckt, die Staatsregierung lockere die Regeln.

"Das klassische Volksfest wird es sicher weiterhin nicht geben", sagt Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU). Allenfalls Ersatzveranstaltungen seien denkbar, mit strengen Auflagen, ohne Volksfestcharakter und immer nur mit einer Sondergenehmigung. "Wir wollen vermeiden, dass Menschen im Bierzelt in bierseliger Stimmung und auf engstem Raum miteinander feiern".

Söder bestätigt das. Die Freien Wähler hätten das "sehr extensiv interpretiert", sagt er. "Diese Unschärfe in der Koalition ist behoben." Soll heißen: Aiwanger und seine Truppe sind wieder auf Kurs.

Eine andere Botschaft dürfte Aiwanger deutlich besser gefallen. Söder deutet an, dass ab Herbst "mehr Freiheiten für Geimpfte" kommen könnten. Beispiele allerdings nennt er nur wenige. So könnten Clubs und Diskotheken wieder öffnen für geimpfte Besucher. Bei Kultur und Sport müssten sie dann nicht mehr auf die Besucherzahl angerechnet werden. Doch ob es wirklich so kommt, bleibt offen. Das hänge, sagt Söder, auch davon ab, wie sich die Pandemie weiter entwickelt.